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Literatur Rennen auf Leben und Tod

Gerd Fischer lässt seinen Frankfurt-Krimi in der Läufer-Szene spielen und darin einen Jogger-Mörder umgehen. Oder umlaufen.

26.10.2010 11:55
Frank Schuster
Eher alleine beim Laufen: Gerd Fischer. Foto: FR/Arnold

Jeder, der schon einmal in einer Laufgruppe mitgerannt ist, kennt sie. Die unterschiedlichen Läufertypen. Da gibt es den Normalo, der sich einfach fit halten will. Da gibt es den meditativen Einzelgänger, der beim Laufen seine Ruhe sucht. Und da gibt es den von Endorphinen getriebenen Kilometerfresser, stets auf der Jagd nach Bestzeiten.

„Das sind so Leute mit Stirnband und den allerneusten Hochfrequenzgeräten“, weiß Gerd Fischer zu berichten. Der 40-Jährige aus dem Frankfurter Stadtteil Bockenheim spricht aus Erfahrung. Seit mehr als 20 Jahren läuft er, er hat bereits zehn Marathons hinter sich gebracht. Da konnte er fast alle Läufertypen beobachten. Er selbst entspreche eher dem Einzelgänger. „Ich bin nicht so der Typ, der in einer Gruppe läuft, ich laufe lieber alleine.“ Laufen sei für ihn nicht unbedingt ein Sport, „sondern ein Abschalten, wie für andere vielleicht Yoga oder Kochen“, sagt Fischer, der von Beruf selbstständiger Werbetexter ist. Nebenbei schreibt er Lokalkrimis.

„Beim Laufen kommen mir Ideen für Bücher, da fallen mir ganze Sätze ein.“ Sein erster Krimi mit dem Frankfurter Kommissar und Apfelweinliebhaber Andreas Rauscher wurde 2006 veröffentlicht. Jetzt ist sein zweiter Frankfurt-Krimi, „Lauf in den Tod“, erschienen. „Ich wollte eigentlich ein Laufbuch schreiben, dann habe ich meine beiden Hobbys verbunden.“ Auf den Läufertyp „Kilometerfresser“ trifft man in seinem neuen Krimi. Die Geschichte beginnt damit, dass ein toter Jogger am Ufer der Nidda liegt – ohne Schuhe. Kommissar Rauscher taucht bei seiner Jagd nach dem Mörder, der nach und nach mehr Läufer auf dem Gewissen hat, in die Welt der Bestzeiten und Endorphine ein. Der Fall entwickelt sich zu einem Wettrennen auf Leben und Tod.

Ein neues Sub-Sub-Genre?

Am liebsten läuft Fischer dort, wo viele Bockenheimer laufen. „Seit gut 20 Jahren im Niddatalpark. Den kenne ich wie meine Westentasche.“ Wie seine Westentasche kennt er auch den Stadtteil Bockenheim, in dem der gebürtige Wetterauer seit zwei Jahrzehnten lebt.

Zufälligerweise sind soeben fast zeitgleich zwei Frankfurt-Krimis erschienen, die im Läufer-Milieu spielen. Jörg Reckmanns „Bärlinger Splitt“ (Frankfurter Verlagsanstalt), dessen Handlung um den Frankfurt-Marathon kreist, und Fischers Buch im Mainbook-Verlag. „Da ist wohl ein neues Genre entstanden“, sagt Fischer lachend. Und er habe auch von einem schwäbischen Lokalkrimi gehört, der ebenfalls Mord- und Lauflust spannend miteinander verbinde.

Der Lokalkrimi boomt. Es gibt Eifel-, Münsterland- und Darmstadt-Krimis. Warum erfreuen sie sich so großer Beliebtheit? „Die Leute interessieren sich dafür, was in ihrer Umgebung passiert“, sagt Fischer. „Was soll ich Krimis lesen, die in Schweden auf dem Land spielen?“ Fischers erster Krimi, „Mord auf Bali“, spielte nicht in Schweden, aber auf einer fernen Insel im indischen Ozean. Kommissar Rauscher, der unter Mordverdacht gerät, bringt aber reichlich Frankfurter Kolorit in die Geschichte. Das Buch erschien 2006 im Verlag Anderbeck, es ist längst vergriffen.

Als der Autor – trotz guter Kritiken – keinen Verlag für den Nachfolger fand, entschied er sich, einen eigenen Verlag zu gründen: Mainbook. Seinen dritten Krimi hat er fertig und sich die Rechte am ersten Buch zurückgeholt. Beide sollen auch im neuen Verlag erscheinen. Mainbook soll aber nicht allein die Spielwiese des Verlagsgründers werden. Verhandlungen mit einem weiteren Frankfurt-Krimi-Autoren über eine Veröffentlichung laufen.

Nächste Lesungen: 29. 10., 20 Uhr, Gemeindehaus Altenstadt-Höchst, Mittelstraße 24; 2.11., 20 Uhr, Homburger Hof Frankfurt, Engelthaler Straße 13; 4.11., 19.30 Uhr, KÖB Dorn-Assenheim in Reichelsheim, Kirchplatz 1; 5.11., 19.30 Uhr, Weinhaus Hamm, Bad Vilbel-Gronau, Neue Straße 2; 11.11., 19.30 Uhr, Restaurant Café Gundi, Frankfurt-Bockenheim, Leipziger Straße 85-87

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