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Landesmuseum Mainz Buntstift statt Fotoapparat

Beim „Urban Sketching“ halten Künstler ihre Umgebung mit dem Skizzenblock fest – das ist oft sogar genauer beobachtet als mit der Kamera. Das Landesmuseum in Mainz widmet den schnellen Bildern eine Ausstellung.

Die in Sevilla lebende spanische Künstlerin Inma Serrano hält Reiseeindrücke in ihrem Skizzenbuch fest – hier die Calle mercaderes in Pamplona. Foto: Inma Serrano 2016

Ich gehe durch die Stadt. Es ist früher Abend. Es dämmert. An der nächsten Ecke steht eine Gründerzeitvilla mit einigen Bäumen im Vorgarten. Ein schönes Motiv. Ich zücke mein Handy und halte diesen Moment fest. So wie mir geht es sicherlich vielen. Ständig haben wir Kamera oder Handy zur Hand, um einen Augenblick festzuhalten. 

Ganz anders machen es die „Urban Sketchers“, eine Gemeinschaft internationaler Künstler. Mit Skizzenbuch und Stift erobern sie die Städte und die Landschaft. Sie wollen direkte Beobachtungen auf dem Papier einfangen, anstatt sie zu fotografieren. Egal, ob auf Reisen oder Zuhause: Inspiration finden sie überall. Dabei beschränken sie sich nicht nur auf Bleistiftzeichnungen, sondern benutzen ganz unterschiedliche Materialien und Techniken. 

Zunächst nur in den Vereinigten Staaten aktiv, hat das Netzwerk mittlerweile weltweit mehrere tausend Mitglieder. Anfangs ging es lediglich darum, Bilder und Skizzen online mit anderen zu teilen. Inzwischen ist die Gemeinschaft auch in der realen Welt aktiv. Es gibt Workshops, Treffen und Ausstellungen. 

Ganz aktuell zeigt das Landesmuseum Mainz vom 29. Juni bis 2. September die Werke von sieben „Urban Sketchers“. Es ist aber keine Ausstellung im klassischen Sinn. Die Besucher sollen vielmehr erleben, an welchen Orten die Bilder gezeichnet wurden. Vor den Werken befinden sich etwa Kästen mit Sand oder Lautsprecher, die Musik spielen. Auf diese Weise können die Besucher ein Stück weit in das Bild eintauchen. 

Das ist aber nicht alles. Es finden auch Workshops, Zeichenkurse und Vorträge für alle Interessierten statt. Gerade bei den Zeichenkursen geht es darum, Freude am Zeichnen und Malen zu wecken. So gibt es etwa am kommenden Samstag, 30. Juni, ein „Drink and Draw“ im Innenhof des Museums. In entspannter und lockerer Atmosphäre wird dort von 19 Uhr bis 23 Uhr gezeichnet und getrunken. 

Ein Höhepunkt der Ausstellungseröffnung am morgigen Freitag, 29. Juni, ist der „Skizzomat“ alias Felix Scheinberger. Eigentlich lehrt Scheinberger an der Fachhochschule Münster Zeichnen und Illustration. Während der Eröffnung wird er allerdings selbst viel zeichnen. Gemeinsam mit 15 seiner Studenten fertigt er an diesem Abend auf Wunsch Porträts der Besucher an. Diese Skizzen dürfen die „Models“ im Anschluss mit nach Hause nehmen. 

Auch der 7. Juli ist ein ganz besonderer Abend. Unter dem Motto „Von Himmel und Erde ... und anderen Begebenheiten, die des Zeichnens würdig sind“ öffnet das Landesmuseum bis 2 Uhr morgens seine Pforten. Bei Wein oder Bier können Interessierte sich die Ausstellung ansehen — und selbst zum Stift greifen oder Teil von lebendigen Bildern werden. 

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