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Kunstverein Familie Montez Bald wieder drinnen

Lionel Röhrscheids Wandbild „Draußen vor der Tür“ spiegelt die Lage beim Kunstverein Familie Montez – aber jetzt wird das Gebäude saniert.

28.03.2011 14:55
Dorothee Baer-Bogenschütz
Der Kunstverein Lola Montez gilt als Geheimtipp. Foto: FR/Arnold

Eine ganze Fassade mit nacktem Geschwätz. „Ich bin eigentlich Maler“, erschrickt Lionel Röhrscheid, „jetzt habe ich mich ausgezogen.“ Der Frankfurter Künstler war aufs Baugerüst gestiegen und hatte sich an ein Konzeptkunstwerk gewagt. Titel: „Draußen vor der Tür“. Damit hält er der Plappergesellschaft den Spiegel vor: Nichts als „Blahblahblah“ beinhaltet Röhrscheids „Wandbild“ für den Kunstverein Familie Montez. Die Fassade der schrägen Kunsthalle in der Breiten Gasse hat er über und über mit dem Vier-Buchstaben-Wort signiert, das als Platzhalter für alle anderen steht.

Vor solidarischem Publikum wurde die zunächst schwarz verdeckte Fassadenmalerei mit einer Performance enthüllt. Während das Gerüst von Künstlerkollegen abgebaut wurde, machten Mirek Macke und Kasper König Stehgreif-Konversation. Vom Montez-Chef ins Boot geholt, war der frühere Städelschulrektor mit einer „Solidaritätsadresse“ herbeigeeilt. „Einerseits sagt es nichts und dennoch macht es eine Aussage“, kommentierte er das Kunstwerk. Tatsächlich ist die Intervention am Mauerwerk ein lakonischer Kommentar zur (kultur-)politischen Existenz und zur Figur der Quasselstrippe, die sich durch Penetranz mehr hervortut als durch Gehalt. Herrlich konterkarierend das Werbeplakat eines Mobilfunkanbieters am Hoftor, der seinen Slogan „Quatscher zahlen nur fürs Quatschen“ in die Runde plärrt.

Das Baumaterial wurde pünktlich geliefert

Dagegen wird bei Montez nun in die Hände gespuckt. Die öffentliche Nutzung der Kunsträume ist im Moment aus Sicherheitsgründen nicht gestattet. Mit „Draußen vor der Tür“ feiert man nun, dass der einzigartige Rhein-Main-Kunstort mit Club-Atmosphäre, der in Agonie zu liegen schien, weitermacht. Das Baumaterial wurde pünktlich geliefert. Die Sanierung beginnt ab Montag. Keine Rede mehr von Verkauf und Luxussanierung. Sollte das Gelände doch veräußert werden, will der Besitzer Macke mit einem halben Jahr Vorlauf unterrichten. Das bedeutet erst mal wieder freie Fahrt. Schon in drei Wochen sollen die Räumlichkeiten erneut bespielt werden.

Macke ist ein Macher. Ungeachtet dessen, dass die Genehmigung für den Ausstellungsbetrieb noch fehlt, steht sein Programm fest, die Klasse von Mariola Brillowska (HfG Offenbach) ante portas. Sie wird als Erste am brandschutztechnisch aufgerüsteten Ort ausstellen. Im Sommer folgt das ehrgeizige Projekt „Monte Verita“, eine Gruppenschau mit 35 internationalen Positionen. Die Installation der ersten permanenten Arbeit sieht Macke, der selbst an der Städelschule studierte, für September vor. Sein Lehrer Hermann Nitsch ist angefragt.

Auch ihn bezog König in seine launige Nichtrede ein. Nicht ahnend, dass der Großteil der Zuhörer mit Wolfgang Borchert nichts anzufangen weiß, schlug er alsdann eine Brücke vom Titel „Draußen vor der Tür“ zu Borcherts berühmtem, „extrem epochalen“ Nachkriegsdrama: „Der Titel ist prima, weil er etwas reflektiert, was sehr zeitbezogen ist.“ Abschließend sang König, nachdem er Macke „im habsburgisch imprägnierten orgiastischen Zusammenhang“ verortet hatte, „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Macke entfuhr ein messdienerisches Amen. Ein liturgisch gelungener Abend.

Lionel Röhrscheid, Kunstverein Familie Montez, Frankfurt, Breite Gasse 24, Telefon 069/29723577

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