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Künstler in Frankfurt Einem Maler Modell sitzen

Porträts zu malen, gehört zur Königsdisziplin in der Kunst. Doch wie ist es, Gegenstand der Darstellung zu sein und Modell zu sitzen? Unsere Autorin Bernadette Weimer hat es in Frankfurt ausprobiert.

Künstler in Frankfurt
Für das Porträt verwenden alle Teilnehmer anderes Material. Foto: Monika Müller

Ich zögere kurz, als ich mich auf den Holzstuhl im Scheinwerferlicht setzen soll. Dann erinnere ich mich an die Worte von Natalia Makievski: „Je entspannter das Modell da sitzt, desto besser sind auch die Ergebnisse.“ Ich platziere also meinen Arm über der Stuhllehne, die mit einem Kissen gepolstert ist, winkle die Beine an, neige meinen Kopf leicht zur Seite und verharre in dieser Position für die nächsten zwei Stunden – genug Gelegenheit, um nachzudenken, wahrzunehmen und zu beobachten.

Das Atelier McKiev liegt versteckt in einem Hinterhof im Sandweg 113 im Frankfurter Stadtteil Nordend-Ost. Als ich das Atelier betrete, brodelt bereits heißes Teewasser im Kocher neben der Eingangstür. In Regalen so hoch wie die Decke stehen selbstgemachte Tassen aus Keramik und dicke Bücher darüber, wie man Menschen am Besten zeichnet. Es riecht nach staubigem Ton und frischer Farbe.

Die freischaffende Künstlerin Natalia Makievski betreibt an diesem Ort seit mehr als zehn Jahren ein offenes Atelier für Bildende Kunst und Körperwahrnehmung gemeinsam mit ihrem Mann. Sie bieten Kurse in verschiedenen Bereichen an: Malerei, Zeichnen, Töpfern, Bewegungskunst.

Der Malkurs findet jede Woche am Dienstagabend statt – und ich sitze für fünf Malschüler des Kurses an einem Abend Modell. „Es ist gegen die menschliche Natur, so lange still zu sitzen. Der menschliche Körper bewegt sich immer“, erklärt Makievski.

Stühle werden zurechtgerückt, Staffeleien um wenige Zentimeter verschoben, um auch jedes Detail meines Gesichts sehen zu können. Dann füllt leise Klaviermusik den Raum. Und ich versuche, mich nicht mehr zu bewegen.

Die Maler greifen zu Pinsel und Stift und beginnen damit, mich zu porträtieren: Ein Blick auf die Staffelei und das Malwerkzeug, ein Blick in mein Gesicht, dann fahren Stift und Pinsel über Papier und Leinwand. Ich kann nicht schätzen, wie viel Zeit vergangen ist, als mein Arm über der Stuhllehne beginnt zu kribbeln, als würden tausende Sandkörner durch meine Adern fließen und kein Blut.

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