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Konzert-Couch Klassik in Begleitung

Unter dem Titel „Konzert-Couch“ besucht die Frankfurter Klassik-Expertin Ulrike Schmid mit interessierten Gästen Aufführungen im Rhein-Main-Gebiet und ist jedesmal gespannt auf deren Erfahrungen.

Klassik-Expertin Ulrike Schmid. Foto: peter-juelich.com

Wie begeistert man Menschen für klassische Musik? Indem man sie einfach mit ins Konzert nimmt. Das hat sich Ulrike Schmid gedacht und die „Konzert-Couch“ ins Leben gerufen. Auf dieser Couch, die in Wirklichkeit nicht existiert, sondern sinnbildlich für einen Besuch in einem klassischen Konzert steht, darf Platz nehmen, wer Lust auf ein Konzert hat, „aber alleine vielleicht nicht hingehen würde“, beschreibt Schmid die Aktion.

Sieben Gäste haben Schmid bisher im Rahmen der „Konzert-Couch“ ins Konzert begleitet und gemeinsam mit der Gastgeberin klassischer Musik gelauscht. Ein Fußballblogger war dabei, ebenso eine Mitarbeiterin des Frankfurter Städel, die anschließend im Blog des Museums davon berichtet hat, und ein Techblogger war auch schon mit von der Partie. Das war Robert Basic. Basic war nicht nur der erste Gast auf der „Konzert-Couch“, sondern quasi der Ideengeber. Vorbild der Aktion war seine „Auto-Couch“, bei der er mit anderen Bloggern eine Probefahrt unternahm und mit ihnen über Blogs, Technik und die Zukunft sprach. Die Auto-Couch gibt es mittlerweile nicht mehr, aber Schmid war eben Gast bei Basic – und hat die Idee spontan auf ihr Steckenpferd, die klassische Musik, ausgeweitet und sie adaptiert.

Als Gegenleistung für den freien Eintritt ins Konzert erwartet Schmid, dass ihr Gast vorab einen kurzen Fragebogen ausfüllt, den sie in ihrem Blog veröffentlicht. „Damit nicht nur mein Gast, sondern auch der Veranstalter etwas davon hat“, erklärt Schmid. In dem Fragebogen beschreibt der Konzert-Neuling unter anderem, was ihn üblicherweise davon abhält, in ein klassisches Konzert zu gehen.

Nach dem Konzertbesuch veröffentlicht der Gast dann einen weiteren Artikel, dieses Mal bevorzugt im eigenen Blog. Schmid interessiert dabei besonders, wie jemand das Konzert wahrnimmt, der sich sonst nicht mit dem Thema beschäftigt. „Den Gästen fallen Dinge auf, die ich als regelmäßiger Konzertgänger gar nicht mehr sehe“, stellt Schmid immer wieder fest. „Denn ich weiß ja beispielsweise, warum die Musiker aufstehen.“

Auch die Veranstalter fänden sehr interessant, was die Gäste schreiben, weiß Schmid. „Es heißt ja immer, das Publikum bricht weg. Wenn man dann liest, was meine Gäste schreiben, kommen immer wieder die gleichen Vorbehalte, zum Beispiel, dass es im Konzert steif zugeht, oder dass man ohne Moderation alleine gelassen wird. Da könnte man ja ein bisschen gegensteuern“, schlägt Schmid vor.

Mit Kultur nichts am Hut

Die Rückmeldungen ihrer Gäste findet sie dementsprechend eher nachvollziehbar als verblüffend. Dass aber Veranstalter in Eigeninitiative Tickets für die „Konzert-Couch“ angeboten haben, das hat Schmid dann doch überrascht. Das Wiener Konzerthaus hat Tickets angeboten, und auch ein Konzerthaus in Luxemburg hat sich darum beworben, dass die „Konzert-Couch“ zu Besuch kommt. „Die haben sich sogar dafür eingesetzt, einen Gast zu finden“, berichtet Schmid. „Das war wirklich großartig.“

Mit den Gästen kommt Schmid auf unterschiedlichste Art in Kontakt: Manche bewerben sich gezielt oder werden vorgeschlagen, andere spricht Schmid direkt an. „Ich will schon eher Gäste, die – zumindest so wie ich es in den sozialen Netzwerken wahrnehme – nicht viel mit Kultur am Hut haben“, erklärt Schmid. „Jemand, der sich für Museen interessiert, der ist eigentlich schon zu nah an der Kultur dran.“

Was sich Schmid von ihrer Aktion erhofft? Im besten Fall, dass die Gäste künftig auch ohne „Konzert-Couch“ ihren Weg in das ein oder andere Konzert finden. „Ein paar meiner Gäste haben das auch schon angekündigt“, freut sich Schmid. Andere hätten dagegen abgewunken, „die haben den Spaß nur ein Mal mitgemacht“.

Bisher beschränkt Ulrike Schmid ihre „Konzert-Couch“ größtenteils auf das Rhein-Main-Gebiet, doch Ausflüge in die Ferne sind nicht ausgeschlossen: „Eine Kombination aus Auto- und Konzert-Couch kann ich mir sehr gut vorstellen“, erzählt sie. Wohin es dann am liebsten gehen soll, weiß sie auch: Das berühmte Concertgebouw in Amsterdam wäre ihr Ziel. Auch das Konzerthaus in Luxemburg hat sie noch auf ihrer Liste stehen, denn die Einladung der Luxemburger hat sie bisher noch nicht angenommen.

In nächster Zeit bleibt die „Konzert-Couch“ jedoch erst einmal in Frankfurt: Am 14. Mai begleitet Schmid einen Konzert-Neuling zu einem Konzert in der Alten Oper.

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