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Kistentrommel Cajon Der Klang der Kiste

Die südamerikanische Kistentrommel Cajon liegt schwer im Trend. Unsere Autorin besuchte Daddy Bahmani, der die richtige Schlagtechnik unterrichtet.

Ein Cajon lässt sich auch als Sitzmöbel verwenden. Foto: peter-juelich.com

Daddy Bahmani verschüttet keinen Tropfen. Seine rechte Hand schlägt einen Samba-Rhythmus aufs Holz, die linke hält eine Tasse mit schwarzem Tee, an der er nippt, während seine Schüler üben. „Für den Bass müsst ihr nach unten gehen, sonst habt ihr keinen Druck“, ruft er ins emsige Getrommel hinein, setzt die Teetasse ab und holt mit der flachen Hand einen dumpfen Ton aus seinem Cajon. Dann klackern die Finger beider Hände auf der Oberkante des Holzkastens, hell, scheppernd.

Konzentriert schauen die drei Männer, die Bahmani an diesem Abend in Offenbach unterrichtet, zu Boden. Dort liegen Notenblätter mit Übungsrhythmen – mit Buchstabenkürzeln für die Art der Schläge und als Merkhilfe, ob sie dafür die rechte oder linke Hand nutzen müssen. Breitbeinig sitzen sie auf den leicht nach hinten gekippten Kistentrommeln, in deren Innerem Saiten gespannt sind, um einen Schnarr-Effekt auszulösen. Auf der Rückseite ist ein Loch, damit der Resonanzkörper klingen kann.

„Wisst ihr eigentlich, wie Cajons entstanden sind“, fragt Daddy Bahmani und erntet Kopfschütteln. Der 33-Jährige erzählt von afrikanischen Sklaven in Peru, denen ihre traditionellen Trommeln weggenommen wurden. „Die haben dann stattdessen auf Obstkisten getrommelt“, sagt er. In den 1970ern habe man damit begonnen, die Klangkisten professionell zu bauen. „Und seit einigen Jahren liegen sie auch hierzulande richtig im Trend.“

Daddy Bahmani, der schon als Kind trommelte und übers Schlagzeug zu diversen Percussion-Instrumenten kam, hat in dieser Zeit auch seine Vorliebe für den Cajon entdeckt. Neben Kursen zur westafrikanischen Djembe-Trommel gibt er seit einigen Jahren Cajon-Kurse und Schnupperworkshops in Frankfurt und Offenbach. Außerdem hat er erst kürzlich sein Grafikdesign-Studium an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach abgeschlossen. Noch ist aber die Musik sein berufliches Hauptstandbein.

„Als Schlagzeuger finde ich, Cajon ist von der Spielweise das optimale Percussion-Instrument, man kann sehr unterschiedliche Rhythmen darauf spielen“, sagt er. In einem YouTube-Video holt Bahmani einen wuchtigen Drum’n’Bass-Beat aus seiner Wunderkiste heraus.

Der im Iran geborene Offenbacher, der seine Kindheit teilweise in Zypern verbrachte, spielt auch gerne traditionelle Rhythmen seines Heimatlandes oder südamerikanische Musik, wie er berichtet: „Mit dem Cajon kannst du so ziemlich jede Musikrichtung abdecken.“

Ein Cajon lässt sich auch als Sitzmöbel verwenden

Ein weiterer Vorteil der Holzkiste: „Es ist das am leichtesten zu spielende Rhythmus-Instrument“, findet Bahmani. Das ist leicht gesagt für den Profi-Percussionisten, der mit dem iranischen Sänger Mansour Konzerte auf der ganzen Welt spielt und mit Electro-DJs durch die Clubs zieht. Seine flink aufs Holz gewirbelten Triolen muss er für seine Schüler zunächst in Zeitlupe wiederholen. „Da müssen die einfach durch, dass es sich am Anfang noch nicht so gut anhört.“ Mit den fortgeschritteneren Spielern absolviert er auch kleine Auftritte.

Dennoch finden auch die drei Kursteilnehmer, dass der Cajon ein gutes Einstiegsinstrument ist. „Ich habe mich für den Kurs angemeldet, um mein Rhythmusgefühl zu schulen“, sagt der 41-jährige Rafael Ledwig, der seit rund einem Jahr bei Daddy Bahmani trommelt: „Man setzt sich einfach auf die Kiste und legt los.“ Und wenn man mal nicht darauf trommele, lasse sich der Cajon auch als praktische Sitzgelegenheit für Gäste nutzen. „Oder als Katzenhöhle“, ergänzt Mittrommler Klaus Horbach und lacht.

Der 58-Jährige hat sich sein Instrument selbst gebaut. Ein Freund bekam einen Cajon zum Geburtstag geschenkt, „da habe ich das erste Mal so ’n Teil gesehen“, sagt Horbach. Fasziniert von der Kiste habe er sich dann einen Bausatz gekauft, Holz geschleift und geleimt, „und dann stand das Teil zu Hause, und ich hab’ ein bisschen drauf rumgeklopft“. Horbach singt in einem Chor, in den er gerne ein wenig Rhythmus reinbringen würde, wie er sagt. Bei Bahmani schafft er sich das Rüstzeug dafür drauf, „gleichzeitig trommeln und singen“ zu können.

Erst mal aber konzentriert er sich aufs Trommeln. Gebannt schauen er und die anderen beiden Nachwuchs-Cajonisten auf Daddy Bahmanis Hände und fühlen prüfend den Rhythmus nach. Sobald die Schlagabfolge sitzt, werden sie sicherer, schauen sich gegenseitig an, lachen, die Hände fliegen wie von selbst. „Das ist wie beim Sport: Man muss sich erst mal warmspielen“, sagt Kursleiter Bahmani. Und üben, üben, üben.

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