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Kino Tod auf Raten

Das Naxos-Kino widmet sich mit einem Dokumentarfilm dem Leben Fritz Bauers, Chef-Ankläger des Frankfurter Auschwitz-Prozesses von 1963. Am 23. November in Frankfurt.

Fritz Bauer, 1961. Foto: dpa

Es gibt in ganz Deutschland nur wenige Fritz-Bauer-Straßen. Darüber kann man sich wundern. Fritz Bauer, zurückgekehrter jüdischer Emigrant, war einer der alles andere als zahlreichen prominenten Juristen Nachkriegsdeutschlands, die sich von Anfang an vehement für die Verfolgung von NS-Verbrechen eingesetzt haben. Ilona Zioks neuen Dokumentarfilm „Fritz Bauer – Tod auf Raten“ zeigt das Naxoskino mit anschließendem Podiumsgespräch, bei dem auch die Regisseurin anwesend sein wird. Es ist eine echte Premiere. Als einer der erfolgreichsten Filme der diesjährigen Berlinale war das Werk bislang nur in Sondervorstellungen zu sehen

Fritz Bauer sorgte für die Rehabilitierung der Verschwörer vom 20. Juli. Und es war Bauer, der dem Mossad den Aufenthaltsort von Eichmann in Argentinien mitteilte, weil er der deutschen Justiz misstraute. Mitte der 60er Jahre trieb Bauer die Frankfurter Auschwitzprozesse voran, mit dem die öffentliche Debatte über die Nazivergangenheit in Deutschland überhaupt erst begann. Die Umsetzung seiner Reformvorschläge zur Humanisierung des Strafvollzugs hat er nicht mehr erlebt. 1935 floh Fritz Bauer nach Kopenhagen, später nach Schweden. Erst nach langem Zögern kehrte er 1949 zurück.

Die Kollegen unterschätzt

Gleich der erste große Fall, da war Bauer noch Generalstaatsanwalt in Braunschweig, diente seiner besonderen Form der Auseinandersetzung mit der jüngsten Vergangenheit. Er klagte 1952 den früheren Kommandeur des Wachbataillons „Großdeutschland“, Otto Ernst Remer, wegen „übler Nachrede“ an – weil der als Wortführer der rechtsextremen Sozialistischen Reichspartei die Widerständler des 20. Juli verunglimpft hatte.

Fritz Bauer hatte offenbar unterschätzt, wie viele Kollegen in Politik und Justiz auch schon während des Dritten Reichs im Amt waren, und auch nicht bedacht, dass sehr viele deutsche Familien damals belastet waren. Einer wie er wurde als „Nestbeschmutzer“ gehasst und mit Morddrohungen bestraft. Das stürzte ihn in tiefe Depressionen. 1968 wurde er tot aufgefunden. Die Umstände seines Todes geben bis heute Rätsel auf.

Fritz Bauer – Tod auf Raten, 23.11., 19.30 Uhr, Naxoshalle, Frankfurt, Wittelsbacherallee 29

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