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Kabarett Rolf Miller tritt in Rüsselsheim auf

Der Kabarettist Rolf Miller kommt nach Rüsselsheim. Unser Autor Boris Halva hat zwischen zwei Auftritten mit ihm gesprochen - über den Zauber des Augenblicks und warum Humor vor Sendungsbewusstsein gehen muss.

06.12.2017 08:44
Rolf Miller
Gute Gags um jeden Preis? – Nicht mit Rolf Miller. Er findet: „Manchmal ist es glaubwürdiger, etwas nicht zu sagen.“ Foto: Promo

Authentizität. Rolf Miller spricht dieses Wort aus, als wetzte er Messer. Und gleich nochmal: Authentizität. Schnell, deutlich und präzise sagt er das. Er weiß um das Gewicht dieses Wortes und er wird den Teufel tun, sich darin auch nur ansatzweise zu verheddern. Ein so wichtiges Wort wie die Echtheit muss klar und deutlich ausgesprochen werden.

Weil es bei Figuren immer darum geht, dass sie echt sind. „Nur so wird eine Figur glaubwürdig“, sagt Rolf Miller, also, der echte Miller, der gerade irgendwo in Berlin durch die Straßen läuft. An diesem Abend wird der 50-jährige Kabarettist bei den Wühlmäusen auftreten. „Da freue ich mich drauf“, sagt Miller, „jahrelang habe ich gerackert, um dort einmal vor vollem Haus zu spielen. Und heute ...?“ – er macht eine kurze Pause, im Hintergrund hupt und rauscht es, „heute spiele ich dort auch mal zwei Abende hintereinander vor ausverkauftem Haus.“ Das klingt zufrieden. Und auch ein bisschen stolz. Und: Ist beides angemessen.

Denn seit 25 Jahren mischt er in der deutschen Kabarettszene mit – sein halbes Leben. Seine Bühnenfigur würde Worte wie Authentizität drei Mal hintereinander falsch aussprechen und dann: verwerfen. Weil Miller weiß, wann der Typ, den er da oben gibt, die Klappe halten sollte, obwohl dieser sich gerade so schön um Kopf und Kragen redet. Oder eben die Klappe halten muss, damit die Zuhörer selbst denken, was er jetzt nicht ausspricht.

„Am Anfang eines Satzes weißt du nie, wie er endet“, sagt Miller mit Blick auf das Eigenleben der Gedanken. Und während Hape Kerkeling oder Olli Dittrich ihre Figuren so spielen müssten, dass es so aussieht, als würde ihnen das Gesagte gerade einfallen, so muss Millers Figur immer so aussehen, als würde sie gerade vergessen haben, was sie eigentlich sagen wollte.

Andererseits: „Der echte Gerhard Polt kommt ohne Ähs aus, und trotzdem glaubt man, der Polt auf der Bühne ist wie der Polt in seinem Wohnzimmer“, sagt Miller. Alles Illusion, sagt er. „Es gibt keinen Satiriker, der improvisiert. Das ist alles geschrieben.“ Und muss es auch sein, denn nur wer ernsthaft am Text arbeite, sehe auch, was nicht funktioniert. „Wenn ich eine Idee nur drin lasse, weil ich sie super finde, aber nicht merke, dass sie nicht zu meiner Figur passt, dann holt einer in Rüsselsheim sein Handy raus und schaut, welche Termine er morgen hat. Und wenn du den Ersten verlierst, kannst du es nicht mehr genießen da oben auf der Bühne.“ Und: Nein, anders als jetzt, während des Telefonates, baue er grundsätzlich nie den Namen der Stadt, in der er gerade spielt, ins Programm ein. „Das ist Populismus pur, das geht gar nicht!“

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