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Jahrhunderthalle Karibischer Exporthit

Das Ballet Revolución bringt Schwung und Leidenschaft mit. Tanzen wird in Kuba früh gefördert, und so haben die Tänzer, die im März auch nach Frankfurt kommen, natürlich lange trainiert.

BALLET REVOLUCION
Szene aus dem Ballet Revolución: Die Kostüme knapp, die Körperbeherrschung atemberaubend. Foto: Johan Persson

Der Blick hinter die Kulissen ist in diesem Fall eigentlich gar keiner. Denn zwei Stunden vor der Vorstellung im riesigen historischen Colosseum-Theater in Essen wärmen sich die 18 Tänzer und Tänzerinnen des Ballet Revolución aus Kuba noch ganz ohne Publikum mitten auf der Bühne der ehemaligen Fabrikhalle auf. Kreuz und quer stehen mobile Ballettstangen, die bald weggeräumt werden, vom Tonband kommt Klaviermusik in ewiger Schleife. Vier, fünf Akkorde sind es nur.
Manche der jungen Künstler drehen selbstvergessen Pirouetten, sie albern, lachen, springen. Sie sind durchtrainiert und schön und selbstverliebt, tragen Straßenkleidung, Fußballerhosen, bunte T-Shirts. Ganz spontan, so scheint es, entstehen atemberaubende Figuren, Bruchstücke von Choreographien. Dazwischen wuselt der Ballettmeister, erklärt hier mal noch einen Schritt, schimpft dort ein wenig. Es ist ein intimer Augenblick, leicht, fröhlich, in sich gekehrt.

Man merkt schon bei diesem Aufwärmtraining: Die jungen Kubaner, alle Anfang, Mitte 20, sind sehr souverän in ihren Bewegungen, schließlich tanzen sie schon von Kindesbeinen an. Um die 50 Compagnien gibt es auf der Insel, fast jede größere Stadt hat gleich mehrere Ausbildungsstätten. „Jeder Kubaner wird mit Tanz im Blut geboren“, sagt die Tänzerin Jennifer Tejeda Meneses, die zum ersten Mal auf Tournee durch Deutschland mitfährt. Und so wie sie das sagt, klingt es sehr überzeugend und so gar nicht nach Klischee.

Klassisches und modernes Ballett haben in Kuba einen guten Ruf, Tänzer sind gesellschaftlich hoch angesehen, kommen bei Auslandstourneen auch an begehrte Devisen. „In Kuba können wir vom Tanzen leben“, sagt Tejeda Meneses und lacht. „Wir können das tun, was wir lieben.“

Für viele Eltern ist es ein großes Glück, wenn sie ihre Kinder auf einer der staatlichen Ballettschulen unterbringen können. „Was in Kuba anders ist als im Rest der Welt: Wir haben hier mehr Männer als Frauen, die Ballett machen. Anderswo kommen zwei Frauen auf einen Mann“, sagt die Tänzerin Barbara Patterson Sánchez, die seit der ersten Tour des Ballet Revolución 2012 mit dabei ist. Und da muss auch sie ein bisschen kichern.

Seit Weihnachten ist die Truppe auf Deutschlandtournee. Das bedeutet tägliche Auftritte, und das ist selbst für routinierte Tänzer eine große körperliche Herausforderung. Los ging es in Berlin, nach Essen sind unter anderem Bremen, Leipzig und Mannheim Tourneestationen, bevor das Ballet Revolución fast eine Woche lang in der Frankfurter Jahrhunderthalle gastiert.

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