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Im Rampenlicht

Nachwuchssängerin Katharina Magiera ist in Frankfurt fulminant durchgestartet

01.10.2010 16:27
Anita Strecker

Als kleines Mädchen hat sie die Milchglasscheibe einer Zimmertür kaputt geschlagen. „Ich habe den Rahmen zum Theaterspielen gebraucht.“ Katharina Magiera lacht. Aber die Eltern waren ja allerhand gewohnt. Schon mit vier unterhielt sie alle. Mit Singen, Tanzen, Verkleiden. Und auch später, in der Schule, war sie der Star, stand mit ihrem Unterhaltungs- und Showtalent im Mittelpunkt. Dafür kassierte sie in „Verhalten“ in jedem Zeugnis eine Vier. „Sonst war ich eine gute Schülerin, aber meine Lehrer sagten, ich sei egozentrisch“.

Der Begriff passt nicht. Katharina Magiera geht es nicht um ihre Person. Unkompliziert und natürlich sitzt die 31-Jährige in der Grünanlage vor der Oper Frankfurt, erzählt lachend von ihrem kindlichen Drang, in andere Rollen zu schlüpfen oder wie sie im Kinderchor begeistert vortrat, um ein Solo zu singen. „Bis zur Pubertät, dann habe ich mich geschämt.“ In dem Satz blitzt die Sensibilität und Ernsthaftigkeit auf, die die energiegeladene junge Frau gleichfalls ausmachen. „Wenn du ein Instrument spielst, hast du was vor dir. Die Stimme ist man selbst, man steht wie nackt da.“

Drang, Wille und Talent waren trotzdem stärker. Magiera, seit einem Jahr Ensemblemitglied der Oper Frankfurt, ist rasant durchgestartet: Vivaldis „Orlando furioso“, Mozarts „Hochzeit des Figaro“, Leonis „L’oracolo“, „Das Rheingold“ von Wagner, „Die Frau ohne Schatten“, „Zauberflöte“, „Mefistofele“, „Parsifal“, „Palestrina“ – überall war die 31-Jährige mit der warmen Alt-Stimme und dem ungeheuren Tonumfang mit von der Partie, zeigte Bühnenpräsenz, von der Nachwuchssänger nur träumen können. Ein hartes Jahr, sagt sie, „aber ich bin robust“. Und hungrig zu lernen, Repertoire aufzubauen, Bühnenerfahrung zu sammeln, Vielseitigkeit zu zeigen. Selbst wenn bei der 31-Jährigen alles wie ein Durchmarsch aussieht, weiß sie doch, dass ihr Traumberuf vor allem eines ist: harte Arbeit, die umsichtig aufgebaut sein will.

Sie begann mit Bedacht. „Vorsichtshalber“ erst Schulmusik, Hauptfach Klavier, in Mannheim, dann bei der Opernsängerin Hedwig Fassbender in Frankfurt Gesang studiert. „Ich hab’ mir gesagt, wenn ich nach fünf Jahren kein Engagement bekomme, unterrichte ich eben.“

War nicht nötig. Schon während des Studiums gewann die Altistin mehrere Preise, wurde von der Oper Frankfurt für diverse Nebenrollen engagiert und nach ihrem Examen prompt ins neu gegründete Opernstudio aufgenommen. Für Magiera ein Glück. „Man hatte den Schutz des Schülers, tolle Meisterkurse bei bekannten Sängern und war doch schon im täglichen Opernbetrieb.“

Vom 3. Oktober an wird Katharina Magiera als Stimme der Mutter in Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach aus dem Off zu hören sein bis 7. November. Dann legt sie erst mal eine Pause ein, zu Hause nahe Mainz, mit Freund und den beiden Hunden. Im Dezember erwartet sie ihr erstes Kind, will nach dem Mutterschutz aber so schnell wie möglich wieder in Frankfurt auf der Bühne singen. Wagners Walküre – und alles, wovon sie träumt.

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