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HR-Bigband Aus Hessen in die weite Welt

Von lokalen Helden bis hin zu jodelnden Indern: Die HR-Bigband würdigt in der kommenden Saison die Jazz-Größen Albert Mangelsdorff und Volker Kriegel und sucht den Austausch zwischen Kulturen, Stilen und Epochen.

HR-Bigband
Die HR-Bigband widmet Albert Mangelsdorff in der kommenden Saison einen Schwerpunkt. Foto: Urban Kirchberg

Wer an die kulturellen Schöpfungen und Schöpfer aus Hessen denkt, kommt um Handkäs, Goethe, Adorno und die Rodgau Monotones nicht herum. Und genauso wenig um den Jazz. Zwei große, auch international bekannte Musiker lebten und wirkten in der Rhein-Main-Region: Albert Mangelsdorff und Volker Kriegel. Ihnen widmet die HR-Bigband in der kommenden Saison je einen Schwerpunkt. Denn wie wird in Anlehnung an einen anderen großen Hessen gern kolportiert: „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?“

Aus der Ferne per Skype ins HR-Bistro zur Vorstellung des Programms der Bigband für 2018/19 zugeschaltet ist an diesem sonnigen Vormittag Jim McNeely aus New York, wo es gerade kurz nach 5 Uhr ist. „Albert Mangelsdorf“, sagt der Chefdirigent der HR-Bigband, „war der erste europäische Jazzmusiker, der mir aufgefallen ist.“ Als er in den USA das dort just erschienene Album „Albert Mangelsdorff and Friends“ des Frankfurter Posaunisten gehört habe, habe er gedacht: „Wow, in anderen Teilen der Welt tut sich auch was!“ Und: „Oh, dieser Typ kann ja spielen!“ 

So heißt es am Eröffnungskonzert des 49. Deutschen Jazzfestivals am 22. Oktober in der Alten Oper „Hut ab! – Albert Mangelsdorff@90“. Jim McNeely leitet die Hommage an den weltberühmten Frankfurter, der am 5. September 90 Jahre alt geworden wäre. Musiker wie Joachim Kühn, Pierre Favre oder Christof Lauer erinnern an ihren musikalischen Weggefährten, die HR-Bigband schließlich lässt die Kompositionen von Albert Mangelsdorff in jazzorchestralem Volumen erklingen. 

Zu einem „Fest der Gitarristen“, wie es Orchestermanager Olaf Stötzler nennt, wird es am 22. und 23. November im HR-Sendesaal kommen, wenn der andere lokale Held gefeiert wird, nämlich der gebürtige Darmstädter und Wahl-Wiesbadener Volker Kriegel, der wie kaum ein anderer deutscher Musiker zuvor den Jazz hin zu Rock und Fusion geöffnet hat. Doch das Multitalent feierte nicht nur als Gitarrist Erfolge, Kriegel machte sich auch als Zeichner, Cartoonist und Schriftsteller einen Namen und schuf wunderbare Figuren wie den Rock’n’Roll-König oder Olaf, den Elch. Die Gitarristen John Schröder, Jesse van Ruller und Martin Scales ehren den „Mild Maniac“ (in Erinnerung an seine Jazz-Rock-Band Mild Maniac Orchestra) zusammen mit der HR-Bigband. Gespielt werden seine Kompositionen bei den zwei Konzerten mit dem Titel „Mild Maniac – Hommage an Volker Kriegel“. Die Leitung hat Jim McNeely. 

Und weil Jazz „keine Angst vor schönen Melodien hat“ (Jim McNeely) und so etwas wie „das kulturelle Lebenselexier einer offenen und toleranten Gesellschaft“ ist (HR-Intendant Manfred Krupp, zitiert von Hörfunkdirektor Heinz Sommer), spielt die Bigband auch Musik aus anderen Regionen der Welt. Zum Beispiel aus dem Allgäu und aus Indien. Und zwar beides zusammen. Protagonist des Konzerts „The Big Amithias – Allgäu meets India“ am 25. Oktober als Teil des Jazzfestivals ist der Trompeter und Multiinstrumentalist Matthias Schriefl, der wohl der einzige Jazzmusiker sein dürfte, dessen Webseite es auch auf Allgäuerisch gibt. Eben „ein verrückter Typ“, wie es Olaf Stötzler formuliert. Die Musik aus seiner Heimat habe ihn inspiriert, sei ihm aber auf Dauer allein zu langweilig, weshalb er Alpenfolklore mit Jazz, Punk oder Kammermusik tuned. Oder mit indischer Musik. Tabla, Konnakol und Mridangam erklingen zusammen mit Gitarre, Tuba und Alphorn. Die indischen Musiker sollen sogar jodeln, verrät Stötzler. 

Das alles wird abgerundet, respektive überhaupt erst möglich dank der 17 Musiker der HR-Bigband, die nicht einfach bloß „ausübende Musikesel“ seien, sagt der Saxofonist Oliver Leicht. „Es kommt ja auch die ein oder andere gute Idee aus der Band.“ Leicht macht eine „große Renaissance der Live-Musik“ aus, Menschen besuchten wieder vermehrt Konzerte, wobei dem Jazz speziell das jüngere Publikum zunehmend zugeneigt sei. In der Spielzeit 2018/19 findet sich jedenfalls einiges an Optionen, das Interesse an Live-Jazz zu stillen. 

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