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Historisches Museum Frankfurt Haute Couture vom Main

Das Historische Museum Frankfurt widmet seine neueste Ausstellung der Mode-Ikone Toni Schiesser.

Giesler-Staehelin, L.; Schiesser, geborene Balzer, Toni; Henning
Toni Schiesser und ihre Tochter Anny Henninger im Atelier, Fotografie von ca. 1955. Bild: Historisches Museum Frankfurt Foto: Horst Ziegenfusz (Extern)

Toni Schiesser, die 1994 verstorbene Grande Dame der Haute Couture aus Frankfurt, führte lange Zeit das größte private Modeatelier Deutschlands. Ihre Entwürfe sind ab morgen in einer Sonderausstellung des Historischen Museums zu sehen.

Ihr Stil galt als konservativ, mit unterschiedlichen Arten von Spitze betonte sie die weibliche Seite ihrer Kundinnen. Egal ob Filmstars, Politikerinnen oder Adelige: Vor allem Wohlhabende kauften Schiessers Mode. Kein Wunder, schließlich muss man sich Haute Couture, also maßgeschneiderte und in Handarbeit hergestellte Kleidung, erst mal leisten können.

Beinahe wäre es zu all dem nie gekommen: Obwohl die 1906 in Frankfurt Geborene schon als Kind ihre eigenen Puppen nähte, musste sie nach der Schulzeit eine Ausbildung als Kauffrau absolvieren. Ihr Vater wollte das so. Doch Schiesser gab nicht auf und bildete sich selbst im Schneidern weiter. 1931 gründete sie das „Atelier für feine Damenmode“ – erst mit einer, dann mit zwei Näherinnen und einer Hutmacherin.

Ein Jahr nach Kriegsende: Vor dem zerbombten Gesellschaftshaus des Palmengartens findet eine Modenschau statt. Die Organisatorin? Richtig, Toni Schiesser. Sie selbst zeigte eine Abendkleid aus geschenktem Vorkriegsstoff.

Danach ging es schnell auswärts: 1950 eröffnete Schiesser gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer Tochter ein neues Atelier, in dem bis zu 140 Frauen arbeiteten. Laut Zeitzeugen trat Schiesser „immer wie aus dem Ei gepellt“ auf. Bevor sie um 8 Uhr morgens im Atelier erschien, hatte sie bereits ihren täglichen Friseurtermin hinter sich.

Christina Kreuz, die heute ein eigenes Modeatelier in Bad Vilbel hat, fing 1987 bei Schiesser eine Ausbildung an. Sie erinnert sich noch an die große Brille und das lila-graue Haar ihrer Chefin, die sie als „ein bisschen unnahbar“ beschreibt. Trotz der Hierarchien habe sie sich sehr wohl gefühlt in dem Atelier, das inzwischen in ein Eckhaus am Willy-Brandt-Platz gezogen war. Als Höhepunkte nennt sie die halbjährlichen Modenschauen im benachbarten Hotel Frankfurter Hof. Kurz vorher sei Schiesser immer nach Paris gereist, gemeinsam mit der inzwischen zur Teilhaberin aufgestiegenen Ingrid Wrobel.

Kreuz erlebte auch den schleichenden Niedergang des Ateliers – sogar bis zum bitteren Ende, vier Jahre nach Schiessers Tod. Plötzlich sei der Steuerberater da gewesen und habe gesagt: „Meine Damen, morgen gehen Sie bitte zum Arbeitsamt.“ Am nächsten Tag hatte das Atelier bereits geschlossen. Ihm seien letztendlich die Kunden weggestorben, sagt Kreuz. Jetzt ist die Mode im Museum zu sehen.

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