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Gedankenleser Thorsten Havener Der Alleswisser

Er weiß, wohin Sie als Nächstes in den Urlaub fahren. Und er weiß auch, ob Sie ihn anlügen. Gedankenleser Thorsten Havener verrät im Interview, wie er das alles ohne übersinnliche Kräfte hinkriegt.

Thorsten Havener, der Gedankenleser. Foto: thorsten-havener.com

Er weiß, wohin Sie als Nächstes in den Urlaub fahren. Und er weiß auch, ob Sie ihn anlügen. Gedankenleser Thorsten Havener verrät im Interview, wie er das alles ohne übersinnliche Kräfte hinkriegt.

Viele kennen ihn aus seiner Sat.1-Show „Der Gedankenleser“. Thorsten Havener versetzte sogar schon den abgebrühten Entertainer Stefan Raab bei „TV Total“ oder Markus Lanz in seiner Talkshow ins Staunen. Der 40-Jährige verblüfft mit seiner Mischung aus Zauberkunst und Psychologie. So schaffte er es etwa, eine versteckte Stecknadel in der Millionenstadt Tokio wiederzufinden.

Diese Woche gastiert Havener mit seiner Show „Ich weiß, was du denkst“ im Neuen Theater Höchst. Er verspricht Zuschauern nach dem Abend mit ihm eine schlaflose Nacht voller Grübeln und der Frage „Wie hat er das bloß gemacht?“.

Ihre aktuelle Show heißt „Ich weiß, was du denkst“. Hören Sie etwa auch in Ihrem Alltag wie in dem Hollywood-Film mit Mel Gibson „Was Frauen wollen“ plötzlich die Gedanken aller Frauen ständig laut?

Nein. Das würde ich nicht wollen. Es ist nicht so, dass ich jemanden anschaue und direkt sein Innerstes kenne. Außerdem kann ich auch nicht gegen den Willen einer Person deren Gedanken lesen.

In Ihrem Programm erraten Sie auch die nächsten Urlaubsorte ihrer Gäste. Funktioniert das am Telefon?

Dazu müsste ich mir erst andere Methoden ausdenken als die, die ich auf der Bühne benutze. Ich arbeite viel mit Beobachtung und der richtigen Fragestellung. Und natürlich gibt es an der einen oder anderen Stelle auch einen Kniff.

Die Süddeutsche Zeitung nannte Sie ein „angehendes Weltwunder“. Wie finden Sie das?

Das erfüllt mich natürlich mit einem gewissen Stolz. Aber ich glaube, der Autor hat nachdem Abend direkt seine Emotionen aufgeschrieben. Der Ausdruck „Weltwunder“ ist maßlos übertrieben. Ich nutze mein Wissen über Psychologie, Körpersprache und Zauberkunst. Das erweckt dann den Eindruck, dass ich übersinnliche Kräfte besitze, die ich aber nicht habe. Ich nenne meine Kunst psychologisches Entertainment.

Männer und Frauen lügen aus anderen Gründen

Was ist Ihr persönlicher Show-Höhepunkt?

Das Publikum bestimmt immer, womit ich den Abend abschließe. Während der Pause dürfen sich Gäste Aufgaben für mich ausdenken. Nur eine wird ausgelost. Sehr schön fand ich mal, dass ein Herr wollte, dass ich das Alphabet rückwärts sage. Aber nur die eckigen Buchstaben. Ich habe das auch geschafft.

Wie sind Sie in Ihrem heutigen Beruf gelandet?

Ich fing als Schüler als Zauberer an. Ich habe schon da gemerkt, dass ich ein besonderes Talent besitze, Menschen auf eine falsche Spur zu locken. So konnte ich Dinge vorführen, die andere Kollegen nicht konnten. Dann habe ich mich näher mit Themen wie Suggestion , Hypnose, Körpersprache und Gesichter-Lesen auseinandergesetzt. Ich dachte irgendwann, wenn ich die Mischung so spannend finde, warum sollten das nicht auch andere Menschen so empfinden?

Dann haben Sie aber erst mal ein Übersetzter-Studium in Englisch und Französisch abgeschlossen …

Sprachen fand ich immer schon sehr spannend und Sprache ist auch wichtig für meine Show. Wenn ich also beispielsweise bei einem Beeinflussungs-Experiment ein falsches Wort benutze, dann funktioniert das nicht. Oder wenn ich einem Zuschauer sage: ,Versuchen Sie Folgendes.‘ Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er die Aufgabe nicht schafft. Denn in dem Wort Versuchen steckt das Scheitern schon drin. Sage ich aber: ,Machen Sie das‘, hat er meist Erfolg. Das ist ein kleines sprachliches Detail, jemanden so zu beeinflussen, etwas zu können oder eben nicht.

In Ihrer Show können Sie Lügner enttarnen. Wie geht das?

Es gibt keine wirklich verlässliche Methode. Meine Trefferquote ist hoch, aber ich würde mich im echten Leben nie zu 100 Prozent darauf verlassen. Es gibt bestimmte Hinweise, dass Menschen, die lügen, länger Blickkontakt halten oder weniger Details in ihre Geschichte einbauen als jemand, der die Wahrheit sagt. Aber das ist nicht bei jedem so. Es gibt auch hervorragende Lügner, die mit ihrem Blick alles richtig machen.

Lügen Männer und Frauen anders?

Die körperlichen Merkmale sind fast gleich. Wenn Frauen unsicher sind, greifen sie sich öfter mal ans Dekolleté, Männer fassen sich eher ins Genick. Aber beide lügen aus anderen Gründen. Eine Frau lügt meistens, damit es dem anderen gutgeht. Einer Freundin sagt sie: ,Dein neues Kleid gefällt mir sehr gut.‘ Auch wenn es ihr gar nicht gefällt, aber sie will ihre Freundin nicht beleidigen. Ein Mann lügt eher, um seinen Status zu erhöhen. Er erzählt, dass er ein höheres Gehalt hat oder sein Auto mehr PS besitzt als in Wirklichkeit.

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