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Gallus-Theater in Frankfurt Liebe ohne Grenzen

Das Frankfurter Gallus-Theater inszeniert „Blaubart – Hoffnung der Frauen“. Es ist ein Drama über die leidenschaftliche Maßlosigkeit und ihre Folgen.

Gallus-Theater
Ein junges Ensemble: Schüler und Studenten stehen bei „Blaubart“ auf der Bühne Foto: Anna Meuer

Heinrich Blaubart ist ein schwacher Mann. Sechs Frauen sehnen sich nach seiner Liebe, jagen ihm hinterher, und sterben doch am Ende. Erwürgt, erstochen, erschlagen, erschossen – Blaubart tötet diejenigen, die ihn lieben; er tötet, um nicht verführen zu müssen.

Regisseur Michael Gonszar setzt das Drama „Blaubart – Hoffnung der Frauen“ im Februar mit zehn Schauspielern des Ensembles Theatre4you auf der Bühne des Gallus-Theaters um. „Es ist ein rätselhaftes Stück, ein verstörendes Stück“, sagt er.

Die deutsche Dramatikerin Dea Loher entwickelte es 1999 in München als „work in progress“, das bedeutet im Verlauf der Proben. Als Vorlage diente unter anderem das französische Märchen „Blaubart“ von Charles Perrault aus dem Jahre 1697. Darin stellt ein Mann seine junge Frau auf die Probe: Er überlässt ihr die Haustürschlüssel, verbietet ihr allerdings einen bestimmten goldenen Schlüssel zu benutzen. Unter einem Vorwand verschwindet der Mann für längere Zeit, um zu testen, ob sich seine Frau an das Verbot hält. Die ist zu neugierig und öffnet mit dem goldenen Schlüssel die passende Tür. In der Kammer findet sie die ermordeten Frauen Blaubarts.

Loher arbeitet mit vielen literarischen Referenzen: Julia zum Beispiel ist die erste Frau, die sich im Stück in Blaubart verliebt. Ihre Rolle ist vergleichbar mit der aus „Romeo und Julia“ – und wahrscheinlich genauso tragisch. „Julia steht für eine große, naive Liebe, für eine Art Mega-Liebe“, erklärt Gonszar. Die 18-Jährige verliebt sich in einem Park in Blaubart und verheiratet sich quasi selbst mit ihm. „Liebst du mich, so wie ich dich liebe?“ Mit dieser Frage besiegelt das Mädchen ihr Schicksal. Denn Blaubart antwortet: „Das ist der Satz, der tötet.“ Julia vergiftet sich, um Blaubart zu beweisen, wie groß ihre Liebe ist. „Über alle Maßen empfinden, das kennt Blaubart nicht. Er kennt nur das Maß“, sagt Gonszar. Alle weiteren Frauen, denen er nach dem Tod Julias begegnet, misst er an dieser Erfahrung: Anna, Judith, Tanja, Eva, Christiane. Sie alle verzehren sich nach Blaubart. Sie alle muss er töten, weil er ihre Liebe nicht erwidert und er es nicht aushält, das zu sein, was die Frauen von ihm erwarten. „Dieses Großdenken der Liebe ist etwas, das Blaubart traumatisiert und ihn nie loslässt“, so Gonszar.

In Dea Lohers Drama – anders als im Märchen – tragen die Frauen allerdings irgendeine Mitschuld an ihrem Tod. Sie wollen Blaubart verführen und projizieren all ihre Wünsche, Träume und Sehnsüchte nach Mitgefühl und Liebe auf einen durchschnittlichen und einfachen Damenschuhverkäufer. „Vielleicht wollte Dea Loher damit zeigen: Der Mann ist an sich profillos, nur eine Projektionsfläche für Sehnsüchte“, überlegt Gonszar.

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