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Frankfurter Ateliertage Einblicke und Ausblicke

An den kommenden beiden Wochenenden finden die Frankfurter Ateliertage statt. 400 Kunstschaffende zeigen ihre Arbeiten und Arbeitsorte.

Malt zurzeit abstrakt: Seth Pick in seinem Atelier bei basis in der Gutleutstraße. Foto: Amin Weber

Julian Lees Atelier ist schwer zu finden. Er arbeitet in einem Keller im Hinterhof der Schulstraße 3. Der Geruch von Farbe hängt in der Luft, auf dem Tisch liegen ausgedrückte Tuben – ein klassisches Künstleratelier. An den Wänden hängen Lees Arbeiten, Gemälde in Blau und Grün. Es ist die Natur, mit der sich der Engländer auseinandersetzt: Bäume, Himmel, Licht – all das fließt in seine Bilder mit ein. Aber auch urbane Elemente wie Graffiti. „Es gibt keine Menschen auf meinen Bildern, aber man spürt den Menschen“, sagt der Maler.

Kunst an 70 Orten

Julian Lee ist einer von über 400 Kunstschaffenden, die sich an den Frankfurter Ateliertagen (FAT) beteiligen. An den kommenden beiden Wochenenden öffnen sich 70 kreative Orte der Öffentlichkeit und es wird deutlich, was für eine lebendige Kunstszene Frankfurt besitzt. Die Besucher können Orte entdecken, die sonst oft nicht zugänglich sind – in Hinterhöfen, alten Werkstätten, in einem Bunker – und dort sehen, wie Kunstwerke entstehen. Sie können mit den Kreativen über ihre Arbeiten sprechen und diese sogar kaufen.

Neu ist in diesem Jahr, dass die Ateliertage nach Stadtgebieten aufgeteilt sind: Am 22. und 23.11. öffnen Studios im Frankfurter Osten, am 29. und 30.11. im Westen. „Das Programm war einfach nicht mehr an einem Wochenende zu bewältigen“, sagt Jessica Beebone vom Kulturamt der Stadt, das die Ateliertage ausrichtet.

Seth Pick hat sein Studio im fünften Stück von basis e.V. in der Gutleutstraße. Hier werden Künstler gefördert, die frisch von der Hochschule kommen und sich erst einmal orientieren wollen. Pick hat in den vergangenen Wochen abstrakte Bilder gemalt – zum ersten Mal. Es sind wolkenähnliche Gebilde, die viel Raum für Interpretationen zulassen. „Das könnte ein Fötus sein“, sagt der Maler und deutet auf das linke Bild. Zu den Ateliertagen können alle Standorte von basis – es gibt noch Dependancen in der Elbe- und in der Linnéstraße – besucht werden, zudem gibt es Führungen.

155 Künstler arbeiten an den drei Standorten, es gibt einen regen Austausch untereinander. In der Gutleutstraße ist außerdem die Schau „as we are“ von Peter Liversidge zu besichtigen, der zum ersten Mal in Deutschland ausstellt. Alltägliche Ereignisse und Gegenstände faszinieren den Künstler, der gerade vor dem basis-Haus in der Gutleutstraße nach Steinen Ausschau hält. Ein Exemplar hat er schon gefunden und im Ausstellungsraum platziert. „Ein typisch deutscher Pflasterstein, solche gibt es nicht in England.“

Die Umgebung inspiriert

Wie die Umgebung die Arbeit beeinflussen kann, ist auch in Alt-Sachsenhausen zu sehen. Mitten im Vergnügungsviertel, in der Paradiesgasse, ist ein kreatives Biotop entstanden. In der Hausnummer 4 hat Martin Feldbauer sein lichtdurchflutetes Atelier. Der Trubel, der besonders am Wochenende in den Gassen herrscht, nervt den Maler und Graphiker nicht: „Ich finde das Partyvolk inspirierend.“ Seine Nachbarin Deedee Handon hat sogar die Umgebung in ihre Arbeit mit einbezogen. Sie hat Fotos des alten Hauses gegenüber gemacht und diese übereinander gelagert. Wenn man in ihrem Atelier steht, entsteht eine Dopplung. „Das Haus wird bespiegelt“, sagt Handon.
Mit beeindruckenden 10 000 Quadratmetern ist das Atelierfrankfurt nach seinem Umzug in die Schwedlerstraße nun das größte Atelierhaus Hessens. Wer den Innenhof betritt, ist erst einmal von der Symmetrie des Gebäudes und den beiden Treppentürmen fasziniert. Den rechten schmückt eine Lichtinstallation, der „Musenzopf“ von Johannes Kriesche. Fast könne man meinen, Rapunzel hat ihr Haar herab gelassen. Das Eröffnungsfestival des Atelierfrankfurt geht nahtlos über in die Frankfurter Ateliertage. Die Jubiläumsausstellung „Ten Years After“ öffnet am morgigen Samstag um 14 Uhr. Und es wird auch gefeiert: Um 22 Uhr steigt die Party im neuen Clubraum, der an diesem Abend eröffnet wird.

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