Lade Inhalte...

Frankfurt Lab Laboratorium der Künste

Tanz, Musik, Bildhauerei: Seit acht Jahren gibt es das Frankfurt Lab, einen Ort, an dem sich Künstler ganz unterschiedlicher Disziplinen begegnen. Erstmals stellt ein neuntägiges Festival die Produktionen vor.

Frankfurt Lab
Eng umschlungen: Die Tänzer Daphne Fernberger und Ulysse Zangs im Stück „Whole“ der Choreographin Daphne Fernberger. Foto: Raffaele Irace

Ulysse Zangs hat die Arme weit ausgestreckt, als würde er nach etwas greifen. Wonach, das wird erst deutlich, wenn man seinem Blick folgt. Dort, am anderen Ende des Raumes, gleitet seine Partnerin über das Parkett. Ihr Tanz ist eine einzige fließende Bewegung, sie scheint frei und ganz bei sich. Ulysse folgt ihr mit den Augen, ganz in den Bann gezogen von ihrem Spiel.

Oder ist sie es, die in seinen Bann gezogen wird? So, wie er seine Arme ausstreckt, scheint es fast, als hielte er seine Partnerin an unsichtbaren Fäden in der Hand. Es ist das Wechselspiel von Individualität und Einheit, das den Betrachter immer wieder vor neue Fragen stellt, ihn verwundert zurücklässt.

Hinter dieser Choreographie mit dem Namen „Whole“ steckt Daphne Fernberger. Die 25-jährige Amerikanerin mit australischen Wurzeln ist Ulysses’ Partnerin - im Tanz genauso wie im Alltag. Beide sind Teil der Dresden Frankfurt Dance Company. Auf dem „F°Lab Festival for Performing Arts“ feiern die neuen Choreographien des Ensembles unter dem Titel „Open Grounds“ nun Premiere. Vom 22. bis zum 1. Juli präsentieren dort Tänzer, Musiker und Kunststudenten ihre Werke. So sind neben zahlreichen Konzerten und Tanzaufführungen auch Installationen und Plastiken zu sehen.

Unter dem Jahr stellt das Frankfurt Lab – Lab steht für Laboratorium – zusammen mit seinen Partnern renommierten und aufstrebenden Künstlern Räume und Mittel zur Verfügung - und das außerhalb der „organisatorischen und räumlichen Zwänge von Theatern“, wie die Macher über sich selbst schreiben. Nun bringt das Lab zum ersten Mal Aufführungen mit seinen zahlreichen Partnern auf die Bühne. „Wir wollen nicht nur die einzelnen Institutionen zeigen, sondern auch ihre Kooperation“, sagt Alessia Neumann, die Projektleiterin des Festivals.

Genau davon ist auch Luisa Sancho Escanero begeistert. Sie ist die künstlerische Koordinatorin der Dresden Frankfurt Dance Company. „Das ist ein Traum für uns“, sagt sie. Die Vorbereitungen dauerten etwa ein Jahr. Lange saßen die Planer des Festivals in verschiedenen Konstellationen zusammen, brachten Ideen auf und verwarfen sie wieder. „Das war eine organische Entwicklung“, berichtet Luisa Sancho Escanero.

Zunächst wusste man auch nicht, wie lange das Festival überhaupt dauern sollte. Am Anfang plante man mit vier Tagen, dann waren es 14, bis man schließlich bei neun Tagen blieb.
Ein übergeordnetes Motto hat das Festival nicht. Doch das ist Absicht. „Die Stärke liegt in der Vielfalt“, sagt Projektleiterin Alessia Neumann. Dazu trägt auch die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt ihren Teil bei. Das Thema: Laptopmusik. Dabei geht es um die Geräusche, die bei der Nutzung des Computers entstehen, wie das Klackern der Tastatur. Der Nutzer nimmt sie kaum wahr, die Studenten der Hochschule haben aus ihnen ein Musikstück komponiert.

Eine weitere Tanzproduktion kommt aus dem Künstlerhaus Mousonturm. In „Uni*form“ setzt sich das Ensemble mit der Allgegenwärtigkeit der Polizei auseinander, umzingelt den Zuschauer und dekonstruiert auf komische Weise soziale Normen und Vorgaben.

Außer diesen Gruppen treten auch das Ensemble Modern, Studierende verschiedener Institute der Universitäten Gießen und Frankfurt und der Hessischen Theaterakademie auf. Alle sind schon länger Partner des Frankfurt Labs.

Zu seinem Selbstverständnis gehört es, dass junge Künstler ihre Ideen frei entfalten. Das konnte auch Daphne Fernberger tun. Seit Anfang des Sommers feilt sie an ihrem Tanz. Vieles entstehe dabei ganz natürlich, erzählt sie. Häufig sei es leichter, dem Partner mit einer Körperbewegung auszudrücken, welche Geste passt und welche nicht. „Der Schlüssel dazu ist das Bewusstsein für den eigenen Körper“, sagt sie.

Ihre erste eigene professionelle Choreographie ist für die US-Amerikanerin, die in einer australisch-amerikanischen Familie aufgewachsen ist, etwas ganz Besonderes. „Du musst immer voll da sein und kannst dich nicht hinter anderen verstecken“, sagt sie.

Die Inspiration für ihr Stück kam ihr in den Bergen beim Wandern, als sie mitten in einem großen Blumenmeer eine einzelne Blüte erkannte. „Da wurde mir klar, dass Dinge für sich, aber auch als Einheit zusammen mit anderen existieren können“, sagt sie.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen