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Frankfurt-Krimis Zum Sterben schön

Frankfurt ist die Kapitale des Verbrechens. Das färbt auch blutig aufs Umland ab. Viele Autoren schreiben daran, dass es so bleibt. Der Bestseller-Boom regionaler Krimis hält an.

30.09.2010 20:54
Nele Neuhaus präsentiert ihren neuen Krimi. Foto: FR/Oeser

Was für eine Stadt. Einfach mörderisch. Da müht sich Frankfurt nach Kräften, den Ruf einer Kapitale der Kriminalität abzustreifen. Und eine Handvoll Frauen und Männer arbeitet hartnäckig dagegen, mit immer neuem Erfindungsreichtum. Es sind die Autorinnen und Autoren der Kriminalromane, die Frankfurt und die Rhein-Main-Region zum literarischen Hintergrund haben.In ihren Büchern begegnet uns eine Stadt, die wir nur zu gut kennen – und die uns dann doch manchmal fremd vorkommt. Da wird gemordet, was das Zeug hält. Während des Frankfurt-Marathons und im Umfeld einer Werbeagentur. Da ist Frankfurt, die europäische Finanzhauptstadt, aber auch eine Kommune am Rande des ökologischen Zusammenbruchs – und plötzlich kündigt ein kurzes Flackern das Ende der Stromversorgung an.


Wer solchen apokalyptischen Szenarien ins vermeintlich heile Frankfurter Umland zu entkommen sucht, sieht sich getäuscht: Auch da ist die Welt längst nicht mehr in Ordnung. Auf einem ehemaligen Flugplatz der US-Armee am Rande von Eschborn findet sich ein menschliches Skelett – das ist erst der Anfang. In der nächsten Woche beginnt die Frankfurter Buchmesse. Und das ist allemal ein willkommener Anlass für einen Streifzug durch neue Kriminalromane aus und über Stadt und Region. Ein Panorama der menschlichen Abgründe.


Bei Ruth Berger zum Beispiel. Die Historikerin hatte schon mit „Gretchen“ einen famosen Krimi aus Frankfurts alter Zeit geschrieben: Da spürte sie dem Schicksal der jungen Dienstmagd Susanna Margaretha Brand nach, die 1772 wegen Mordes geköpft wird. Und die dem jungen Juristen Johann Wolfgang Goethe später zur Vorlage für sein Gretchen diente. In ihrem neuen Roman „Der Seelenarzt“ nimmt Berger das 19. Jahrhundert zur literarischen Folie: Der Arzt Heinrich Hoffmann (der spätere Autor des „Struwwelpeter“) leitet die „Irrenanstalt“ der Stadt. Er sieht sich mit der jungen Patientin Pauline Franck konfrontiert, die Stimmen hört, die sie als Mörderin beschuldigen. Und die behauptet, ihr Körper gehöre gar nicht zu ihr. Hoffmann beginnt, zu recherchieren.

Wurzeln Bergers Bücher in der Vergangenheit, geht es bei Jörg Reckmann ganz eindeutig um das Frankfurt der Gegenwart. Der 59-jährige Journalist war unter anderem Lokalchef der FR und kennt die Stadt – das kommt seinem Debüt „Bärlinger Splitt“ zugute. Der Peter Bärlinger, das ist ein verschrobener Wirtschaftsanwalt, der gerne gut kocht (und isst) – wie sein Autor. Die sehr speziellen Rezepte im Buch stammen von Reckmann: gekochter Kuheuter zum Beispiel. Bärlinger gerät mit seinem Freund, Kommissar Schurmann, in eine haarsträubende Geschichte: Wie kann ein Toter beim Frankfurt-Marathon durchs Ziel laufen?


Nele Neuhaus wiederum bringt schon jahrelang das Kolorit des Taunus in ihre Bücher ein – da lebt sie seit ihrer Kindheit. Die 43-Jährige schreibt eine Serie um die Ermittler Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff, die beim (fiktiven) Kommissariat K11 in Hofheim im Main-Taunus-Kreis arbeiten. In ihrem neuen Roman „Schneewittchen muss sterben“ bekommt es das Duo mit einer lange zurückliegenden Geschichte zu tun: In Altenhain im Taunus verschwanden damals zwei Mädchen, ein Mann wurde als Mörder verurteilt. Doch nun ist er wieder frei, wieder in seinem Heimatort – und plötzlich wird ein Kind vermisst.


Die Geschichten von Reckmann und Neuhaus entwickeln Drive, der einen nicht loslässt – und wurzeln doch in der Wirklichkeit. In seinem Thriller „Schwarzfall“ zieht der Übersetzer Peter Schwindt die Daumenschrauben bei Tempo und Szenario noch an. Sein dunkles und schwülheißes Frankfurt ist ein Ort, an dem Gruppen ums Überleben kämpfen und die öffentliche Ordnung sich auflöst.


Soweit ist es bei Rosa Ribas nicht. Doch im zweiten Roman um die spanisch-stämmige Kommissarin Cornelia Weber-Tejedor, „Tödliche Kampagne“, muss die Heldin vielfältig ringen, auch um ihr privates Glück. Der Wirtschaftsingenieur Stefan Bouxsein entführt in „Die kalte Braut“ in edle Villen und Bürofluchten des Westends. Und mit „Karlo und der grüne Drache“ in der Hand kann man lesend den Figuren Peter Rippers durch Fechenheim und Oberrad, Fulda und die Rhön folgen – Lokalkolorit pur.

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