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Film-Festival in Frankfurt Kuba – ein Filmland

Das Festival de Cine Cubano in Frankfurt-Höchst bringt dem deutschen Publikum eine Insel nahe, die die meisten nur als Revolutionsschauplatz oder exotisches Reiseziel kennen.

Filmland Kuba
Szenen aus dem zwischen Komödie, Burleske und Science Fiction oszillierenden „Sergio & Serguéi“ von Ernesto Daranas. Hauptdarsteller Hector Noas komt zum Festival.

Der kubanische Filmregisseur Eduardo del Llano war schon mehrfach beim kubanischen Filmfestival „Cine Cubano“ in Frankfurt-Höchst, dessen inzwischen schon 23. Auflage am kommenden Mittwoch beginnt. Auch in diesem Jahr ist er wieder einer der Gäste aus der Karibik, die das Filmland dem hessischen Publikum vorstellen. Del Llano bringt seinen neuen Kurzfilm „Dominó“ mit und spricht auch über seine Regiearbeit. Das sei ein sehr respektvolles kleines Festival, bei dem das Publikum stets interessante Fragen stelle, sagt del Llano. Um die acht Mal sei er bisher in Frankfurt gewesen, schätzt der Regisseur selbst.

Kuba, das ist vielleicht keine der großen Filmnationen, doch Kino spielt auf der Karibikinsel eine bedeutende Rolle. „Schon ein paar Monate nach der Revolution wurde im März 1959 das kubanische Filminstitut gegründet“, berichtet del Llano, Jahrgang 1962. „Das war damals wichtig und ist es auch für uns heute. Denn so können wir der Welt zeigen, wer wir sind.“ Bekannt wurden im Ausland aber nur wenige Filme, „Erdbeer und Schokolade“ oder „Havanna Blues“ etwa. 

Das Festival bot und bietet so auch die Gelegenheit zu vielen Entdeckungen und Ausgrabungen abseits von Hollywood. Zu sehen ist beispielsweise der bereits 1976 entstandene Spielfilm „La última cena – das letzte Abendmahl“ von Tomás Gutiérrez Alea, das von einem eigenartigen, verlogenen Passionsspiel auf einer Plantage erzählt, deren Besitzer wie einst Christus selbst zwölf seiner Sklaven die Füße wäscht. Die Geschichte basiert auf tatsächlichen historischen Ereignissen. 

Im Filmforum Höchst bietet sich auch die Gelegenheit, mit Akteuren des Cine Cubano ins Gespräch zu kommen. Neben del Llano sind das auch die Filmemacherin Rosa María Rodríguez, die für einen Kurzfilm ausgezeichnet wird, der Regisseur Gerardo Chijona und der Schauspieler Héctor Noas, Hauptdarsteller in „Sergio & Serguéi“ von Ernesto Daranas, in dem auch Hollywoodstar Ron Perlman mitspielt. Die kubanisch-spanische Koproduktion erhielt auf dem Festival des Neuen Lateinamerikanischen Films in Havanna den Publikumspreis.

Die Handlung, die die groteske Komödie erzählt, ist so seltsam und verschlungen wie der tatsächliche Geschichtsverlauf des Endes der Sowjetunion 1991. Für Kuba begann damals eine schwere Krise. Sergio, ein Professor für Marxismus an der Uni in Havanna und leidenschaftlicher Amateurfunker, nimmt durch Zufall per Funkgerät Kontakt zu Serguéi Krikalev, dem letzten vergessenen sowjetischen Kosmonauten im All, der in seiner havarierten Weltraumstation ausharren muss, weil sein Staat gar nicht mehr existiert. 

Die Filmproduktion in Kuba, das zeigen schon die wenigen Beispiele, ist jedenfalls erstaunlich vielfältig. Für seine eigenen Filme könne er in Kuba auf ein Netz von Profis zurückgreifen, viele Independent-Produktionen werden im Land gedreht, berichtet del Llano. „Es gibt Filmemacher in allen Altersgruppen und allen Genres“, sagt er. Drehen sei inzwischen aber auch auf Kuba teuer, vor allem, wenn man eine Drehgenehmigung auf der Straße brauche. Ein Trick del Llanos: Vieles spielt bei ihm in geschlossenen Räumen. 

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