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Festival in Frankfurt Musik und Spiele beim Playsonic-Festival

Das interaktive Playsonic-Festival Frankfurt verwandelt die Alte Oper in ein großes Experimentier- und Spielfeld. Es geht um die Vermittlung Neuer Musik, den Bruch mit traditionellen Konzerterlebnissen – und um das Publikum.

Playsonic-Festival Frankfurt
Vorbereitung auf das Festival: Musiker und Programmierer beim Playsonic Game Jam. Foto: Renate Hoyer

Zögernd geht der junge Mann auf den Geiger zu, stellt sich vor ihn, lächelt, zuckt mit den Schultern, nickt. Der Geiger spielt eine kurze Sequenz. Sein Gegenüber singt die kleine Melodie nach und bekommt dafür eine Münze. Dann erklingt ein Fagott, eine Frau in Blümchenbluse schmettert die Antwort – und erhält drei Münzen. Ziel des Spiels ist es, ein Orchester zusammenzukaufen.

Genug gute Musiker sind jedenfalls anwesend an diesem Tag in der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) Frankfurt: Studierende, Mitglieder des Ensemble Modern, weitere Musiker und Komponisten. Außerdem wuseln Spiele-Designer, Testspieler, Computer-Spezialisten, Choreografen, Künstler und Architekten durchs Gebäude. Der „Playsonic Game Jam“ läutete im Januar die Entwicklungsphase für das erste Playsonic-Festival Frankfurt ein: Vom 25. bis 27. Mai werden die Alte Oper und ihre Umgebung zum Spielfeld. Und zur Bühne. Und zur interaktiven Performance-Kommunikations-Kunst-Konzert-Arena, in der das Publikum eine zentrale Rolle übernimmt, Motto: „Spielend hören und hörend spielen.“

Spielerisch begann auch die Pressekonferenz, auf der die künstlerischen Leiter Josa Gerhard und Sebastian Quack vom Netzwerk „Invisible Playground“ diese Woche das Programm präsentierten: mit „Schnick Schnack Schnuck“. Stein, Schere und Papier waren jeweils Geräusche zugeordnet, die man zur entsprechenden Geste nach und nach den anderen Teilnehmern zubrummen, zubusseln oder zuzischen musste – was zwar schräg, aber auch lockernd wirkte. „Beim Game Jam haben wir das als Warm-up genutzt“, sagt Quack. Um das Festival zu konzipieren, hätten sie sich Fragen gestellt wie: „Was bedeutet eigentlich ‚zuhören‘? Was sind die Spielregeln?“ 

Spiel und Musik, Musik und Spiel: Die Kombination ist nicht neu, in der Form, in der das Festival beides koppelt, ist sie es indes schon. Intention sei es unter anderem, „zeitgenössische Musik einem größeren Publikum näher zu bringen“, sagt Stephan Pauly, Intendant und Geschäftsführer der Alten Oper. Sogar Musikstudierende, weiß HfMDK-Präsident Christopher Brandt, täten sich oft schwer mit Neuer Musik. 

Anders die Musiker vom Ensemble Modern. Doch obwohl diese „durchaus Erfahrung haben im Umgang mit außergewöhnlichen Situationen, in die sie hineinplumpsen“, sei ihnen im Vorfeld des Playsonic Game Jams nicht ganz klar gewesen, was sie da erwartet. Dann aber sei „in kürzester Zeit“, nämlich an einem Wochenende, neben „guter Stimmung“ auch „musikalisch Relevantes entstanden“, betont Christian Fausch, Künstlerischer Manager und Geschäftsführer des Ensemble Modern. Relevantes, das nun seinen Niederschlag im Playsonic-Festival findet. 

So war er gedacht, der Game Jam, eine Methode, die gern von Spieleentwicklern genutzt wird, um in möglichst kurzer Zeit neue Spiele zu planen und zu designen. Etwa 50 Menschen waren an den zwei Tagen im Januar in der Musikhochschule beteiligt. Sie diskutierten, musizierten, spielten; im Foyer, im Treppenaufgang, im Konzertsaal. Verständigt wurde sich auf Englisch. Alles in allem war der Playsonic Game Jam damit auch ein Lehrstück in Sachen Kommunikation. Beim Festival wird es kaum anders werden – nur dass sämtliche Projekte und Spiele zweisprachig angelegt sind. „Wenn man etwas ändert an den üblichen Ritualen, muss man klar kommunizieren, wie man das vermitteln will“, sagt Quack. 

Anders als üblich ist auch der Part des Publikums. Sie können beim Playsonic-Festival selbst zu „musikalischen Spieleentwicklern“ werden, indem sie in den vier interdisziplinären Fokus-Teams mitarbeiten. Die festen Mitglieder kommen jeweils aus verschiedenen Kunstrichtungen: Komposition, Spiele-Entwicklung, Architektur, Video, Choreografie, Kostümbild, Technologie und natürlich Musik. Die Teams heißen „Public“, „Chamber“, „Ensemble“ und „Speaker“ und interpretieren die Verbindung von Spiel und Musik aus einer speziellen, formalen Perspektive. 

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