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Festival in Darmstadt Darmstadt feiert die Neue Musik

Die Darmstädter Ferienkurse feiern die Neue Musik. Aus aller Welt strömen Komponisten und Musiker zum Festival. Wer zu der als anstrengend geltenden Gattung noch keinen Zugang gefunden hat, bekommt hier eine neue Chance.

Festival in Darmstadt
Juliana Hodkinson kombiniert in ihrer Auftragsarbeit „Fluorophone“ Lichter mit Perkussion. Foto: Jeff Busby

Darmstädter Ferienkurse! Was sich so sommerlich leicht und nett anhört, ist wahrlich anstrengend. Sowohl für die Musiker als auch für die Zuhörer. Zum Beispiel, wenn morgens um 6 Uhr Karlheinz Stockhausens „Stimmung“ durch den Waldkunstpfad schallt. Meditative Vokalmusik zum Sonnenaufgang vom Chorwerk Ruhr.

Bei dem Festival, das am 14. Juli beginnt, dreht sich alles um Neue Musik. Eine Gattung, bei der häufig die Worte „interessant“ oder „schräg“ fallen. Eine, zu der nicht nur Zuhörende, sondern auch Musizierende mitunter nur schwer Zugang finden. In der Musik nach 1950 gibt es keine verbindlichen Regeln, unendlich viele Stile und keine Kategorien.

Das Vorurteil, dass Neue Musik schwer zu hören sei, will Lucas Fels aber nicht bestätigen. Und er muss es wissen: Der Cellist hat seit 2013 den Lehrstuhl für „Interpretatorische Praxis und Vermittlung Neuer Musik“ – ein im deutschen Musikhochschulwesen bis dato noch nicht vertretenes Format – an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt inne. Seit 1984 ist er bei den Darmstädter Ferienkursen dabei, mittlerweile längst als Dozent.

Dass Neue Musik aber ein gewisses Frustrationspotenzial biete, gibt er unumwunden zu: „Etwa wenn Musiker Noten vor sich haben, die sie nicht lesen können, oder wenn sie beim Spielen mit Dingen konfrontiert werden, bei denen sie nicht wissen, wie die auf dem Instrument umgesetzt werden“, sagt er. 

Was als Musik aufgeschrieben wird und wie, für wen und wie das Ganze dann zum Klingen gebracht werden kann, beschäftigt gleichermaßen Komponisten, Musiker und Musikforscher seit Jahrhunderten und nach wie vor täglich. In der vierteiligen Reihe „Notations“ macht sich Fels gemeinsam mit Komponisten wie Brian Ferneyhough oder Helmut Lachenmann auf, Antworten auf die Frage zu finden, was man aus den Notationen lesen kann.

„Die Darmstädter Ferienkurse sind einmalig in ihrer Art“, sagt Feld. „International, geschichtsträchtig und hochkarätig besucht. Allein was und auf welchem Niveau dort diskutiert wird.“ Auch deshalb, weil Darmstadt in erster Linie kein Konzertfestival ist. Stattdessen ist es eine Plattform für 400 Komponisten, Musiker und Musikforscher. 

Für jemanden, der sich nicht aktiv mit Neuer Musik auseinandersetzt, gleichen einige Veranstaltungen „Fach-Chinesisch“, sagt er. Und doch bezieht das Festival die Bürger ein, öffnet sich für Besucher und ist in der ganzen Stadt sichtbar. Wer sich an Neuer Musik versuchen will, wird auch fündig: Das Eröffnungskonzert am 14. Juli, 20 Uhr, mit drei sehr unterschiedlichen Stücken empfiehlt er. Oder die „Konzert-Lecture“-Reihe, bei der der Musikwissenschaftler Ulrich Mosch unterschiedliche Werke von Komponistinnen in Klang und Wort vorstellt. Wer mit Neugier drangehe, könne nur gewinnen, sagt Fels.

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