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Ferien zu Hause Ich schau' Serie!

Sie wissen nicht, was Sie tun sollen an einem verregneten Ferientag? Wir haben einige Fernsehserien zusammengestellt, die Sie auf andere Gedanken bringen.

11.08.2017 12:36
True Detective
Hollywood-Star Matthew McConaughey spielt Rustin Cohle in True Detective. Foto: HBO

Es ist zu kalt für Freibad? Na und. Wir sagen Ihnen, welche Folgen uns gerade so richtig gerne drinnen lassen bleiben. Von der abgedrehten Comedy-Telenovela bis zu fiesen kolumbianischen Mafia-Bossen.

„True Detective“, Sky

Zwei Cops in einem Auto, dahinter die trostlosen Sümpfe Louisianas und ein Gespräch, das stockt. Manchmal muss man Regeln brechen. Die erste Staffel von True Detective hat das mit Mut zum langsamen Erzählen getan – und mich schon mit einer der ersten Szenen zum Fan gemacht. Die Ruhe, mit der die Kamera Woody Harrelson und Matthew McConaughey auf ihrer Suche nach einem Ritualmörder begleitet – eine Qual für Fans schneller Schnitte. Für mich war es eine Offenbarung. Und trotz der Ruhe kommt nie Langweile auf. Dafür sorgt das Dunkle und die Hoffnungslosigkeit, die über der Sumpflandschaft und ihren Bewohnern schwebt. Wer sich zu Harrelson und McConaughey ins Auto setzen will, kann das bei Sky tun. (Steffen Herrmann)  

„The Affair“, Amazon Prime

Ein Schriftsteller und Familienvater stürzt sich in eine leidenschaftliche Affäre, die er später in seinem schlüpfrigen Bestseller-Roman verarbeitet. Für seine Liebhaberin ist die knisternde Erotik des Seitensprungs eine Flucht aus der familiären Tragödie, erinnert sie der gutmütige Ehemann doch viel zu sehr an den frühen Tod des gemeinsamen Kindes. Als wäre die Affäre nicht verhängnisvoll genug, deuten düstere Vorausblenden einen mysteriösen Mord an. Klingt nach Seifenoper? Mitnichten, denn die Erzählstruktur macht den Unterschied. Die US-Serie „The Affair“ zeigt in jeder Folge zwei Perspektiven auf dasselbe Ereignis, wobei die untreuen Protagonisten unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie es wirklich war. Wer hat hier wen angebaggert, wer hat sich geziert, und ist das überhaupt wichtig? Ist es nicht, denn der Wahrheitsgehalt der multiplen Perspektiven bleibt unkommentiert. Dafür bietet die Serie reichlich Diskussionsstoff über die Frage, welcher der Charaktere nun eigentlich der größte Mistkerl ist. (Patrick Schlereth)

„Homeland“, Sat1.Emotions und Amazon Prime

Ich mag Carrie Mathison immer noch, auch wenn viele die Heldin von „Homeland“ mittlerweile nervig finden. Ihre Konflikte zwischen Patriotismus, Wahnsinn, Leidenschaft und Familienliebe bestreiten schon sechs Staffeln und ich finde sie weiter spannend. Ja, manche Probleme wiederholen sich in neuen Spielarten. Aber das ist ja in jeder Beziehung so und trotzdem hört man nicht auf, es mit der Liebe zu versuchen. Und es geht in dem amerikanischen Geheimdienst-Thriller, den manche als beste TV-Serie der Welt feiern, nicht nur um die blonde innerlich zerrissene CIA-Agentin, sondern um vieles, was die Welt derzeit bewegt: islamistischer Terror, Anschläge, dreckige Politik, so intrigant und unglaublich wie man sich die Gesetzlosigkeit der Mächtigen schon immer vorgestellt hat. Und sehr realistisch. Das gefällt auch Männern, die Carrie nicht mögen. Ich bin gespannt, ob sie in der 7. Staffel, die demnächst gedreht wird, in Venezuela aufräumen muss. Warnen muss man nur vor den extrem spannenden Cliffhängern. Sie erfordern Disziplin. Sonst wird aus einem gemütlichen Homeland-Nachmittag schnell mal eine durchschaute Nacht – mit akuter Wiederholungsgefahr. Die erste Staffel läuft auch gerade bei Sat.1 Emotions immer freitags um 21.50 Uhr. (Regine Seipel)

„BoJack Horseman“, Netflix 

Freunde des schwarzen Humors haben ja alle das gleiche Problem: Das Umfeld findet das, worüber man lacht, eher selten witzig. Also eigentlich nie. Und meistens muss man sich dann noch anhören, man hätte keine Ahnung, was lustig sei. Wer also an einem verregneten Sommertag alleine zu Hause in Ruhe und ohne verurteilt zu werden über ein alkoholkrankes, depressives Pferd lachen möchte, dem kann ich BoJack Horseman ans Herz legen. Die Adult-Animation-Serie ist böse, pervers, politisch inkorrekt, unglaublich witzig und gleichzeitig wahnsinnig deprimierend. Und wirft genau die richtige Frage für Regentage auf: Warum ist es so schwer, glücklich sein? Denn BoJack hat oberflächlich betrachtet alles: Geld, eine Villa, jede Menge Frauen. Glücklich ist er aber nicht. Der abgehalfterte TV-Star, der nach seinem großen Hit nie wieder eine Rolle bekommen hat, trinkt zu viel, nimmt Drogen und hat sein Leben nicht im Griff. Wer tiefschwarzen Humor besitzt und ein bisschen was für die Kaputten übrig hat, ist hier genau richtig. (Sonja Thomaser)

„Curb Your Enthusiasm“, HBO und Sky

„Curb Your Enthusiasm“ ist die dreckige Version der Sitcom Seinfeld. Wer die Situationskomik rund um George und Jerry in Seinfeld zu schätzen gelernt hat, wer über Peinlichkeiten, die aus alltäglichen sozialen Zwängen entstehen, lachen kann, und wer kein Problem mit mehr Schimpfwörtern, anstößigeren Themen und unmoralischeren Charakteren hat, der wird die Serie lieben. Seinfeld-Macher Larry David steht hinter der Serie und in ihrem Mittelpunkt. Im Mockumentary-Stil verfolgt ihn die Kamera und zeichnet auf, wie er jeglicher Arbeit aus dem Weg zu gehen versucht und von einem Fettnäpfchen ins nächste stolpert. Nur die Rahmenhandlung der Szenen ist festgelegt. Alle Dialoge sind improvisiert. Man verzichtet auf große Lacher. Komik resultiert aus den ständigen Verstrickungen der Charaktere in eitle Streitereien und peinliche Momente. Er ging. Er tat nichts. Er ist zurück. So bewirbt der Sender HBO die achte Staffel, die am 1. Oktober startet. Bis dahin hat man Zeit, die ersten sieben zu schauen und Fan zu werden. Das einzige Problem: Übersetzt funktioniert die Serie genauso schlecht wie damals Seinfeld. Man muss das Ganze zwingend auf Englisch schauen. (Daniel Dillmann)

„Narcos“, Netflix

Ich bin ein großer Fan von Mafiafilmen- und serien. Sie geben Einblicke in eine Welt, die fernab von unserem Alltag existiert und doch allgegenwärtig ist. Eine der spannendsten Figuren war der kolumbianische Drogenbaron Pablo Escobar, der in den 80er und 90er Jahren zu einem der reichsten Menschen der Welt aufstieg . Die Serie Narcos zeigt wie skrupellos er gegen alle vorging, die sich ihm in den Weg stellten und wie die Sicherheitsbehörden ihn 1993 letztlich zu Fall brachten. Nach Narcos habe ich noch jede Menge anderer Dokumentationen zu Escobar gesehen, um ein vollständiges Bild eines der dunkelsten Kapitel der kolumbianischen Geschichte zu bekommen. Escobar ist tot, das Drogenkartell lebt weiter. In Cali. Wie das Cali-Kartell im Schatten von Escobar zu einem Milliardenkonzern aufstieg, erzählt die dritte Staffel von Narcos, die dann ab dem 1. September verfügbar ist. (Timur Tinç)

„Peaky Blinders“, Arte und Amazon Video

Im deutschen Filmvertrieb hält man den Zuschauer traditionell für minderbemittelt. Deshalb muss die famose BBC-Serie in Deutschland den unnötigen Zusatz „Gangs of Birmingham“ tragen, damit auch wirklich jeder kapiert, dass es sich (mal wieder) um ein Gangster Epos handelt. Auch – muss man sagen. Denn die Serie, die hierzulande bei ARTE ausgestrahlt wird, ist mehr als das: Charakterdrama, Zeitportrait und Geschichtsstunde in Einem. Die Geschichte des Aufstiegs des Shelby-Clans im Birmingham der 1920er Jahre ist liebevoll ausgestattet und wird von einem grandios aufspielenden Ensemble getragen (Cilian Murphy, Sam Neill, Tom Hardy). Das alles erzählt in einer Epik, die man in den letzten Jahren vor allem von amerikanischen Serien wie „Boardwalk Empire“ gewohnt war. „Peaky Blinders“ ist die europäische Antwort darauf. Die ersten beiden Staffeln sind auf DVD, Amazon Video, Netflix erhältlich. (Danijel Majic)

„Gilmore Girls“, Netflix

Es gibt Dialoge, die sagen alles über eine Sendung. Etwa, wenn Miss Patty aufopferungsvoll einen Mann für Gilmore-Girls-Mama Lorelai sucht. Miss Patty: „You’re such a beautiful girl and you deserve a nice guy.“ Lorelai: „I’ll have a nice guy, but let me find him myself, okay?“ Miss Patty: „But you’re no good at finding him.“ Als Gilmore Girls erstmals ausgestrahlt wurden, war ich etwa in Rorys Alter. Nach der Schule waren die Gilmore Girls da, sie waren Ablenkung, Freude und ein Einblick in eine fast perfekte Mutter-Tochter-Welt. Mit Rory habe ich mich erst in Dean, dann in Jess und später in Logan verliebt. Ich habe mich über die spießigen und bonzigen Großeltern geärgert und über die schreckliche Mutter von Lane. Neulich habe ich angefangen, die Serie noch einmal zu schauen, von der ersten Folge, ganz chronologisch, ehe ich die neue achte Staffel schaue. Heute bin ich in Lorelais Alter. Ich habe die Seiten gewechselt. Heute fiebere ich mit ihr mit: Max, Christopher oder Luke? Nur eines ist doof. Burger, Pommes, Donuts, Sookies Küche – man hat einfach permanent Hunger. (Miriam Keilbach)

„Jane The Virgin“, Netflix

Jane ist 23, Jungfrau und schon in Folge 1 schwanger. Nein, es ist keine unbefleckte Empfängnis, obwohl das ihre eigene Mutter für einen Moment glaubt und im Krankenhaus kurz vor ihr auf die Knie fällt und anfängt zu beichten. Der Grund für die Schwangerschaft? Die Frauenärztin hat ihre Frau beim Sex mit jemand anderen erwischt, ist also total durcheinander und führt eine künstliche Befruchtung statt bei der Patientin im Nebenzimmer bei „Jane, the Virgin“- so heißt auch die Serie durch. Ich war sofort süchtig nach der überdreht-charmanten Comedy-Telenovela, die in Miami spielt. Die Erzählstimme fasst alles mit viel Ironie zusammen. Schaut man die Serie auf Netflix, kann man sie auf Englisch-Spanisch schauen, weil die Latina-Oma von Jane immer auf Spanisch spricht. Ach ja, der Samen-Spender ist , wie das Telenovela-Schicksal es will, kein Fremder. Sondern Rafael, ein reicher Hotelbesitzer mit Sixpack, den Jane mal vor fünf Jahren geküsst hat. Aber da ist noch ihr Verlobter Michael. Ein Cop, der einen Drogenboss im Hotel sucht. Alles ganz nah am Leben! Und ich bin erst bei Folge 1. Staffel 4 wird bald gedreht. (Kathrin Rosendorff)

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