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English Theatre in Frankfurt Guter Junge, böse Puppe

Das English Theatre Frankfurt zeigt erstmals in Deutschland „Hand to God“. Es ist ein wunderbar witziges, nachdenkliches Horrorstück, dessen Star eine Handpuppe ist – und deren virtuoser Spielpartner Nicholas Hart.

English Theatre
Regisseur Derek Anderson und Hauptdarsteller Nicholas Hart (rechts) mit der Handpuppe Tyrone, die eine verdammt fiese Socke ist. Foto: Christoph Boeckheler

Eine alte Socke, zwei Knöpfe als Augen, zwei dünne Ärmchen an Stäben und unglaublich viel Talent – mehr braucht es gar nicht, um Tyrone zum Leben zu erwecken, eine unverschämte kleine Handpuppe, die einem jungen Texaner den Alltag schwer und auch leicht macht. Für den Schauspieler Nicholas Hart, der auch ausgebildeter Puppenspieler ist, bietet die fiese Handpuppe eine glanzvolle Möglichkeit, in der neuesten Produktion des English Theatre Frankfurt eine ganz außergewöhnliche Rolle auszufüllen.

„Hand to God“ ist ein Stück des aus einer texanischen Kleinstadt stammenden Autors Robert Askins, der heute in New York lebt und trotz seines Ruhms nach einem Dutzend Theaterstücken immer noch regelmäßig als Barkeeper in Brooklyn arbeitet. Am kommenden Freitag, 16. März, feiert es in Frankfurt seine Deutschlandpremiere in englischer Sprache. Aktuell wird noch am Bühnenbild gezimmert, die Schauspieler sind gerade erst aus London angekommen, wo sie in den vergangenen Wochen geprobt haben.

Nun klingt eine Kurzzusammenfassung der Handlung – Handpuppe eines scheuen Einzelgängers entwickelt ein unerwünschtes Eigenleben – ja zugegebenermaßen nach Horror, und auch das Plakat erinnert an Gruselautor Steven King. Aber mal ehrlich: Wie soll man sich eine Jugendzeit im hintersten Texas anders vorstellen als den reinen Schrecken?

Trotzdem versprechen die Theatermacher eine „urkomische, provokante und unhöfliche neue Komödie“. Askins hat jedenfalls sehr viel Autobiografisches in seine Geschichte eingearbeitet, er wuchs in einer frommen Gemeinschaft auf, in der die Mutter eine Puppenspielgruppe für die Gottesdienste leitete und auch der Sohn regelmäßig mitspielte. Angeblich schrieb er das Theaterstück in nur zehn Tagen. Von einer kleinen New Yorker Bühne zog „Hand to God“ erst an den Broadway, bekam begeisterte Kritiken, und wurde dann auch in London inszeniert und gefeiert.

„Ich glaube, dass es aktuell international nichts Vergleichbares auf einer Bühne gibt“, sagt Regisseur Derek Anderson nicht ohne Stolz. Denn Puppen und Marionetten sind zwar inzwischen recht beliebt bei modernen Inszenierungen, doch in „Hand to God“ spielt Hauptdarsteller Hart eben nicht nur den Tyrone, er verkörpert auch dessen jugendlichen Besitzer Jason. „Das gibt es sonst gar nicht, dass der Schauspieler noch einen anderen Charakter als die Puppe verkörpert“, sagt Anderson, der das English Theatre schon gut kennt, hier aber erstmals Regie führt.

„Es ist schon seltsam, wenn man ein Gespräch mit sich selbst führt“, sagt er lächelnd. „Irgendwann vergesse ich das, und es wird ein echter Dialog zwischen Jason und Tyrone. Es sind ja ganz verschiedene Charaktere.“ Eigentlich, so scherzt Hart, müsse Tyrone im English Theatre als Star doch eine eigene Garderobe bekommen. Dabei könne diese Doppelrolle sehr verletzlich machen, sagt der Regisseur.

„Es ist die perfekte Rolle für mich, weil ich beides tun kann. Ich hatte noch nie so viel Spaß auf der Bühne“, meint Hart. Und das will schon etwas heißen, schließlich spielte er als Puppenspieler schon die Grinsekatze und die Raupe in „Alice im Wunderland“ oder war einer von drei Puppenspielern, die zusammen das Pferd im Stück „Warhorse“ zum Leben erweckten. „Das war das erste Theaterstück, in dem eine Puppe die Hauptrolle übernahm und wo das funktionierte“, sagt Hart.

Puppe wie Besitzer reden übrigens in verschiedenen Akzenten im breitesten Texanisch, eine Herausforderung für den britischen Schauspieler. „Wir haben in der Ausbildung gelernt, wie man Dialekte aufgreift, indem man zuhört, analysiert und den Tonfall übernimmt“, sagt Hart. Außerdem sei er mit US-Serien aufgewachsen. Selbst war er aber noch nicht in Texas. „Ich würde aber sehr gerne mal hinfahren. Sie haben so unglaublich viel Platz dort.“

Den Autor Robert Askins immerhin hat er vor zwei Jahren schon kennengelernt. „Das war ein echtes Privileg. Askins ist Jason, das versteckt er gar nicht. Er hat seine Stimme gefunden. Und er ist großartig. Er weiß: Wenn Du nicht lachst, wirst Du weinen.“

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