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Duo Yello Duo Yello tritt in Frankfurt auf

Vor 30 Jahren stürmte das Schweizer Duo Yello mit „The Race“ die Hitparaden. Am 29. November geben die Musiker Dieter Meier und Boris Blank in der Frankfurter Festhalle eines von wenigen Deutschlandkonzerten.

Duo Yello
Sieht nach Spaß aus: Dieter Meier (li.) und Boris Blank auf der Bühne. Foto: Michael Wilfling

Ein Leben ohne Musik? Für Boris Blank gänzlich unvorstellbar. „Ohne Musik, ohne diese Stimmungen in der Musik könnte ich nicht leben“, sagt der 65-Jährige und blickt hinüber zu seinem Bandkollegen und Weggefährten Dieter Meier, 72. Und die beiden lächeln sich an, zufrieden, fast verschwörerisch. Und Blank fügt hinzu: „Dieter sagt immer, es wird wahrscheinlich so sein, dass ich mein Aufnahmegerät hinhalte, wenn sie die Nägel in meinen Sarg einschlagen, und aus diesen Samples noch schnell einen Song mache.“

Ja, die Musik. Sie hat die beiden Schweizer zusammengebracht. Dieter Meier schwirrte damals vor allem als Konzeptkünstler umher, provozierte auf kluge Art mit seinen Ideen und fand vielleicht aus diesem Grund Gefallen an dem jungen Mann – Boris Blank – mit dem fein gestutzten Schnauzer, der mit seinem Aufnahmegerät die Klänge des Zürcher Alltags einsaugte und zu Musik verarbeitete. Blank hatte Anfang der 1970er Jahre mit Carlos Perón die elektro-experimentelle Band „Yello“ gegründet und die beiden holten Meier mit ins Boot. Sie experimentierten ein bisschen gemeinsam, erste Alben wurden produziert und veröffentlicht. Anfang der 1980er Jahre stieg Perón aus – und danach dauerte es nicht mehr lange, da stürmten Meier und Blank mit „The Race“ die Hitparaden (ja, so hieß das damals ...). Der Rest ist Musikgeschichte.

Knapp drei Jahrzehnte und sieben Alben später sitzen Dieter Meier und Boris Blank ganz entspannt in der Rotunde der Frankfurter Festhalle beisammen, um ihre aktuelle Tournee zu promoten, auf der sie am 29. November eben auch in der Festhalle Station machen. Ganz entspannt geht gut, wenn man etwas nicht mehr machen müsste, es aber tut, weil die Lust da ist.

Denn wegen des Geldes müssen die beiden Herren von Yello nicht mehr auf die Bühne. Sie haben mit ihrem Vermögen klug gewirtschaftet: Meier züchtet in Argentinien Bio-Rinder und baut Wein an, Blank taucht täglich ab in den „Jungbrunnen“ Musik, wie er sagt, und komponiert für Filme, Ausstellungen und vor allem, siehe oben, weil er die Musik zum Leben braucht „wie ein Sauerstoffzelt“. Dass sie dennoch alle paar Jahre auf Tour gehen, spricht wohl vor allem für die Lust.

Und diese Lust bringt auch alle paar Jahre ein neues Yello-Album hervor, zuletzt im September 2016 das Werk „Toy“, ein sehr entspannt vor sich hin wummerndes, atmosphärisches Album; eine Art akustisches Samtsofa in einem wohl temperierten Loft. Boris Blank breitet vielschichtige Klangwelten aus, samtige Frauenstimmen singen sinnliche Refrains dazu und Dieter Meier erzählt mit dunkler, sonorer Stimme – die in manchen Momenten so klingt, als wäre Barry White höchstselbst für die Aufnahmen aus dem Schmusesoul-Himmel hinabgestiegen – mitunter nachdenkliche Geschichten über das Leben und dessen Endlichkeit.

Doch so nachdenklich sich Meier und Blank auf „Toy“ geben, so sehr steht Yello auf der Bühne für das pralle Leben. Die Tickets sind mit bis zu 120 Euro Stückpreis zwar schon gehobene Mittelklasse, aber Yello live zu sehen ist nach Aussage von Fans jeden Euro wert. Nicht nur wegen den erstklassigen Musikern, die Meier und Blank auf Tour begleiten; auch die Licht- und Videoshow, die einen wohl zeitweise schwindeln macht, soll spektakulär sein.

Aber vor allem sind es die Leidenschaft und die Präsenz von Boris Blank und Dieter Meier, ihre Hingabe an den Moment, die Lust am Fabulieren und der Spaß am Eintauchen in das Große, das sie einst selbst geschaffen haben. Denn, ganz gleich, ob sie nun aufwendige Arrangements oder verspielte Collagen von Alltagsgeräuschen auf die Bühne bringen – am Anfang steht bei Yello immer die Leidenschaft für die Musik. Und die ist ja – und jetzt wirklich zum letzten Mal – für die beiden so wichtig wie die Luft zum Atmen.

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