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Der Gentleman-Kabarettist Bodo Wartke auf der Suche nach einer besseren Welt

Liebeslieder in über 90 Sprachen, Trennungsgeschichten und Albernheiten serviert der Musiksatiriker Bodo Wartke seinen Fans – demnächst auch in der Frankfurter Jahrhunderthalle. Politische Aussagen kommen jedoch nur am Rande vor.

Bodo Wartke
Bodo Wartke trat in der Frankfurter Jahrhunderthalle auf. Foto: Veranstalter

Noch so ein erfolgreicher Studium-Abbrecher. Nach zehn Semestern „Musik auf Lehramt“ wurde dem Ärztesohn aus Schwartau klar: Er wollte Künstler werden. Interessanterweise aber genau in dem Fach, dem er eigentlich abgeschworen hatte: Gesang und Klavier. Seit 20 Jahren steht er nun – zuerst zum Entsetzen, inzwischen zum Ergötzen seiner Eltern – auf der Bühne. Die Säle, wie am Mittwoch Abend in der Aschaffenburger Stadthalle – sind voll.

Dabei entspricht seine Art von Kabarett so gar nicht dem Mainstream des Genres: Er komponiert, singt und spielt vornehmlich Lieder von Liebe, Nicht-zusammen-passen und Trennungsschmerz. Das ist manchmal schon rekordverdächtig. So hat er eines seiner Anhimmelungsstücke in rund hundert Sprachen übersetzt. Science-Fiction-Liebhaber können sich sogar eine Version in Klingonisch von seiner Web-Seite herunterladen.

Herz-Schmerz auf Klingonisch

Ferner hat er sich zur Aufgabe gemacht, alle möglichen Frauennamen mit einer eigenen Strophe zu bedenken. Inzwischen sind es über Tausend geworden, die sich als Klingelton aufs Handy laden lassen, wenn nicht gerade Reparaturarbeiten auf dem Internet-Generator anstehen.

Beide Ausformungen seiner Kunst weisen auf einen Hang zum Perfektionismus hin, die seinen Werken nicht immer zugute kommt. Sein Spiel am Flügel, seine Kompositionen sind 1a, doch der Versuch, allzu viel Text unterzubringen, macht so manche Zeile unverständlich. Und das Bemühen, mit klarer (Reim-)Form zu glänzen, lässt den Inhalt zu oft in den Hintergrund treten.

Musikalisch macht ihm kaum einer etwas vor, was recht vergnüglich sein kann. Vor allem wenn er vom Jazz in allen Spielarten lässt und Ausflüge in die Klassik unternimmt. Da beschreibt er anhand eines Präludiums von Bach die Auswirkungen einer Sehnenscheidenentzündung. Und richtig albern wird es, als er sich zusammen mit seiner singenden und spielenden Partnerin Melanie Haupt Mozarts Zauberflöte vornimmt. Das zarte Persönchen bewältigt dabei immerhin – wenn auch mit Mikro – passabel die Rache-Arie der Königin der Nacht in neuem Textgewand.

Klassiker mit neuem Libretto

Apropos Klassik: Mittlerweile hat der Wahlberliner auch zwei Sophokles-Stücke neu in Text und Komposition gefasst; den Ödipus und jetzt auch die Antigone, die er im Herbst im Neuen Theater Höchst geben will. Ein Leckerbissen auch der Kampf von Theseus mit dem Minotaurus.

Ja, und dann ist noch das Politische, dem der sozial überaus engagierte Künstler – einen teil seiner Einnahmen spendet er unter anderem für Ärzte ohne Grenzen – einen Raum geben will. Da beklagt er religiösen Fanatismus oder besingt eine Welt, wie sei sein sollte. Das können die Zuhörer alles unterschreiben. Doch es kommt alles ein wenig naiv und brav daher. Da fehlt ganz einfach der Biss.

Und auch bei seinen Liebesliedern nimmt man ihm die dargestellten Gefühle wie Schmerz und Verzweiflung nicht so recht ab. Denn bei der Suche nach Befindlichkeiten kommt viel Banales und Flaches heraus. Vielleicht ist Wartke zu sehr der Sonnyboy, um sich in die eigenen Karten schauen zu lassen. Die dargebotene „bunte Schüssel“ (die lateinische Herkunft des Wortes Satire) ist letztlich unterhaltsam, aber ohne Tiefe. Eines seiner Chansons über eine gescheiterte Beziehung bringt es da auf den Punkt: „Das reicht nicht.“

Bodo Wartke gastiert am 7. Juni mit seinem Programm „Was, wenn doch?“ in der Frankfurter Jahrhunderthalle und am 14. Juli auf den Burgfestspielen in Dreieich. Downloads seiner Liebeslieder für jeden Vornamen und weitere Informationen gibt es unter www.bodowartke.de.

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