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„Darmstadt spielt“ An die Pöppel, ihr Landratten

Als größtes Familienspielefest Hessens ist „Darmstadt spielt“ alles andere als ein Schlag ins Wasser – obwohl die Besucher in diesem Jahr reichlich Neuheiten rund um die Themen Wasser und Piraten testen können.

Herrlich realistische Handelsschiff-Spielfiguren gibt es beim Spiel „Black Fleet“. Foto: Promo

Wenn es eines Tages einen Lehrstuhl für Spiele-Wissenschaft gibt, dann wird man gewiss ein seltsames Phänomen erklären können: In vielen Spielejahrgängen dominiert ein Thema auf – als ob sich Autoren und Verlage verabredet hätten, lauter Spiele beispielsweise zum Thema Eisenbahn zu machen. 2014 ist das Jahr der Piraten- und Wasser-Spiele. Wer am Wochenende die Veranstaltung „Darmstadt spielt“ besucht, wird sich davon überzeugen können.

Die Bandbreite ist gewaltig. Da finden sich flotte Reaktionsspiele ebenso wie familiengerechte Karten- und Würfelspiele. Freunde des kooperativen Ansatzes kommen genauso auf ihre Kosten wie abgezockte Bluffer sowie Strategiefans.

Wer einen schnellen Zock sucht, liegt bei „Hook!“ goldrichtig. Bis zu sechs Spieler müssen auf Zielkarten blitzschnell ihre Karte mit ausgestanzten Löchern klatschen. Was dann herausschaut, bringt einem Punkte ein – oder, falls man die falsch Klatschkarte gewählt hat, die Schadenfreunde der Mitspieler. Ebenso locker-schnurrig das beliebte, in neuem Gewand wieder aufgelegte „Cartagena“: Jeder Akteur versucht, durch geschicktes Karten-Ausspielen seine Piratenbande möglichst schnell durch den Fluchttunnel aus dem Gefängnis zu schleusen.

Würfel-Freunde sollten sich „Tortuga“ anschauen. Die Spezialwürfel mit Symbolen wie Entermesser, Totenkopf oder Kanone helfen dabei, möglichst viele Schatztruhen auf die Seite zu schaffen. Ebenfalls gewürfelt wird beim Brettspiel „Grog Island“, da dienen die Würfel aber zum Bieten. Als Pirat im Ruhestand versucht man, lukrativ Geschäftshäuser wie den Holzbein-Shop oder die Galionsfiguren-Schnitzerei zu eröffnen. Fast nur mit Karten kommen „Auf nach Indien!“ und „Port Royal“ aus. Beide entwickeln aber trotz des sparsamen Materials eine Spieltiefe, die an die von Brettspielen heranreicht. Bei „Port Royal“ etwa haben die Karten eine Aktionsseite, umgedreht zeigen sie eine Goldmünze und werden zum Zahlungsmittel.

Echte Designer-Breitseite

Noch verrückter treibt es das Kartenablegespiel „Piraten Fluxx“. Da wechselt während des Spiels das Spielziel! Ein Graus für Strategen und regelstrenge Skat-Klopper, aber ein Riesenspaß für flexible Kartensammler. Geschicktes Kartenablegen ist auch bei „Madame Ching“ (Bild oben) gefragt. Hübsch gestaltet, segelt Asiens gefürchtetste Piratin spieltechnisch aber eher in familiären Gewässern.

Eine echte Designer-Breitseite sind die drei Brettspiele „Black Fleet“, „Francis Drake“ und „Abyss“. Bei der schwarzen Flotte kreuzen herrlich realistische Handelsschiffe mit Warenklötzchen umher und werden von Piraten geplündert. Das komplexe Strategiespiel um den Freibeuter der englischen Krone hingegen ist verschwenderisch mit Schiffsminiaturen, Edelsteinen und 3-D-Schatztruhen ausgestattet. Bei „Abyss“ tauchen die Spieler zu bizarren, aber wunderschön gemalten Lebewesen der Tiefsee; die Währung im Spiel sind dicke, weiße Perlen.

Ebenfalls in die Tiefsee schickt einen „Aquasphere“: Das Labor am Meeresgrund ist hochkomplex, aber ein Leckerbissen für Freunde von Taktik und Strategie. Mindestens genauso vertrackt kommt „Panamax“ daher. Bei dem knallharten Wirtschaftsspiel muss man als internationaler Spediteur Waren durch den Kanal verschiffen. Wer es weniger komplex mag, geht besser bei „Mangrovia“ oder „Neptun“ vor Anker. Auch das sind strategische Brettspiele – mit aparten Designs und Spielmechanismen.

Zum Schluss noch drei Tipps für „Wiederholungstäter“: Mit „Manila“ hat der Zoch-Verlag einen Klassiker in neuer Edition wieder aufgelegt. „Die Fahrt der Beagle“ bringt als thematische Erweiterung neuen Wind in das herausragende kooperative Spiel „Robinson Crusoe“: Statt Rettung von der Insel ist nun die kongenial gestaltete Forschungsreise mit Charles Darwin angesagt. Und wer bei „Village Port“ anheuert, darf sich auf eine spannende Erweiterung zum Kennerspiel des Jahres 2012 „Village“ freuen.

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