Lade Inhalte...

Darmstadt Besuch bei den Biermachern

Bei einer dreistündigen Führung durch die Pfungstädter Privatbrauerei können die Gäste das Sudhaus, den Gärkeller und das historische Maschinenhaus erkunden.

Pfungstädter-Geschäftsführer Stefan Seibold
Geschäftsführer Stefan Seibold zapft im Gärkeller ein Bier. Foto: Rolf Oeser

In der Pfungstädter Brauerei, nach eigenen Angaben „Hessens größte Privatbrauerei“, gärt es in letzter Zeit nicht nur in den Braukesseln kräftig. Auch personell gab es einige einschneidende Veränderungen. Zum einen lagerte die Brauerei, die sich seit 1831 in Familienbesitz befindet, Teile ihrer Logistik aus und verringerte dadurch den Personalstand um 35 Mitarbeiter. Auch trennte man sich von dem für die Technik zuständigen Geschäftsführer und langjährigen Marketingleiter. Stefan Seibold, der im sechsten Jahr Geschäftsführer ist und das Traditionsunternehmen nun alleine führt, spricht davon, dass es für eine Marke notwendig sei, sich ab und an neu zu erfinden. „Wir mussten in uns gehen, um wieder an Dynamik und Fahrt aufzunehmen“, sagt er.

Die Pfungstädter Brauerei, die lange mit dem inzwischen doch etwas in die Jahre gekommenen Motto „Hessens Glück“ für sich geworben hat, vermarktet sich nun mit dem Slogan „Wir sind die Biermacher“. Da schwingen die Schlagworte Selbstbewusstsein und Handwerkskunst mit. Neben der Überarbeitung des Markenauftritts will die Brauerei zudem auf neue Biersorten und Brauspezialitäten setzen. 

„Wir geben das Pils nicht auf, aber wir müssen als Pils-Brauerei raus aus der Pils-Falle“, sagt Seibold und meint damit, dass zahlreiche Biertrinker inzwischen vielfältige Aromen zu schätzen wissen und immer weniger bloß auf eine Biersorte festgelegt sind. So verfolgt der Brauereichef auch aufmerksam die Entwicklung der Craft-Beer-Szene und der Mikrobrauereien. Ein „Biermacher“ zu sein bedeutet für Seibold, „mit Leidenschaft und Können die besten Biere zu brauen“. Dieser hohe Anspruch werde durch die Auswahl regionaler Zutaten und den geprüften und zertifizierten Brauprozess erfüllt. 

Wie die Biere in Pfungstadt gebraut und gelagert werden, können Leserinnen und Leser der FR bei einer dreistündigen Führung erfahren. Bei dem Rundgang, der im „Schalander“, dem früheren Aufenthaltsraum der Brauer, beginnt und endet, werden auch das Sudhaus, der Gärkeller und das historische Maschinenhaus besichtigt. 

Mit einer Kommunikations- und Marketingkampagne, in die das Unternehmen 100 000 Euro investiert, will die Brauerei die „Leidenschaft für das eigene Handwerk“ darstellen und sich zugleich „geschichtsbewusst und innovativ“ präsentieren. So tritt etwa Braumeister Dominik Schindler auf einem Werbeplakat als „unser Brauzeuge und Reinheitsgebieter“ auf. 

Ihre lokale und regionale Verbundenheit will die Brauerei auch mit der inzwischen schon seit 20 Jahren bestehenden Partnerschaft mit dem derzeitigen Fußballzweitligisten SV Darmstadt 98 zeigen. Der Vertrag läuft noch – mit einer Option für zwei weitere Jahre – bis 2019. 

2017 lag der Umsatz der Brauerei, für die mehr als 100 Mitarbeiter tätig sind, bei 22 Millionen Euro und der Absatz bei 250 000 Hektoliter. Das ist allerdings weit vom Rekord von 450 000 Hektoliter im Jahr 2003 entfernt. Seibold zufolge konnte im südhessischen Kerngebiet, wo die Pfungstädter Brauerei Marktführer ist, beim Fassbier im vorigen Jahr der Absatz gegenüber dem Vorjahr um ein Prozent gesteigert werden. 

Neben den „Klassikern“ wie Pils, Export, Helles und Weizenbieren, den verschiedenen Radlern und der Brauer-Limo widmet sich das Unternehmen nun verstärkt den Brauspezialitäten, die auch teurer verkauft werden können. So hat die Brauerei kürzlich ein „Urweizen“ mit Dinkelmalz auf den Markt gebracht, was offenbar gut bei den Konsumenten ankam. Innerhalb von zehn Wochen wurden von der neuen Kreation Seibold zufolge bereits 1300 Hektoliter verkauft und damit deutlich mehr als ursprünglich geplant. Sogar die Etiketten seien schon knapp geworden. „Auf einem nicht ganz einfachen Markt wie dem Biermarkt ist es wichtig, innovativ, mutig und zukunftsorientiert zu sein, um bestehen zu können“, beschreibt der Brauereichef das Credo des Familienunternehmens. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Ferien zu Hause

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen