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Comics Hessen Tim und Struppi auf Hessisch

Hergé wäre begeistert – jetzt kommt der erste Tim-und-Struppi-Comic auf Hessisch heraus. Übersetzer Jürgen Leber hat sich in die Köpfe der Comic-Helden hineingedacht.

Weiß, wie Tim und Struppi denken: Übersetzer Jürgen Leber Foto: Pter Jülichm

Er hat schon Asterix zum Babbeln gebracht, nun sind die nächsten Comichelden an der Reihe: Jürgen Leber hat Tim und Struppi einer Hessenkur unterzogen. Mit „Tim un de Picaros“ ist gerade das erste Mundart-Abenteuer des umtriebigen Reportes Tim und seinem vierbeinigen Begleiter Struppi erschienen. Flankiert werden die Helden natürlich auch im Hessen-Band von Kapitän Haddock, Professor Bienlein sowie den Schultzes. Die Unterschiede zum Original werden sofort klar, wenn man den Comic aufschlägt. Kapitän Haddock trinkt Ebbelwoi: Kostprobe gefällig? Kapitän Haddock: „Tim, Sie könne babbele wie de Habermas. Isch versteh kaa Wort un krieg en trockene Hals. Aach en Ebbelwoi?“ Darauf antwortet Tim: „Geh fort! Isch krieg doch es Ranzereisse dadevon.“

Erfahrung, wie Comics auf Hessisch geschrieben werden, hat Leber. Schließlich ist er der Übersetzer der Asterix-Comics, im April 2014 wird der zehnte Band auf Hessisch erscheinen. Aus diesem Grund hatte ihn der Carlsen Verlag auch vor gut einem Jahr kontaktiert und gefragt, ob er sich vorstellen könne, eine hessische Version des Comic-Klassikers zu machen. Konnte er. Wie aber denkt er sich auf Hessisch in die Comichelden hinein?

„Ich sammele Wörter und ziehe mich dann zurück, am besten an einen Ort, an dem die Sonne scheint.“ Die Tim-und-Struppi-Übersetzung ist im Frühjahr in einem Hotel in Antalya entstanden. Dann, so erklärt Leber, nimmt er sich den Original-Comic vor und macht alle Sprechblasen mit Tipp-Ex weg – jetzt beginnt die Arbeit: Den Figuren einen hessischen Charakter geben. „Man darf die Wortspiele nicht übertreiben“, sagt der 52-Jährige. Nun liegt die Übersetzung vor, und Leber und der Verlag sind gespannt darauf, wie die hessische Version angenommen wird. Erzählt wird die Geschichte um die Entführung einer Opernsängerin. Die Bianca Castafiore der Originalausgabe mutiert zu Margit Sponheimer, der Handlungsort ist nicht mehr in San Theodoros, sondern in „Kaanadahaam“. Die Sängerin Sponheimer einzubauen ist ein Geschenk von Leber an die Frankfurterin. Diese, so erzählt er, ist dieses Jahr 70 geworden, und da habe er ihr die Rolle geschenkt.

Und der Tim-und-Struppi-Autor Hergé, da ist sich Jürgen Leber sicher, hat eine hessische Übersetzung des Abenteuers gewollt. „Oder wie ist es sonst zu erklären, dass gerippte Gläser im Comic zu sehen sind?“ Dies lässt sich leider nicht mehr klären, da der belgische Comiczeichner schon 1983 verstorben ist. Sein Erbe allerdings ist gewaltig: Die Abenteuer von Tim und Struppi sind zu einer der bekanntesten Comicserien in Europa geworden, sie soll sogar Steven Spielberg und Andy Warhol inspiriert haben. Aber auch mit seiner klaren zeichnerischen Linienführung wurde Hergé zu einem der einflussreichsten Comic-Künstler.

Mehr Text in der Blase

Was würde der Hessen-Übersetzer Leber denn dem Zeichner Hergé sagen, wenn er könnte? Leber überlegt. „Dass die Geschichte sehr gut recherchiert ist.“ Im Originalen spielt sich das Geschehen in Südamerika, im fiktiven San Theodoros, ab. Leber, der auch in Bogotá, Kolumbien studiert hat, findet, dass Hergé die Figuren und Umstände gut beschrieben hat.

Gibt es denn Unterschiede zu den Asterix-Bänden? „Die Sprechblasen sind bei Tim und Struppi deutlich größer als bei Asterix, das heißt, es muss mehr Text hinein“, erklärt Leber. Asterix sei knapper, bei Tim und Struppi gebe es öfters längere Dialoge. Deshalb richte sich die hessische Version des Comics eher an Erwachsene, denn Dialekt sei schwierig zu lesen. „Der ideale Leser ist ein lustiger Hesse, der von den Rodgau Monotones begeistert ist.“ Über welchen Übersetzungsauftrag würde er sich freuen? „Ich würde gerne Lucky Luke übersetzen.“ Den habe er schon als Kind so gerne gelesen.

Und wer ist sein hessisches Idol? Die Antwort kommt fast wie bei Lucky Luke wie aus der Pistole geschossen: „Heinz Schenk. Es gibt keinen größeren“, sagt Leber und erzählt, wie er zur Kostümprobe beim Hessischen Rundfunk für seinen Goethe-Auftritt in der Sendung „Hessen lacht zur Fassenacht“ eine Hose bekommt. „Ich will sie anziehen und sehe darin ein Schild mit der Aufschrift Heinz Schenk. Da hab‘ ich mich gefreut und gedacht, Wahnsinn, ich darf die alte Hose von Heinz Schenk tragen.“

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