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Blickachsen Bad Homburg Aus Kinderhand

Bei den zweiten Kinder-Blickachsen in Bad Homburg stellen 80 Kinder Skulpturen zum Thema Recycling aus. Und das können sie so gut wie die Künstler der Blickachsen, die parallel laufen.

Vergehende Kunstlandschaften. Foto: Rolf Oeser

Bei den zweiten Kinder-Blickachsen in Bad Homburg stellen 80 Kinder Skulpturen zum Thema Recycling aus. Und das können sie so gut wie die Künstler der Blickachsen, die parallel laufen.

Konstantin steht auf einem Hocker und wirft Müll in ein Gebilde aus Maschendraht. Drei Eisenstangen stabilisieren das Gehäuse, drum herum ist fester Maschendraht, der die Skulptur zu einem Behälter werden lässt. Von oben nach unten aus der Skulptur herausragend, verläuft ein gelbes Plastikrohr. Auf einem Sockel, der mit bunten Fäden, Stoffen und Schnullern verziert ist, steht die „gespiegelte dreiseitige Pyramide mit Müllrutsche“, wie das Kunstwerk heißt.

Die Idee dahinter: Müll durch Müll rutschen lassen. Und deshalb füllt der siebenjährige Konstantin leere Shampooflaschen, Joghurt-Becher und Büchsen in die Pyramide. Das Kunstwerk wird bei den zweiten Kinder-Blickachsen in der Orangerie und der Stadtbibliothek in Bad Homburg zu sehen sein, einer Skulpturen-Ausstellung, die parallel zu den Blickachsen im Kurpark und Schlossgarten sowie weiteren Schauplätzen im Rhein-Main-Gebiet stattfindet.

Im Bastelraum der Kinderkunstschule Bad Homburg ist die achtjährige Juno mit Fingerhäkeln beschäftigt. Geschickt zieht sie den Faden über ihre Finger und häkelt kleine Maschen. Das fertige Werk wird sie an einem Seil zusammen mit anderen Dingen befestigen, vor allem buntem Plexi-Glas und Stoffen. Das soll ein Strang für einen Vorhang werden, mit dem zwei Fenster in der Orangerie im Schlossgarten zugehängt werden. „Ich hoffe auf die Sonne“, sagt die neunjährige Nachwuchskünstlerin Konstentina, die ihren Strang schon fertig hat. „Wenn die Sonne scheint, wirft mein Vorhang gelben, blauen und roten Schatten.“

Rund 80 Kinder zwischen vier und 13 Jahren beteiligen sich an der Ausstellung. Das Thema in diesem Jahr ist Recycling. „Wir benutzen Dinge, die eigentlich Müll sind“, erläutert Juno. „Die meisten werfen ihn weg, dabei kann man noch was Schönes damit machen.

Die Kinder bekommen das Thema und die Materialien gestellt, damit dürfen sie sich austoben. So entstanden fünf große Skulpturen und einige kleine – in Blickachsen-Workshops an vier Samstagen und in den Montagskursen der Kinderkunstschule. Und das professionell: Einige Kinder fertigen sogar Zeichnungen an, ehe sie mit dem Basteln loslegen.

In den beiden Räumen der Kinderkunstschule ist es eng dieser Tage. Nicht nur, weil gerade 14 Kinder an ihren Kunstwerken arbeiten. Die fertigen Skulpturen sind bereit zum Abholen.
Im Eingangsbereich stehen lustige Gießkannen-Männchen und Bücher, die mit Gips verziert wurden. In der Ecke türmen sich quadratische Kartons, auf denen einige Seiten mit Gesichtern bemalt sind. „Wir haben dafür Kohle und schwarze Farbe benutzt“, sagt Konstentina. Im Bastelraum hängt eine Installation. Verschiedene Seiten aus Comics wurden ausgerissen und am oberen und unteren Ende zusammengeklebt.

Alle arbeiten gemeinsam

Anna bastelt derweil eine Schneeflocke aus Holzstäbchen und Klebeband – was so gar nicht zu den sommerlichen Temperaturen passen will. „Ich will meinen Strang so weihnachtlich wie möglich machen“, sagt die Zehnjährige, und zeigt auf Sterne, die sie befestigt hat, „ich mag den Winter, da hat man einen Grund mehr, drinnen zu bleiben.“

Für Kinder und Betreuer sind die Kinder-Blickachsen etwas Besonderes. „Normalerweise arbeiten die Kinder bei uns und in der Schule an kleineren eigenen Projekten, nun arbeiten alle zusammen an einem Großen“, sagt Michaela Heidlas-May, Künstlerin aus Frankfurt, die den Workshop betreut.

Vor zwei Jahren hatten die Kinder-Blickachsen Premiere. Die Leiterin der Kinderkunstschule, Petra Kirchberg, hatte die Idee dazu. Mit Blickachsen-Gründer Christian Scheffel sowie der Stadt Bad Homburg hatte Kirchberg Unterstützer, die halfen, passende Ausstellungsorte zu finden.

„Die Kinder arbeiten kreativ und experimentieren, das geht über das, was sie in der Schule lernen, hinaus“, sagt Kirchberg. So machten sich viele Kinder zum Beispiel Gedanken, wie Licht die Kunstwerke anders erscheinen lässt. „Das ist abstraktes Arbeiten“, so Petra Kirchberg.

Lena Ditlmann, Künstlerin aus Frankfurt, die zusammen mit Michaela Heidlas-May die Workshops betreut, befestigt den Strang der fünfjährigen Magdalena an einem Papprohr, das unter der Decke hängt. „Wo ist denn oben?“, fragt sie. Magedalena, deren Lieblingsbeschäftigung malen ist, hat Perlen verarbeitet, „damit es glitzert, wenn die Sonne drauf scheint.“

Konstentina, die ebenfalls gerne malt, „nur nicht, wenn ich sauer bin“, freut sich auf die Ausstellung. Obwohl sie schon bei den ersten Kinder-Blickachsen dabei war, sei sie aufgeregt, ihren Eltern ihr Highlight zu zeigen: Für ihren Strang hat sie aus drei verschiedenfarbigen Kordeln eine geflochten.

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