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Ausstellung in Darmstadt Unorte zu Unzeiten

Anna Lehmann-Braus, Stadtfotografin in Darmstadt, zieht die Betrachter ihrer Bilder vor allem durch eine besondere Farbstimmung in den Bann.

Ausstellung in Darmstadt
Beim Erkunden der Bilder fallen ungewollt komische Details ins Auge. Foto: Monika Müller

Kein Mensch ist auf ihren Bildern zu sehen, noch nicht mal im Auto oder auf dem Rad vorbeifahrend. Und trotzdem sind die Bilder für die Darmstädter Stadtfotografin Anna Lehmann-Brauns Portraits. „Der Mensch hat die Stadt entworfen, gebaut. Lebt in den Räumen und gestaltet sie“, begründet Lehmann-Brauns: Der urbane Raum ist Abbild der Menschen. 25 ihrer Portaits über Darmstadt und die Bewohner sind ab heute im Kunstforum der Technischen Universität Darmstadt zu sehen.

Lehmann-Brauns ist die elfte Darmstädter Stadtfotografin, quasi visuelle Stadtschreiberin des Jahres 2017. Den Kunstpreis lobt die Werkbundakademie alle zwei Jahre aus. Zuletzt unter dem Titel „Mit der Kamera auf den Spuren der typischen Darmstädter kulturellen Urbanität“. Lehmann-Brauns überzeugte mit ihrer Bildsprache, die sich an die 70er-Jahre anlehnt, die Jury einstimmig.

Mit ihrer analogen Mittelformatkamera und einem Stativ ist die Berlinerin im vergangenen Jahr immer wieder durch Darmstadt gezogen. Hat sich treiben lassen auf der Suche nach dem besonderem Licht, interessanten Spiegelungen, spannenden Farbstimmungen. Zu „Unzeiten“: nachts, frühmorgens oder spätabends, wenn künstliches Licht von Laternen auf natürliches von Sonne oder Mond trifft.

Links liegen gelassen hat Lehmann-Brauns all das, wofür Darmstadt womöglich am bekanntesten ist: Mathildenhöhe, Schloss, Waldspirale. Angetan haben es ihr stattdessen Orte, die ein Vorbeilaufender womöglich gar nicht für fotografierwürdig halten würde: den Treppenaufgang in der Wilhelminenstraße, die Unterführung in der Kirchstraße oder die Mensa der Technischen Universität. Auf den ersten Blick schonungslose „Unorte“. Und das zu „Unzeiten“. Was es vermag, die Augen des Betrachters in den Bann zu ziehen, sind die Farbstimmung, Perspektive und der Bildausschnitt ihrer Bilder. Erkunden sie das Bild weiter, bleiben sie an Details hängen – „oft ungewollt komischen“, wie die Fotografin selbst sagt. Am Grasbüschel in der unterkühlten Betonarchitektur, an den leeren Bierflaschen, am tiefen Schatten, der unbedingt weiter erforscht werden will.

„In Darmstadt inspirieren mich diverse Orte. Interessant finde ich sowohl die moderne Architektur des Theaters, der Universität oder der Kunsthalle, als auch die Nachkriegsarchitektur der 1950er Jahre“.

Der Ausstellungstitel „Der Blick von außen“ trifft ins Schwarze: Lehmann-Brauns’ Kamera ermöglicht Darmstädter, Ecken, die sie gut kennen, womöglich täglich passieren, neu zu entdecken und anders wahrzunehmen. Auch deshalb trifft der Titel ins Schwarze: Anna Lehmann-Brauns hat schon früher von außen auf Darmstadt geblickt, als sie einen Teil ihrer Jugend in Frankfurt verbrachte. Der Club „Krone“, eines ihrer jetzigen Motive, ist ihr von damals noch vertraut.

Übrigens, wer ganz, aber wirklich ganz genau hinschaut, wird erkennen: Es stimmt nicht ganz, dass wie eingangs beschrieben kein Mensch auf ihren Fotos zu sehen sei. Man achte auf die Spiegelungen – und entdeckt mitunter die Fotografin selbst.

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