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Aris Quartett Vier Freunde sollt ihr sein

Das Aris Quartett aus Frankfurt ist jung, erfolgreich und spielt voller Leidenschaft – das nächste Mal etwa in Darmstadt am 3. November.

Das Aris Quartett (v.l.): Anna Katharina Wildermuth, Caspar Vinzens, Noémi Zipperling und Lukas Sieber. Foto: Simona Bednarek

In wenigen Tagen erscheint die zweite CD des Ensembles. Tina Full-Euler hat mit der Geigerin Anna Katharina Wildermuth gesprochen.

Frau Wildermuth, die Liste der Auszeichnungen des Aris Quartetts wird lang und länger. In diesem Jahr haben Sie unter anderem den renommierten Kammermusikpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung gewonnen, kürzlich beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD war es der zweite Preis. Oder würden Sie sagen, Sie haben den ersten verloren?
Wir haben den zweiten Preis gewonnen. Klar, je weiter man bei so einem Wettbewerb kommt, desto mehr erhofft man sich natürlich. Aber wir haben ja auch noch den Publikumspreis gewonnen. Diese Unterstützung vom Publikum ist uns sehr wichtig, denn: Das Publikum brauchen wir für unsere Konzerte.

Wie wichtig sind solche Wettbewerbe für die Karriere eines jungen Streichquartetts?
Sehr wichtig. Mit dem Gewinn eines Wettbewerbes bekommt man noch einmal eine ganz andere Aufmerksamkeit. Es ist eine Plattform.

Hätten Sie gedacht, dass Sie vier einmal so erfolgreich sein würden, als Sie 2009 an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt zusammenkamen?
Über eine mögliche Karriere als Quartett haben wir uns damals tatsächlich überhaupt keine Gedanken gemacht. Wir waren zwischen 15 und 18 Jahre alt und sind noch zur Schule gegangen. Wir haben ganz klein angefangen und uns hoch gearbeitet. Aber es kam schon relativ schnell nach zwei, drei Jahren, dass wir gemerkt haben, es läuft gut. Etwa vor drei Jahren haben wir schließlich beschlossen, dass das Quartettspielen unser Hauptberuf sein soll, denn dafür brennen wir.

Wie haben Sie sich gefunden?
Wir wurden gefunden.

Da hat Sie aber jemand gut ausgesucht...
Ja, da hatte Hubert Buchberger, Kammermusikprofessor an der Hochschule in Frankfurt, ein gutes Händchen. Er suchte für ein Haydn-Projekt ganz gezielt ein Jungstudenten-Quartett und fragte unsere damaligen Instrumentallehrer nach geeigneten Kandidaten. So wurden wir zusammengesetzt. Wir kannten uns wirklich alle noch nicht.

Wie sind Sie auf den Namen Aris gekommen?
Uns war wichtig: Es muss gut klingen, und wir müssen uns damit verbinden können. Nach langem Überlegen sind wir auf die Idee gekommen, die Endbuchstaben unserer Vornamen zusammenzusetzen. Daraus ist Aris entstanden.

Sie spielen die erste Geige. Sind Sie die Chefin im Ensemble?
Auch wenn in Kompositionen der Klassik die erste Geige oft einen führenden Part übernimmt, arbeiten wir in unserem Quartett vollkommen demokratisch. Da gibt es keinen bestimmten Leiter, der etwa eine Probe anführt. Wir treten in Dialog miteinander und diskutieren, was ja in der Probenarbeit mit das Wichtigste ist.

Muss ein gutes Streichquartett auch gut befreundet sein, denn das ist ja schon eine Art Leben zu viert?
Ja, es ist fast schon eine Ehe zu viert, wenn man so weit gehen will. Wir verbringen sehr viel Zeit miteinander, wir proben jeden Tag, wenn es geht, und sind auch einen großen Teil des Jahres zusammen auf Tour. Deswegen würde ich sagen, man muss befreundet sein. Wir sind nicht nur Kollegen, sondern ein eingeschworenes Team.

Ihnen hätten sicherlich auch andere Wege offen gestanden, sich musikalisch zu verwirklichen. Warum ist es für Sie das Quartettspielen?
Für mich ist das Quartettspielen das Größte, und ich würde es immer wieder so wählen. Als Kammermusiker hat man eine große Freiheit. Man ist als Solist gefragt, weil jeder eine eigene Stimme spielt – anders als im Orchester, wo man in einem großen Apparat sitzt und sich letztendlich dem Dirigenten immer wieder auch unterordnen muss. Abgesehen davon gibt es so viele tolle Kompositionen für Streichquartett...

Was macht Sie vier so stark auf der Bühne und lässt Sie so leidenschaftlich, man könnte fast sagen, mit einer Stimme sprechen?
Wir sind tatsächlich alle vier sehr emotionale Musiker. Uns ist es sehr wichtig, dass wir die Emotionen, die in den Kompositionen stecken, an das Publikum weitergeben. Ich glaube, es ist mit das Schönste, was man als Musiker erleben kann, wenn nach dem Konzert jemand kommt und sagt: Sie haben mich in Ihrer Art, wie Sie spielen, berührt. Den Notentext getreu wiedergeben oder technisch perfekt spielen, das können viele. Wir wollen dem Publikum die ganze Bandbreite der Charaktere einer Komposition präsentieren.

Wie erhält sich das Quartett die Spannung, wenn zum – sagen wir mal – 100. Mal dieser Beethoven oder jener Haydn auf dem Programm steht?
Man muss das Programm gut planen, muss Werke auch mal ablegen und eine Zeit ruhen lassen. Wenn man sie dann wieder auffrischt, bekommen sie noch einmal eine ganz andere Qualität. Es ist als Musiker unsere Aufgabe, einen Beethoven, auch wenn man ihn zum 20. Mal hintereinander im Konzert spielt, so zu spielen, als würde man das Werk – wie im Publikum viele – das erste Mal hören.

Ende Oktober erscheint Ihre zweite CD mit Werken von Alexander von Zemlinksy und Béla Bartók. Gibt es einen Komponisten, bei dem sich das Aris Quartett besonders zu Hause fühlt?
Schwer zu sagen, dazu sind alle Werke doch zu eigen und zu toll, als dass wir da einen Fokus auf einen einzigen Komponisten setzen könnten. Uns liegen die Werke des 20. Jahrhunderts sehr am Herzen, das können wir sagen. Und es liegt uns auch sehr, diese Musik zu spielen.

Was sind Ihre nächsten Ziele?
Durch den ARD-Wettbewerb hat sich unser Kalender für nächstes Jahr schon gut gefüllt. Wir freuen uns auf die Konzerte. Dann stehen nächstes Jahr noch zwei weitere CD-Aufnahmen an. Außerdem hat uns Günter Pichler vergangenes Jahr eingeladen, bei ihm in Madrid zu studieren. Das ist eine ganz tolle Möglichkeit, dass wir von ihm, der so lange Jahre Primarius im Alban Berg Quartett war, lernen dürfen – und wir lernen da unglaublich viel. Als Musiker ist man nie fertig, man kann sich immer, immer noch weiterentwickeln.

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