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Alte Oper Frankfurt Vier Mal süßes Dessert

Seit zehn Jahren eilen die Opernsänger von „Adoro“ von Erfolg zu Erfolg. Doch das in Frankfurt gezeigte Repertoire enttäuschte eher.

Adoro
Adoro trat in der Alten Oper in Frankfurt auf. Foto: Olaf Heine

Begonnen hatte das Projekt „Adoro“ (dt.: Ich bewundere) als Klassik-Pop-Crossover mit ursprünglich fünf gelernten Opernsängern, die sich durch einen Wettbewerb für die Truppe qualifizierten. Und schon bald nach Gründung von Adoro im Jahr 2008 ging es steil bergauf. Goldene und Platinschallplatten zeugen davon ebenso wie vordere Chartplätze und Auftritte an der Seite Barbra Streisand oder dem „Grafen“.

Doch was das Quartett am Montag in der Frankfurter Alten Oper bot, war auf die Dauer alles andere als erbaulich. Peter Dasch (Bassbariton), Nico Müller und Jandy Ganguly (Bariton) sowie Assaf Kacholi (Lyrischer Tenor) ließen all das vermissen, weswegen sie einst gefeiert wurden: Klassik mit Moderne stimmgewaltig, peppig und intelligent zu verbinden.

Samtige Langeweile

Erste Enttäuschung: die ausgebildeten Sänger vertrauten nicht auf ihre Stimmgewalt, sondern waren ausschließlich mit dem Mikro unterwegs, was vielleicht auch der Aussteuerung der Hintergrundband geschuldet war. Zweitens handelte es sich nicht etwa um ein Crossover, sondern fast ausschließlich um Stücke der Moderne, etwa von Peter Maffay, Nena oder Rosenstolz. Und schließlich waren die Arrangements eine einzige Sauce. Egal, welche Komposition die vier mit ihren samtigen Stimmen in den mit 1700 Besuchern besetzten Saal trugen, es wurde immer dasselbe daraus.

Niemand wird bestreiten, dass „Bright Eyes“ von Art Garfunkel ein wunderbarer Song ist. Diese Anmutung verliert sich aber schnell, wenn das Stück drei Mal hintereinander gespielt wird. Bei Adoro aber gab es nicht drei, sondern mehr als ein Dutzend Mal das gleiche langweilige Arrangement mit gleich zusammengestellten Stimmen. Da gab es keinen Kontrapunkt, kein Widerstreiten bei gleichzeitiger Ergänzung wie beim Arienduett, keine unterscheidbaren Soli wie beim Jazz, keine Überraschung, kein witziges Understatement. – Nur einen klebrig-süßen Einheitsbrei.

Nichts Freches oder Unerwartetes

Nicht einmal „Dein ist mein ganzes Herz“ des Neue Deutsche Welle-Komponisten Heinz Rudolf Kunze nutzten die Sänger für ein Ausbrechen aus dieser Langeweile, zu etwas Frechem oder Unerwarteten. Selbst bei der – etwas – verswingten Version von „La mer“ wünschte man sich die kratzende Version von 1946 mit dem keineswegs herausragenden aber enthusiastischen Sänger und Komponisten Charles Trenet zurück.

Als ob sie noch eins draufsetzen wollten, beschieden sich die Opernsänger beim einzigen halbwegs klassischen Stück, dem neapolitanischen Gassenhauer „Funiculi, funicula“ von 1880, mit einer stimmlichen Billigversion, die auch ein Schlagersternchen mühelos auf die Bühne gebracht hätte. Die Noten auch einmal richtig auszusingen und eine Fermate der Bewunderung zu setzen, kam den vier Schmalzkanten nicht in den Sinn.

Bleibt leider nur ein Fazit: Das Beste an dem Gesangsabend war der Bläsersatz, bei dem sich wenigstens die Flöte voll reinhängte.

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