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Frauenhäuser in Hessen Frauenhäuser rufen um Hilfe

In den Frauenhäusern in Hessen fehlen mindestens 300 Plätze. Betroffene Frauen müssen abgewiesen werden.

AWO Frauenhaus in Bad Homburg
Beispiel für eine Beratungsstelle für Frauen bei häuslicher Gewalt: AWO Frauenhaus Lotte Lemke in Bad Homburg. Foto: Michael Schick

In hessischen Frauenhäusern fehlen mindestens 300 Plätze für Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind. Darauf hat der Paritätische Wohlfahrtsverband am Freitag hingewiesen.

Die Geschäftsführerin des Verbandes in Hessen, Yasmin Alinaghi, und Frauenreferentin Maria-Theresia Schalk riefen CDU und Grüne dazu auf, in der kommenden Legislaturperiode „deutlich mehr in den Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt zu investieren“. CDU und Grüne verhandeln über eine Koalition für weitere fünf Jahre. Der Paritätische mahnte die Politik zur Aufmerksamkeit für Frauen, die doppelt benachteiligt sind – etwa für Frauen mit Behinderung, wohnungslose und geflüchtete Frauen.

Schalk bezeichnete es als „unhaltbaren Zustand“, dass Frauenhäuser in Hessen „einen Großteil der hilfesuchenden Frauen abweisen“ müssten, weil sie keine freien Plätze hätten. Diesen Zustand müsse die künftige Landesregierung „umgehend beenden“.

Nicht nur die Kapazitäten der Frauenhäuser müssten dringend aufgestockt werden, forderte Alinaghi. Auch die Angebote zur Gewaltprävention und zur Beratung von betroffenen Frauen und deren Kindern reichten in Hessen bei Weitem nicht aus.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) schloss sich der Forderung an. „Gewalt gegen Frauen ist eine Verletzung der Menschenrechte“, twitterte der DGB-Bezirk Hessen-Thüringen. „Wir fordern die Regierungsfraktionen in Hessen und Thüringen auf, ausreichend in Frauenhäuser, Prävention und Beratung zu investieren.“

Die Bundesländer können dabei die Unterstützung des Bundes in Anspruch nehmen. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat ein Förderprogramm angekündigt, mit dem von 2019 an die Hilfen für Frauen ausgebaut werden sollen. Im ersten Jahr sind dafür sechs Millionen Euro eingeplant, im Jahr darauf gut 35 Millionen Euro. Zudem will Giffey einen Runden Tisch einrichten, damit Bundesländer und Kommunen gemeinsam die Angebote ausbauen.

Die hessische SPD-Frauenpolitikerin Lisa Gnadl warb am Freitag für ein weiteres Engagement bei der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Sie begrüßte die Ankündigung ihrer Berliner Parteifreundin Giffey.

Anlass für die aktuelle Debatte ist der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, der am Sonntag im Kalender steht. Der Paritätische lobte die schwarz-grüne Regierung dafür, dass sie in den vergangenen Jahren einen besonderen Fokus auf die Bekämpfung sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen gelegt und die Fördermittel in diesem Bereich deutlich aufgestockt habe. Weitere Schritte müssten aber folgen, etwa der flächendeckende Ausbau von Fachberatungsstellen bei sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen.

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