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Frankfurter Museen Der Kampf für das Gute und Schöne

Kulturdezernent Semmelroth macht das Museum der Weltkulturen zur Chefsache. Der ewige Zank um das zu kleine Haus soll endlich beendet werden. Frühestens in zwei Jahren. Von Matthias Arning

07.09.2009 00:09
Matthias Arning

Im Grunde hat sich Felix Semmelroth für seine Verhandlungen mit dem Kämmerer über den Kulturetat für die kommenden beiden Jahre zwei Maximen gesetzt: Das Museumsufer stärken und die konzeptionelle Kulturförderung verbessern. "Wir", sagt der Kulturdezernent am Montag bei der Präsentation seiner Spielräume in Zeiten der Finanzkrise, "wir werden das Niveau der Kultureinrichtungen nicht nur erhalten, wir werden es stärken."

Als Beleg dafür führt der Stadtrat das Museum der Weltkulturen an. Da stehe zwar im Haushalt für 2010 eine Null, und doch gehe es bei dem Projekt Erweiterung voran. Mit Mitteln, die er übrig behalten werde, gehe man an die Planungen, denn das Museum sei "seit Jahrzehnten ein Torso". Um diese Situation zu ändern, solle das Museum, das gegenwärtig über gerademal 600 Quadratmeter Ausstellungsfläche verfüge, um 4000 Quadratmeter kräftig wachsen.

"Offene Kulturfeindlichkeit"

Wenn der Wettbewerb der Architekten entschieden ist, und die Probleme, die sich mit einer Erweiterung ergeben, zu bewältigen sind: Zu klären sei dann, was aus dem Kutscherhaus im Garten des Museums werde, wie sich Bestand alter Bäume sichern lasse und wo eigentlich künftig der Eingang sein müsse. Nach den Planungen und entsprechenden Überarbeitungen könne man 2011 in Kenntnis der Baukosten weitere Entscheidungen treffen, betont Semmelroth. Die in diesem Zusammenhang von Sozialdemokraten erhobene Forderung, er müsse wegen Verzögerungen zurücktreten, hält der Stadtrat für absurd. Damit komme eine "offen eingestandene Kulturfeindlichkeit" zum Ausdruck und belege, dass man es bei der SPD mit einer Partei zu tun habe, "die kein Verhältnis zum Schönen hat".

Für die unterirdische Erweiterung des Städels komme von der Stadt fünf Millionen Euro, acht Millionen fließen in die Sanierung des Bestandes. Dies sei in den Verhandlungen mit dem Kämmerer dann doch "ein Kraftakt" gewesen, berichtet der Kulturdezernent. Nicht sparen werde die Stadt auch an der Sanierung des Filmmuseums und an den Arbeiten für das neue Historische Museum. Zurück stellte der CDU-Politiker dagegen aus seinem Investitionsplan drei andere Projekte zurück: Einen dritten Bauabschnitt für das Depot an der Borsigallee werde es vorerst nicht geben, Sanierungsarbeiten am Archäologischen Museum ständen dahin. Vertreten lasse sich durchaus auch, die Sanierung des Brandschutzes für die Alte Oper vorerst zurückzustellen.

Unterstützung für Quast

Mit dem Doppelhaushalt verbindet sich für Semmelroth eine Zeitenwende: Förderung kultureller Institutionen will der Dezernent partout nicht weiter ausweiten, hingegen punktuelle Förderungverstärken. "Unser Ziel ist die konzeptionelle Förderung", betonte der Stadtrat. ihm gehe es darum, gute Ideen zu fördern. Ideen wie diejenigen, die Michael Quast in die Stadt trägt: Seine Fliegende Volksbühne gilt Semmelroth als gelungenes Beispiel dafür, wie sich etwas verändern lasse: "Quast hat es verstanden, das Volkstheater grundlegend zu erneuern." Dass der Schauspieler wegen des Widerstands der Nachfahren von Liesel Christ darauf verzichtete, die Leitung des Volkstheaters zu übernehmen, ist für Semmelroth bedauerlich. Aber kein Grund, dem Volkstheater den Zuschuss von 620.000 Euro zu streichen: "Da spielt der Traditionsbestand eine Rolle, da sollte man nicht die Axt anlegen."

Im Grunde sei allerdings das, was Quast jetzt mit der Fliegenden Volksbühne und seinen künftigen Auftritten im Schauspiel mache, "genau das, was er für das Volkstheater vorgesehen hatte". Wie es mit der 1973 geschaffenen Einrichtung weitergehe, darüber "sollte es eine inhaltliche Auseinandersetzung, eine Debatte geben", befand Semmelroth - "aber keinen Kulturkampf" zwischen einem älteren und einem jüngeren Publikum.

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