Lade Inhalte...

Frankfurter Gründerpreis Den Genen auf der Spur

Das Frankfurter Unternehmen Biologis bietet Medizindienste für gesundheitsbewusste Verbraucher - und wird mit dem Frankfurter Gründerpreis ausgezeichnet. Von Peter Dietz

13.05.2010 00:05
Peter Dietz
Blick ins Labor der Biologis GmbH im Franfurter Innovationszentrum für Biotechnologie. Foto: Arnold/FR

Von einer Revolution spricht mancher Experte. Daniela Steinberger ist da vorsichtiger. Alle Elemente ihrer Geschäftsidee seien in Ansätzen ja schon da gewesen, sagt die Medizinerin. Sie habe diese nur sinnvoll zusammenfügen müssen. Zum Wissen über die Gene des Menschen gab Steinberger moderne Diagnoseverfahren sowie neueste Informationstechnologie hinzu. Bei dem Mix rausgekommen ist ein mehrfach ausgezeichnetes Konzept.

Mit ihrer Firma Biologis will Steinberger für jeden Menschen, der es will, die Bauanleitung des eigenen Körpers entschlüsseln und aufzeichnen. Bisher wurden genetische Diagnosen fast ausschließlich für Wissenschaftler und Ärzte gemacht. Doch das will Steinberger grundlegend ändern. Noch in diesem Jahr will Biologis mit Gen-Diagnosen für Otto Normalverbraucher auf den Markt.

Steinberger sieht großen Bedarf. "Die Menschen interessieren sich immer mehr für medizinische Themen, bilden sich übers Internet weiter", sagt die 46-Jährige. Patienten würden immer mündiger, wollten ihre Gesundheit nicht alleine den Ärzten überlassen. Und Steinberger will die "Demokratisierung medizinischen Fachwissens" voranbringen.

Mit dem Wissen um die eigene genetische Information ließe sich etwa die Verträglichkeit von Medikamenten verbessern, unerwünschte Nebenwirkungen könnten vermieden werden, erklärt Steinberger. Aber auch die Veranlagung für mögliche Krankheiten und Organstörungen lasse sich schon im Vorfeld erkennen und behandeln. Für einen Arzt sei der Aufwand bisher zu groß gewesen, die Gene eines jeden Patienten untersuchen zu lassen.

Kunden können die Dienste von Biologis übers Internet buchen. Dort bestellen sie ein Paket, das sie nach Hause geschickt bekommen. Ausgefüllte Formulare und Speichelprobe senden sie dann zurück ans Labor. Natürlich sei es auch möglich, eine Blutprobe über den behandelnden Arzt einzusenden. Mehrere hundert genetische Varianten könne Biologis diagnostizieren.

Nebenwirkungen mindern

Die Ergebnisse würden so aufbereitet, dass sie auch für Leute ohne Vorkenntnisse verständlich seien, sagt Steinberger. Das sei eine große Herausforderung. Zugriff auf die Befunde erhalten die Kunden über einen verschlüsselten Zugang auf der Internetseite oder per USB-Stick. Mit den Daten könnten Patienten dann zu ihrem Arzt gehen. Der Sicherheit wegen könnten die Informationen anonym aufbereitet werden. Mittelfristig sollen die Diagnose-Pakete auch über Apotheken vertrieben werden. Kosten: 390 Euro.

Für das Geschäftsmodell wurde Steinberger jetzt mit dem Frankfurter Gründerpreis ausgezeichnet. Die Jury lobte den Nutzen ihres Ansatzes, der im Erhalt der Gesundheit sowie in der Kostenreduktion für Patienten, Ärzte und Versicherungen liege. Das Unternehmen sei eine Bereicherung für den Wissenschaftsstandort Frankfurt, so die Juroren.

Seit Juli 2009 arbeitet Biologis mit 25 Leuten im Frankfurter Innovationszentrum für Biotechnologie. Schlägt das Konzept wie erwartet ein, könnte sich die Belegschaft in den kommenden drei Jahren verdoppeln, sagt Steinberger. Und das wäre zumindest eine kleine Revolution.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen