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Frankfurt-Zeilsheim Wie der Papst es fordert

Der Pastorale Raum im südwestlichen Frankfurt stellt nach einem Aufruf von Papst Franziskus Flüchtlingen Wohnungen zur Verfügung. Die Gemeinden helfen ihnen auch dabei, Arbeit zu finden und Deutsch zu lernen.

Sie renovieren: Gisela Krauter-Thomas und Martin Sauer Foto: Christoph Boeckheler

Es war im September des vergangenen Jahres, als Papst Franziskus alle katholischen Gemeinden und Klöster aufrief, eine Flüchtlingsfamilie zu beherbergen. Und wenn der Papst das sagt, dann gibt es keine Ausreden. Nur wenige Zeit später bekam der Pastorale Raum im südwestlichen Frankfurt dann einen Brief vom Dekan: Die Erstaufnahmeeinrichtungen im Land sind voll, „könnt ihr Gemeinderäume zur Verfügung stellen?“, hieß es darin. „Wir wollten uns der Thematik stellen und die neuen Bewohner im Stadtteil und in der Kirchengemeinde integrieren“, sagt Martin Sauer, Pfarrer in Sossenheim, Zeilsheim, Unterliederbach, Höchst und Sindlingen.

Zwei Eritreerinnen leben nun in kircheneigenen Appartements in Sossenheim, drei Pakistanerinnen und eine Afghanin im Gemeindehaus in der Saalfelder Straße, ein obdachloser Flüchtling ist in einem Wohnwagen in Sindlingen untergebracht. Bis zu 20 Flüchtlinge sollen es werden, denen Pfarrer Sauer Schutz gewähren will. In Unterliederbach haben sie vier Wohnungen hergerichtet, aus rechtlichen Gründen dürfen sie nicht genutzt werden.

Priorität Deutschunterricht

Die drei Schwestern aus Pakistan sind seit etwas mehr als einem Jahr in Deutschland und noch im Asylverfahren. Sie lebten in einer größeren Unterkunft, doch die musste abgerissen werden. „Die Deutschen helfen uns viel, sie sind sehr nett“, sagt Saiba Riaz auf Englisch. Die 25-Jährige besucht mit ihrer ein Jahr jüngeren Schwester Saima einen Deutschkurs, drei Tage die Woche. Sie wollen hier bleiben und als Erzieherin im Kindergarten und Kosmetikerin arbeiten. „Aber zuerst müssen wir Deutsch lernen“, sagt Saiba Riaz.

Die Gemeinde will Ansprechpartner in allen möglichen Belangen sein. Wolfgang Knirsch hat etwa Kontakt zu Firmen aufgenommen, um Praktika zu vermitteln – damit sie etwas zu tun haben. „Sie müssen ihr Deutsch anwenden und wieder Ziele und Visionen entwickeln“, sagt Knirsch.

Auch wenn es nicht nur Muslime sind, die Schutz suchen, so ist es doch der Großteil. Sauer sieht das gelassen, seine Kirchengemeinde profitiere vom Austausch. „Wir lernen voneinander. Der Kontakt zwischen Muslimen und Katholiken war in Frankfurt immer da, aber die Begegnung ist nun enger.“ Wichtig sei für seine Mitstreiter ein langer Atem, sagt er, „Integrationserfolge sieht man nicht sofort.“ Man müsse den neuen Einwohnern Zeit geben, sich an ihr neues Zuhause gewöhnen. Und in der Zeit werden auch Missverständnisse auftauchen – wie es sie auch schon gab. Knirsch sagt etwa: „In der islamischen Kultur gibt man nicht, was noch im Keller steht, sondern kauft Spenden neu.“

Die Hoffnung ist, dass einige von denjenigen, denen die Gemeinde hilft, später Flüchtlinge betreuen und bei Behördengängen, Job- und Wohnungssuche helfen, wie sich die schon länger hier lebenden Ukrainer um ukrainische Flüchtlinge kümmern.

Zeit, Räume und Know-How

Rund 50 Menschen engagieren sich in den fünf Stadtteilen. Eine Zeilsheimerin unterrichtet Deutsch. Etliche Bürger spendeten Möbel und Geschirr. Gisela Krauter-Thomas vom Verwaltungsrat der St.-Dionysius-Gemeinde in Sindlingen streicht die Wände in einer weiteren Wohnung in Zeilsheim. „Ich helfe beim Einrichten, bei Behördengängen, bei der Renovierung“, sagt sie, „ich habe gerade Zeit dafür.“ Und: Die eritreisch-orthodoxe Gemeinde hält ihren Gottesdienst in einem von den Katholiken gestellten Raum in Höchst.

Nun gilt es, das Engagement und die neuen Bewohner bekannter zu machen, sagt Pfarrer Sauer. „Gerade um das Gemeindehaus herum ist es doch sehr deutsch geprägt, da fallen Frauen mit Kopftuch auf.“ Frankfurt sei eine multinationale, multikulturelle und multireligiöse Stadt. Gerade in Zeiten wie diesen, wo fremden- und islamfeindliche Stimmen lauter würde, wo die Gesellschaft angespannt sei, müsse sich die Kirche der Verantwortung stellen, so Sauer. „Wir müssen beruhigen und ausgleichend wirken.“

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