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Fragen/Antworten Polizeikontrollen führen nur zu Verdrängungseffekt

Wie geht die Polizei gegen die Drogenszene vor? Und welchen Anteil haben Drogenabhängige in der Kriminalstatistik? Die FR beantwortet Fragen rund um Beschaffungskriminalität und Ermittlungsarbeit in Südhessen.

Wie präsent ist die Drogenszene?
In den Landkreisen Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau und Bergstraße gibt es keine sogenannte „offene Drogenszene“ wie in den Städten Frankfurt und Darmstadt.

Wie geht die Polizei gegen die Szene vor?
Wo sich „betroffene Klientel sammelt“ – beispielsweise im Darmstädter Herrngarten oder in der Frankfurter Taunusanlage – reagiert die Polizei mit vermehrten Kontrollen. Dadurch wird allerdings nur ein „Verdrängungseffekt“ erzielt, ist sich die Polizei bewusst. „Zu lösen ist diese Problematik nur schwer bis gar nicht“, sagt Polizeisprecherin Andrea Löb.

Welchen Anteil haben Drogenabhängige in der Kriminalstatistik?
Für Südhessen wurden laut Kriminalstatistik 2016 insgesamt 20 652 Tatverdächtige für insgesamt 27 952 Fälle ermittelt. Davon sind 824 (vier Prozent) Tatverdächtige Konsumenten harter Drogen.

Wie hoch ist der Anteil an der Straßenkriminalität?
Laut Polizeipräsidium Südhessen gab es 2016 insgesamt 1505 Delikte von Straßenkriminalität. 3,9 Prozent der Tatverdächtigen konsumierten Drogen. Meistens handelte es sich um Einbrüche in gewerbliche Objekte und Straßeneinbrüche im Vorbeigehen – etwa bei offen gelassenen Autos oder offenstehenden Wohnungen. Beim Straßenraub machen drogenabhängige Tatverdächtige laut Polizei in Südhessen ein Prozent aus, in Darmstadt sind es 3,8 Prozent.

Handelt es sich bei der Beschaffungskriminalität ausschließlich um Kleinkriminalität?
„Der Drogenabhängige sucht nach Möglichkeiten, wie er schnell zu Geld kommen kann“, sagt Polizeisprecherin Löb. Ein „absoluter Ausnahmefall“, was die Anwendung von Gewalt anbelangt, war eine Tat im Juni, als ein Einbrecher in Darmstadt eine heimkehrende Frau in ihrer Wohnung niederstach. Die 66-Jährige musste ins Krankenhaus. Ihr gleichaltriger Mann erlitt einen Schock. „Der Täter war hinreichend polizeilich wegen Verstößen gegen das Rauschmittelgesetz bekannt“, sagt Löb.

Hat sich der Drogenkonsum verändert?
Haschisch wird laut Polizei wieder vermehrt nachgefragt. Es gibt ausgeklügelte Anbaumethoden, die den Wirkungsgrad steigern. Kürzlich wurde im Pfungstädter Moor bei Darmstadt eine gut versteckte Hanfplantage entdeckt, die über 150 Pflanzen und noch einige Setzlinge umfasste. Sie war professionell angelegt und verfügte über ein Bewässerungssystem. Die Ermittler gehen davon aus, dass pro Pflanze ein Ertrag von rund 300 Gramm Marihuana hätte gewonnen werden können. Um zu ihr zu gelangen, musste die Polizei eine Schneise in den Wald schlagen.

Wie kommt die Polizei an die Dealer heran?
Der Endkunde ist immer auf der Straße unterwegs, und der Handel findet in Parks und Bahnhöfen statt – in der Anonymität, wo nicht auffällt, wenn jemand ein Päckchen entgegennimmt. Größere Mengen gehen über Fahrzeuge und Wohnungen. Es sind „hochkomplexe und umfangreiche Vorgänge, bei denen viel Ermittlungsarbeit nötig ist“, sagt Andrea Löb.

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