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FR-Altenhilfe „Ich habe 50 Euro in der Woche“

Friedrich P. war ein umschwärmter DJ und Sänger – heute lebt er von einer Mini-Rente. Dank der FR-Altenhilfe kann er sich eine neue Matratze kaufen.

Dunkle Rockstar-Mähne, 20 Jahre jung und ein mädchenschwarm-taugliches Gesicht. In der Wohnzimmer-Vitrine hat Friedrich P. dieses alte Schwarz-Weiß-Foto von sich eingerahmt stehen. „Tolle Erinnerungen“, wie er sagt. „Das war in meiner Hippie-Phase. Ich war DJ und hatte eine eigene Band. An Mädchen hat es mir nie gemangelt, die haben sich um mich als Sänger gerissen“, erzählt P. und lacht. Ein Bekannter habe mal zu ihm gesagt:„Du siehst aus wie ein Rockstar, wirst aber keiner werden.“

Er sollte recht behalten: Heute ist der gebürtige Frankfurter 69 Jahre alt, hat Altersdiabetes, braucht zum Laufen einen Stock, und lebt in einer Seniorenwohnanlage. Er liebt Leoparden-Muster: In diesem Muster ist die Tischdecke, die Gardine und Sitzbezüge. Er bekommt eine Mini-Rente. „Ich habe 50 Euro in der Woche zur Verfügung.“ Nur Dank der FR-Altenhilfe habe er sich eine neue Matratze kaufen können. 

Zur Schule sei er nie gerne gegangen. „Ich hatte lange kein Interesse für nix“, sagt er. Er machte eine Bäckerlehre. Aber da war er nie mit dem Herzen dabei gewesen. Dann kam die Musik. „Das größte Kompliment war, als ein Zuschauer sagte, dass wenn man die Augen schließt, wir wie die Beatles klingen.“ Einmal habe er in den 90ern im Waldstadion vor einem Spiel sein eigen komponiertes Eintracht-Lied vorgetragen. „Das Lied wurde im Radio gespielt.“ Aber zu mehr kam es eben nicht. „Ich habe für Bands wie die Stones die Bühne mitaufgebaut.“ Irgendwann verletzte er sich bei Aufbauarbeiten an der Wirbelsäule schwer. Zehn Jahre habe es gedauert, bis er als schwerbehindert anerkannt worden sei.

Auch der Versuch eines eigenes Cafés scheiterte. Bis heute habe er Schulden. Zwei gescheiterte Ehen liegen hinter ihm. Seine älteste Tochter wuchs ohne ihn auf. „Wir waren noch sehr jung.“ Mittlerweile sei er Ur-Opa. „Leider habe ich mein Urenkelchen nicht kennengelernt.“ Es habe ein Missverständnis mit seiner Tochter gegeben. „Sie möchte keinen Kontakt mehr.“

Zu seiner jüngeren Töchter, die er mit großgezogen hat, hat er einen guten Kontakt. Im Beruf sei sie ehrgeizig, und sie habe wie er ein Künstler-Gen. „Sie zeichnet wunderschön.“ Stolz zeigt er die David-Bowie-Zeichnung, die sie ihm vergangene Weihnachten geschenkt hat.

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