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Flugzeugabsturz Wölfersheim Ermittlungen gegen Flugarzt

Acht Menschen kommen beim Flugzeugunglück in Mittelhessen ums Leben. Ein Pilotenfehler? Und welche Rolle spielte ein Arzt dabei? Das will die Staatsanwaltschaft jetzt klären.

Die Überreste von einem der Kleinflugzeuge, die nach dem Zusammenstoß abgestürzt waren. Foto: dpa

Acht Menschen kommen beim Flugzeugunglück in Mittelhessen ums Leben. Ein Pilotenfehler? Und welche Rolle spielte ein Arzt dabei? Das will die Staatsanwaltschaft jetzt klären.

Im Zusammenhang mit dem Flugzeugunglück bei Wölfersheim nördlich von Frankfurt, bei dem Ende vergangenen Jahres acht Menschen ums Leben gekommen sind, ermittelt die Staatsanwaltschaft Gießen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen einen Arzt. Er soll einem der beiden Unglückspiloten fälschlicherweise bescheinigt haben, flugtüchtig zu sein. Nach FR-Informationen handelt es sich um einen Internisten und Flugmediziner aus dem niedersächsischen Bad Zwischenahn, der auch Vorstand einer lokalen Sportflieger-Gemeinschaft ist.

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft bestätigte, dass wegen des Verdachts der fahrlässiger Tötung und des Ausstellens unrichtiger Gesundheitszeugnisse gegen einen Arzt ermittelt werde. Möglicherweise sei „eine Flugtauglichkeitsbescheinigung ausgestellt worden, die nicht hätte ausgestellt werden dürfen“, hieß es. Im Januar habe es in diesem Zusammenhang eine Hausdurchsuchung gegeben. Es handele sich bisher aber nur um einen Anfangsverdacht, betonte die Sprecherin. Ob die Ermittlungen letztlich zu einer Anklage führten, sei noch offen.

Diabetes-Erkrankung des Piloten

Hintergrund der Ermittlungen ist offenbar eine Diabetes-Erkrankung des Piloten eines der beiden verunglückten Flugzeuge. Wie aus einem vergangene Woche veröffentlichten Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung hervorgeht, wurden im Cockpit der Maschine ein Vorrat an Traubenzucker, Spritzen und ein Blutzucker-Messgerät gefunden. In den Unterlagen des 40-jährigen Hobbypiloten, der zum Unfallzeitpunkt mit seiner Frau und seinen drei Kindern unterwegs war, waren zudem Unterlagen zur Benutzung von Insulinpräparaten entdeckt worden.

Da Diabetiker im Normalfall kein Flugzeug steuern dürfen, könnte die letzte Pilotenlizenz des 40-Jährigen vom September vergangenen Jahres zu Unrecht ausgestellt worden sein. Ob seine Erkrankung die Ursache des Unfalls war, ist bisher nicht geklärt. Der 40-jährige Familienvater war mit einem Flugzeug zusammengestoßen, in dem eine erfahrene Hobbypilotin mit ihrem Partner – einem Lufthansa-Piloten– und ihrem gemeinsamen Kind saß. Alle acht Insassen der Flugzeuge waren bei dem Unfall gestorben.

Hobby- und Berufspiloten müssen sich regelmäßig medizinisch untersuchen lassen, dabei wird besonders auf die Sehfähigkeit und den Kreislauf geachtet. Dirk-Matthias Rose, Leiter der Frankfurter Fliegeruntersuchungsstelle „Flymed“, sagte der FR, im Normalfall würde kein Flugmediziner leichtfertig eine Flugfähigkeitsbescheinigung ausstellen. Diabetes sei im Übrigen in vielen Ländern kein zwingendes Hindernis für Piloten, ab April 2013 gelte das aufgrund einer neuen EU-Richtlinie auch in Deutschland.

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