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Flugzeugabsturz in Wölfersheim Identität der Opfer weiter ungeklärt

Zwei Kleinflugzeuge stoßen über der Wetterau zusammen, acht Menschen sterben. Nun soll eine Obduktion endgültig Klarheit bringen, wer die Unglücksopfer sind. Eines von ihnen war wohl ein Lufthansa-Pilot.

Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks bergen das Wrack des Kleinflugzeuges. Foto: dpa

Den Zusammenprall selbst hat sie nicht beobachtet, wohl aber den Absturz eines der beiden Flugzeuge. Mit dem Auto war sie gerade bei Wölfersheim unterwegs, als die Maschine auf dem Feld zerschellte. Bemerkt habe sie das Flugzeug erst, als es schon tief unten war. „Da kommt niemand mehr raus“, habe sie noch gedacht, sagte die Frau aus Echzell, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Das zweite Flugzeug sei weiter geflogen, bis sie es nicht mehr habe sehen können. Es krachte etwa 400 Meter entfernt auf den Nachbaracker.

Es war kurz nach 16 Uhr am Samstag, als die beiden Kleinflugzeuge in der Luft über Wölfersheim-Melbach und Dorheim kollidierten und abstürzten. Mehrfach musste die Polizei die Opferzahl korrigieren, am späten Abend stand fest: Acht Menschen kamen bei dem Unfall ums Leben, darunter vier Kinder. Die Leichen wurden geborgen und in eine nahe gelegene Friedhofshalle gebracht. Sie sollen nun schnellstmöglich obduziert werden, kündigte die Sprecherin der Gießener Staatsanwaltschaft, Ute Sehlbach-Schellenberg, an.

Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste waren die ganze Nacht bei Minusgraden mit einem Großaufgebot im Einsatz. Die Unfallstelle war weiträumig abgesperrt, Blaulicht zeugte in der Dunkelheit der Wetterau weithin von der Katastrophe. Ein Polizeihubschrauber beleuchtete das etwa einen Quadratkilometer große Trümmerfeld.

Ein beheiztes Zelt spendete Wärme, es gab Kaffee und Würstchen. Seelsorger boten den Helfern Unterstützung an. „Es ist immer sehr belastend, wenn Kinder beteiligt sind“, sagte Kreisbrandinspektor Otfried Hartmann. „Tief betroffen“ stand auch der Landrat des Wetteraukreises Joachim Arnold (SPD) in der Kälte, Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) sprach allen Helfern auf dem Feld den „allergrößten Respekt“ aus.

Es ist eines der bundesweit schwersten Flugzeug-Unglücke der vergangenen Jahre und das zweite schwere in Hessen binnen neun Monaten: Im März waren beim Absturz einer Cessna in Egelsbach im Landkreis Offenbach fünf Insassen gestorben.

Der einsetzende Schneefall behinderte die Arbeit am Sonntag zusätzlich. Das eingeschaltete Bundesamt für Flugunfalluntersuchung (BFU) geht wegen der Witterung von langwierigen Ermittlungen aus. „Es wird voraussichtlich einige Wochen dauern, bis wir alles gesichtet haben“, sagte BFU-Experte Ralf Weigand.
Lufthansa-Pilot an Bord

Neue Erkenntnisse gab es am Sonntag trotzdem: Wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten, soll eines der Kleinflugzeuge in Koblenz gestartet sein. Ziel: der Flugplatz in Reichelsheim. An Bord der Maschine hätten sich zwei Erwachsene und ein Kind befunden. Passagiere des zweiten Flugzeugs, das auf dem Weg von Stadtlohn nach Aschaffenburg war, seien zwei Erwachsene und drei Kinder gewesen. In einer der Maschinen saß offenbar ein Pilot der Lufthansa, die das bestätigte, aber keine Details nannte. Ob er das Flugzeug steuerte, ist daher nicht bekannt. Nun müsse erst die Identität der acht Opfer zweifelsfrei geklärt werden, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft der FR.

Doch auch zwei Tage nach dem Zusammenstoß sind Unglücksursache und die Identität der Opfer noch immer ungeklärt. Im schlimmsten Fall sei ein DNA-Abgleich notwendig, um alle acht Opfer zweifelsfrei zu identifizieren, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Gießen am Montag.
Vier Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen waren unterdessen auch am Montag noch in Wölfersheim, um Spuren zu sichern und Zeugen zu befragen. Nach derzeitigen Kenntnisstand seien beide Kleinflugzeuge im Sichtflug unterwegs gewesen, sagte ein Behördensprecher in Braunschweig auf Anfrage.

(mit dpa und dapd)

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