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Fluglärm Geräuschvoller Auftritt

Rund 350 Bürgerinnen und Bürger demonstrieren im Terminal 1 gegen den Fluglärm. Mit Trillerpfeifen, Kuhglocken und anderen Krachmachern fabrizieren sie einen Lärm, der es fast mit dem der Flugzeugmotoren aufnehmen kann.

Das erklärte Feindbild: Tieffliegende Flugzeuge.

Rund 350 Bürgerinnen und Bürger demonstrieren im Terminal 1 gegen den Fluglärm. Mit Trillerpfeifen, Kuhglocken und anderen Krachmachern fabrizieren sie einen Lärm, der es fast mit dem der Flugzeugmotoren aufnehmen kann.

Laut wollten sie sein. Im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens – dort, wo die Passagiere der Lufthansa einchecken und auf den Abflug warten – stellte sich am Montagabend eine ganz besondere „Reisegruppe“ ein. Etwa 350 Bürger und Bürgerinnen, die seit Inbetriebnahme der neuen Landebahn besonders unter dem Fluglärm leiden, schlugen Krach: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Ruhe klaut“, riefen sie. Oder: „Schlimmer als die Pest, Landebahn Nordwest.“ Oder: „Eene, meene miste, wir pfeifen auf die Piste.“

Mit Trillerpfeifen, Kuhglocken und anderen Krachmachern entwickelten die Flughafen-Ausbaugegner selbst einen erstaunlichen Lärm. „Fast so laut wie ein Jumbo“, meinte ein Teilnehmer aus Oberrad. Gekommen waren neue und alte Bürgerinitiativen, die durch den Lärm wieder zum Leben erweckt worden waren: „Kelsterbach – Kreis Fraport“ war vertreten, „Krachfurt am Main“ und „Fluglärm 21“ – wo immer das im Rhein-Main-Gebiet auch liegen mag. Fast eine Stunde lang gab es zum üblichen – im Terminal eher geräuscharmen – Flugbetrieb eine schrille, laute Begleitmusik.

Die Polizei hatte sich gleich zu Beginn zurückgezogen. „Das Klientel sind ganz normale Bürger aus der Umgebung“, erklärte Einsatzleiter Ulrich Heckelmann, der mit keinen Eskalationen rechnete. „Die machen jetzt mal ein bisschen Lärm. Das dürfen die. Wir leben in einem freien Land.“ Dass vieles von dem, was die Redner sagten, nicht verstanden werden konnte, schien niemanden zu stören. Immer wieder bildeten sich kleine Gesprächsgruppen, die ihre Erfahrungen austauschten. Der Lärm in den Hinterhöfen scheint besonders hartnäckig zu sein. Es wurde diskutiert, wie sich der Schall bricht und verstärkt, und dass es von Haus zu Haus riesengroße Unterschiede geben könne.

Ab jetzt jeden Montag Krach

„Ich weiß, dass es viele Überwindung gekostet hat, in die vermeintliche Höhle des Löwen zu kommen“, sagte Berthold Fuld als Sprecher des Bündnisses der Bürgerinitiativen. „Aber wir sind nicht in einer Höhle, sondern im Bau des hinterlistigen Fuchses, der uns nicht die Gans, sondern unsere Gesundheit gestohlen hat.“ Ein absolutes Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr fordert das Bündnis, das gelbe Flugblätter auch in englischer Sprache verteilte. Doch die Passagiere versuchten, die Demonstration tapfer zu ignorieren. „Wer hier wohnt, muss doch wissen, dass es laut ist“, sagte ein Mann aus Goslar im Harz, der Urlaub im Süden machen möchte. „Ich würde hier auch nicht wohnen wollen“, ergänzte eine Frau, die in der Schlange vor der Gepäckabgabe stand.

Doch die Demonstranten ließen sich von der Gleichgültigkeit der Fluggäste nicht beeindrucken. „Jetzt geht’s los“, wurde immer wieder intoniert. Und singend, rufend, pfeifend zogen sie von Halle B in Halle C. Verschiedene Sprecher verlangten die Stilllegung der eben eröffneten Nordwestbahn. „Wir werden uns mit unseren Forderungen nicht auf ein Nachtflugverbot beschränken“, beteuerte ein Ausbau-Gegner aus Wiesbaden. „Wir wurden belogen und betrogen. Von der Landesregierung und von der Lufthansa.“ Immer wieder wurde die Stilllegung der Nordwestbahn verlangt. Die Demonstration im Terminal sei nur der Anfang. Hier werde man sich nun immer montags um 18 Uhr treffen, um Krach zu schlagen.

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