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Unpünktlichkeit Fraport bewegt sich bei Entgelten

Es gibt kein kategorisches Nein mehr zu höheren Strafen für Nachtlandungen.

Frankfurt Flughafen
Wer zu spät landet, soll mehr zahlen. Foto: Michael Schick

Der wachsende Druck auf Fraport zeigt Wirkung: In einem neuen Entgeltantrag könnten die Aufschläge für Landungen nach 23 Uhr „neu bewertet werden“, sagte Konzernsprecher Christian Engel der Frankfurter Rundschau. Ein solcher Antrag benötige allerdings einen längeren Vorlauf, könne frühestens im Jahr 2020 beim zuständigen hessischen Verkehrsministerium gestellt werden. Bei Minister Tarek Al-Wazir (Grüne) würde Fraport auf offene Türen stoßen. Und auch die CDU hat im Vorfeld der Landtagswahl in den Chor jener eingestimmt, die höhere Entgelte für Unpünktlichkeit diskutieren. Im Moment sind die finanziellen Nachteile überschaubar. Für Ryanair etwa mit ihrem Flugzeugtyp B738 steigt die Gebühr von 200 Euro auf knapp 400 Euro bei Landungen nach 23 Uhr. Bei einem mit 189 Passagieren vollbesetzen Flugzeug sind das 1,06 Euro pro Kopf.

Im August führte Ryanair mit 37 die Zahl der verspäteten Landungen nach 23 Uhr laut Verkehrsministerium an. Gefolgt von Condor (24) und Lufthansa (20). Mit 124 waren es weniger, als in den beiden Vormonaten, was Minister Tarek Al-Wazir (Grüne) als positiven Trend bewertete. Doch ob die Intervention seiner Behörde und die monatlichen Presseberichte tatsächlich etwas bewirken, wird sich erst in der nächsten Hochsaison zeigen. In der Vergangenheit sanken die Zahlen immer ab August. Aber nie zuvor waren sie auf einem so hohen Niveau wie in diesem Jahr.

Das vom Ministerium eingeschaltete Regierungspräsidium (RP) Darmstadt prüft aktuell sechs Flugverbindungen – drei von Ryanair, zwei von Condor und eine der Firma Laudamotion, die eng mit Ryanair kooperiert. Zuletzt hinzugekommen sei eine Ryanair-Flugverbindung aus Valencia, informiert RP-Sprecher Christoph Süß auf Anfrage. Das zuständige Dezernat habe 19 neue Bußgeldverfahren gegen die verantwortlichen Piloten wegen Verstoßes gegen die Nachtflugbeschränkungen eingeleitet, so dass deren Zahl auf 86 angewachsen sei.

Verfahren gegen Ryanair eingeleitet

Wegen der Barcelona-Verbindung sei mittlerweile auch ein Verfahren gegen Ryanair selbst eingeleitet, die Fluggesellschaft zum Tatvorwurf angehört worden. Bei zwei weiteren Kandidaten meldet die Behörde Erfolg: unter dem Druck der eingeleiteten Verfahren sei „eine erhebliche Verbesserung der Pünktlichkeit eingetreten“, sagt Süß. Dies betreffe einen Condor-Flug aus Antalya und einen von Ryanair aus London-Stansted. Deren Verfahren ruhten jetzt, die Verbindungen würden weiterhin beobachtet.

Fraport-Sprecher Engel widerspricht jenen Stimmen, die gewissen Fluggesellschaften Verspätungslandungen als Geschäftsmodell unterstellen: „Keine Airline macht das bewusst“, versichert er. „Das ist ja auch ein Imageproblem.“ Und die Entgelte, die die Airlines für Starts und Landungen und den damit verursachten Lärm in Frankfurt zahlen müssen, seien schon jetzt vergleichsweise hoch. Nicht aber so hoch wie in Hamburg, räumt er ein. Nach 23.30 Uhr sei es dort wesentlich teurer.

Die Hanseaten werden in der Debatte über die Verspätungslandungen oft als Vorbild herangezogen. Im Juni 2017 hatten sie zuletzt ihre Entgeltordnung verschärft. Der Zuschlag für verspätete Maschinen erhöht sich von 23 Uhr an um 350 Prozent und dann im 15-Minuten-Takt bis Mitternacht um maximal 550 Prozent. Davor betrug der maximale Zuschlag noch 300 Prozent. In Hamburg dürfen Flugbewegungen zwischen 6 und 23 Uhr geplant werden.

In Frankfurt gilt ein Nachtflugverbot von 23 bis 5 Uhr mit Ausnahmen: Zwischen 23 und 24 Uhr sind Starts nach Einzelgenehmigungen erlaubt und, aufs ganze Jahr gerechnet, bis zu 7,5 Landungen täglich. Bedingung: Die Verspätungen ergeben sich nicht aus den Flugplänen. Die Entgelte steigen in dieser Stunde um 200 Prozent. Ein Blick auf die Jahresstatistik (Januar bis August) zeigt: Die meisten Verspätungslandungen sind zwischen 23 Uhr und 23.30 Uhr. Kommentar 

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