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Streit um Fluglärm-Messstellen Umland-Kommunen für breite Beteiligung

Hanau, Trebur, Mainz und der Landkreis Mainz-Bingen verweigern das Weiterleiten der von ihnen erhobenen Lärmdaten. Grund: Sie fürchten, mit dem Umwelthaus als Zentrale fielen Daten der kritischen Organisation Deutscher Fluglärmdienst hinten runter.

17.01.2011 19:43
Barbara Haas und Alexander Polaschek

Zwischen Kommunen und dem Land Hessen ist ein Konflikt über die Messung von Fluglärm entbrannt. Hanau, Trebur, Mainz und der Landkreis Mainz-Bingen stellen dem landeseigenen Umwelt- und Nachbarschaftshaus (UNH) bisher keine Daten ihrer Messstationen zur Verfügung. Somit kann das öffentliche Fluglärm- und Flugroutenbeobachtungssystem, das vom Umwelthaus in Kelsterbach aufgebaut worden ist, voraussichtlich nicht in dieser Woche in Betrieb gehen.

Nutzer des Systems sollen im Internet jede Maschine mit Flughöhe und Route identifizieren und einsehen können, welchen Lärm sie erzeugt hat. Dazu nutzt das Monitoring auch Daten von Messstationen in Kommunen.

Hanau, Trebur, Mainz und der Landkreis Mainz-Bingen möchten jedoch, dass das UNH die Werte vom Deutschen Fluglärmdienst (DFLD) bezieht. „Der DFLD leistet ehrenamtliche, sehr zuverlässige Arbeit über viele Jahre hinweg“, sagt Ralf Peterhanwahr von der Pressestelle der Stadt Mainz zur Begründung. „Wir möchten nicht, dass der DFLD als Institution, die sehr angesehen ist, aus dem Monitoring rauskatapultiert wird.“

Der DFLD betreibt eine Lärmmessstation in Mainz-Hechtsheim. Er erhebt auch Daten in der Gemeinde Trebur, im Landkreis Mainz-Bingen sowie an zwei Stationen in Hanau-Steinheim.

Kritik an Landesregierung und Fraport

Nach Auskunft der Stadt Hanau lehnte es das Umwelthaus ab, die Daten aus Steinheim über den DFLD zu erhalten. Der Stadtteil südlich des Mains ist am stärksten von Fluglärm belastet. „Sie wollen die Rohdaten direkt beziehen“, teilt Rathaussprecherin Güzin Langner mit.

Der DFLD steht dem Umwelthaus kritisch gegenüber. „Das UNH ist ein Teil der Strategie der hessischen Landesregierung, berechtigte Proteste der lärmgeplagten Bürger gegen die zunehmenden Gesundheitsgefahren durch Fluglärm klein zu halten“, erklärt der Verein auf seiner Homepage. Er moniert, dass der Betreiber des Frankfurter Flughafens, Fraport, und die Deutsche Flugsicherung als Datenlieferanten beim Fluglärm-Monitoring die Bedingungen stellen.

Der Fluglärmbeauftragten der Gemeinde Trebur, Elke Hoeft, missfällt das Vorgehen des UNH beim Fluglärm-Monitoring: „Das kommt mir vor wie eine Übernahme von Daten, die all die Jahre Private und Kommunen finanziert haben, weil der Flughafenbetreiber Fraport nicht in der Lage war, ein Netz mit Messstationen aufzustellen.“ Hoeft macht eine Einigung zwischen DFLD und Umwelthaus über die Messungen zur Bedingung dafür, dass Trebur Daten für das Fluglärm-Beobachtungssystem liefert.

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