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Streik bei der Lufthansa „Uns fehlt die Wertschätzung“

Steigender Arbeitsdruck, ruppiger Arbeitston: Immer weniger Piloten können sich mit ihrer Lufthansa identifizieren. Sie machen ihren Arbeitgeber für die Eskalation und den Streik verantwortlich.

Strikter Sparkurs und Dividende für die Aktionäre - passt das zusammen? Foto: dpa

Es ist traurig, dass es so weit kommen musste“, sagen viele Lufthansa-Piloten. Vor dem großen Streik zeigt sich unter den Flugzeugführern Entschlossenheit, aber auch etwas anderes wird deutlich: Die LH-Piloten sind enttäuscht. Sie machen die Airline für die aktuelle Eskalation verantwortlich.
In der Belegschaft grummelt es schon länger. So beklagen viele langgediente Kapitäne die Unternehmenskultur unter dem scheidenden Vorstandschef Christoph Franz.

„Der Ton in der Firma ist ruppiger geworden und die Kommunikation hat sich verschlechtert“, sagt ein Lufthansa-Pilot. Ein Indiz dafür sei die jährliche Mitarbeiterbefragung, bei der das Management immer schlechtere Noten bekam. Aus dieser geht auch hervor, dass die Identifikation der Piloten mit „ihrer“ Lufthansa abnimmt.

Tarifstreit verschleppt

Doch den Piloten geht es nicht nur um interne Befindlichkeiten. Weitere Gründe für ihre Unzufriedenheit sind der steigende Arbeitsdruck und ein Tarifstreit, den die Airline verschleppt habe. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) fordert eine Gehaltserhöhung von fünf Prozent, die Verhandlungen laufen seit zwei Jahren ohne Ergebnis.T

Der Unmut unter den Piloten ist groß, denn es geht auch um alte Privilegien. Die Lufthansa hat die Übergangsversorgung der Piloten auf den Prüfstand gestellt. Dieses tarifvertraglich geregelte Überbrückungsgeld stammt noch aus der Zeit, als die Airline ein Staatsbetrieb war.
Piloten bekommen die Übergangsversorgung, wenn sie im Alter zwischen 55 und 60 Jahren in den Ruhestand gehen. Es wird gezahlt, bis die gesetzliche Rente greift. „Wir streiken nicht, weil wir eine Gehaltserhöhung wollen, sondern damit unsere Übergangsversorgung gewährleistet bleibt“, sagt ein Kapitän, der seit mehr 25 Jahren fliegt.

Erbost sind die Piloten vor allem darüber, dass Lufthansa einerseits ihren Aktionären für 2013 eine Dividende von 45 Cent pro Aktie zahlt, andererseits aber intern einen strikten Sparkurs fährt. Dass sich Piloten daran nicht beteiligen, sei falsch, sagt der Kapitän: „Durch die Auslagerung des gesamten nichtzentralen Europaverkehrs an die Firmentochter Germanwings ist das Flugpersonal sogar besonders vom Sparprogramm betroffen.“ Beim LH-Billigableger fliegen vor allem junge Co-Piloten zu schlechteren Konditionen.

Hinzu komme, dass Lufthansa seine Piloten gerne länger fliegen lassen würde. „Es hat aber seinen Grund, warum wir mit 55 in Rente gehen“, so der Pilot. Mit höherem Alter werde es immer schwieriger, der Verantwortung für Menschen und Flugzeuge gerecht zu werden, das Unfallrisiko steige exponentiell an.

Die Piloten beklagen auch, dass im aktuellen Tarifstreit die öffentliche Meinung gezielt beeinflusst werde, wenn es um ihre Bezüge gehe. „Die Vergütungstabellen für Piloten etwa deckeln das maximal erreichbare Gehalt deutlich unter den veröffentlichten 255 000 Euro im Jahr.“ Im internationalen Vergleich lägen die LH-Piloten mit ihrem Verdienst im Durchschnitt. Zahlen hierzu sind allerdings schwer zu bekommen. Die aktuelle Debatte klinge manchmal „fast so, als ob wir uns einfach ein überhöhtes Gehalt aus der Firmenkasse nehmen“, sagt der Pilot. „Uns fehlt die Wertschätzung als Mitarbeiter.“

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