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Nachtflugverbot Rekordverspätungen bei Ryanair

Trotz des Nachtflugverbots landeten im April 40 Mal Maschinen der Billigairline nach 23 Uhr auf dem Frankfurter Flughafen.

Landung auf dem Frankfurter Flughafen
Die Flieger von Ryanair sind auffallend häufig während des Nachtflugverbots unterwegs. Foto: Fraport

Noch nie landeten so viele Ryanair-Flugzeuge nach 23 Uhr auf dem Frankfurter Flughafen wie im April: 40 Maschinen kamen laut Deutschen Fluglärmdienst erst nach Eintritt des Nachtflugverbots zu Boden. Laut hessischem Verkehrsministerium waren es 38. Auch dann wäre dies ein neuer Negativ-Rekord der Iren. Fast alle anderen Billigfluggesellschaften hielten sich an die Regeln. Einzige Ausnahme war Laudamotion mit einer einzigen Verspätungslandung im April. Damit stieg die Zahl der verspäteten Landungen in diesem Jahr auf 195. Knapp die Hälfte davon gehen auf das Konto von Ryanair. Der Planfeststellungsbeschluss setzt das Limit bei durchschnittlich 7,5 pro Tag im Kalenderjahr.

Ryanair setzt die Entwicklung fort, die sich nach Umstellung auf den Sommerflugplan am 25. März angedeutet hatte: Nach einem Rückgang der Verspätungslandungen im Februar schnellte deren Zahl wieder auf 29 hoch. Alleine 17 fielen auf den Sommerflugplan. Ob womöglich System dahintersteckt, prüft derzeit das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt. Das Verkehrsministerium hatte es als zuständige Aufsichtsbehörde gebeten, ein Ordnungswidrigkeitsverfahren für zwei bestimmte Ryanair-Flüge einzuleiten, die besonders auffällig waren. Es bestehe der Verdacht, dass die Verspätungen auf die Flugplangestaltung zurückzuführen sein könnten.

Konkret geht es um 13 Flüge aus Stansted und 16 aus Barcelona, die seit Inkrafttreten des Sommerflugplans zu spät in Frankfurt landeten, sagt Ministeriumssprecher Marco Kreuter. „In jedem einzelnen Fall werden Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.“ Jeder einzelne Flug werde nun geprüft. Ryanair scheint das nicht zu beeindrucken: 26 der Verspätungen im April kamen aus Barcelona, 22 aus London, elf aus Valencia.

Erwiesene Verstöße gegen das im Planfeststellungsbeschluss verankerte Nachtflugverbot wären eine Ordnungswidrigkeit. Sie können mit einem Bußgeld von bis zu 50 000 Euro geahndet werden. Doch bis dahin sei es ein langer Weg, sagt RP-Sprecher Dieter Ohl. „Hier erfolgen nun nach und nach die Anhörungen der betroffenen Piloten als verantwortliche Luftfahrzeugführer.“ Weil viele im Ausland wohnten, laufe die Frist zur Stellungnahme bis Ende Mai / Anfang Juni. „Derzeit richten sich die Verfahren nur gegen die verantwortlichen Piloten“, betont der RP-Sprecher. Ryanair ist demnach nicht involviert. Nach Ablauf der Anhörungsfrist werde über den Fortgang der Verfahren und die Verhängung eines Bußgeldes entschieden, so Ohl.

Die Airline streitet weiterhin jede Verantwortung ab. Ihre Antwort auf FR-Anfrage zum April-Rekord ist nahezu identisch mit der aus dem Vormonats. „Für alle Flüge nach Frankfurt am Main wird bei der Planung das Nachtflugverbot ab 23 Uhr berücksichtigt“, versichert Pressechef Robin Kiely. Schuld an den „geringfügigen Verspätungen“ seien „die von der Flugverkehrskontrolle verursachten Slot-Verspätungen in Großbritannien und Deutschland“. Man habe die zuständigen Behörden aufgefordert, das Problem zu lösen.

Ende März vergangenen Jahres hatte Ryanair den Betrieb in Frankfurt aufgenommen. Mit dem Angebot wuchs die Zahl der Verspätungslandungen seit September. Nach einer Intervention des Ministeriums sah es im Februar kurzzeitig besser aus. Doch im März trat wieder Ernüchterung ein. Attraktiv wurde der Rhein-Main-Airport für Ryanair, nachdem Flughafenbetreiberin Fraport im vergangenen Jahr ihr Geschäftsmodell änderte. Billigflieger sollen jetzt das Wachstum bringen, mit dem der Flughafenausbau vor elf Jahren begründet wurde. Als Anreiz legte Fraport ein Rabattprogramm für alle Airlines auf, die im Europaverkehr die Zahl der Passagiere im Vorjahresvergleich steigern können. Eine willkommenen Einladung für Neueinsteiger wie Ryanair.

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