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Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen "Es gibt kein Nachtflugverbot"

Trotz Nachtflugverbotes hat es am Frankfurter Flughafen seit Jahresbeginn weit über 200 Flüge zwischen 23 und 5 Uhr gegeben - teils mit skurrilen Begründungen. Das geht aus einer Dokumentation über die Verstöße vor, die die Bürgerinitiative Sachsenhausen jetzt vorgelegt hat.

Nachts wollen die Bürger und auch die Hotelgäste keine Flugzeuge, sondern ihre Ruhe. Foto: Michael Schick

Rechtzeitig vor dem Jahrestag des sogenannten Leipziger Urteils hat die Bürgerinitiative Sachsenhausen eine umfangreiche Dokumentation über Starts und Landungen nach 23 Uhr vorgelegt. Nach Einschätzung der BI gibt es so viele Ausnahmegenehmigungen während der sogenannten Mediationsnacht, die von 23 bis 5 Uhr dauert, dass von einem Nachtflugverbot keine Rede sein könne. Am Mittwoch wurde die Dokumentation, die auf den Daten des Deutschen Fluglärmdienstes (DFLD) beruht, im Wintergarten von BI-Sprecherin Ursula Fechter vorgestellt.

Die schönsten Begründungen

Gern hätte Fechter an diesem Vormittag vorgeführt, wie laut es in ihrem Zuhause seit Inbetriebnahme der Nordwestbahn am 21. Oktober 2011 geworden ist, doch es herrscht Ostwind – und richtig laut wird es erst, wenn die Flugzeuge die neue Landebahn in Richtung Westen ansteuern. Mit am Tisch sitzen drei Mitstreiter: Ina Hauck, Hanspeter Günster und Martin Hertel. Sie berichten: „Wir sind nach Wiesbaden gefahren, haben Akten eingesehen und Ausnahmegenehmigungen kopiert.“

Die vorgelegte Dokumentation enthält nicht nur Details wie die benutzte Bahn, die Airline und den Ziel- beziehungsweise Herkunftsort, sondern auch „eine Auswahl der schönsten Begründungen der örtlichen Luftaufsicht“, des Landes-Wirtschaftsministeriums. So wurde für die elf Starts zwischen 0.00 und 1.30 Uhr in der „Winternacht“ vom 13. März notiert: „Der Beginn der Enteisung der Luftfahrzeuge lag vor 00:00.“ In einer solchen Winternacht hätte man eher mit dem Enteisen beginnen müssen, meinen die Fluglärmgegner.

„Das Flugzeug kann aufgrund des Regens nicht beladen werden. Die Frachttüren sind geschlossen, um die Elektronik des Flugzeugs zu schützen“, lautet die Begründung für eine andere Ausnahmegenehmigung. In nur 30 Minuten würden die Genehmigungen erteilt, da könnten die Begründungen kaum überprüft werden.

Insgesamt habe es seit Jahresbeginn bis zum 17. März 248 Flüge in der Mediationsnacht von 23 bis 5 Uhr gegeben, wobei Lufthansa und Condor „die Spitzenreiter“ bei den Ausnahmegenehmigungen seien.

In den Stunden vor und nach dem Nachtflugverbot, also von 22 bis 23 Uhr und von 5 bis 6 Uhr wurden 5320 Flüge registriert. In den Nachtrandstunden herrsche Hochbetrieb, so die BI. Insgesamt gab es in diesem Zeitraum 88758 Flugbewegungen. Bei rund 30 Prozent handele es sich um Kurzstreckenflüge von weniger als 500 Kilometern, die durch Reisen mit der Bahn ersetzt werden sollten.

Alle ausgewerteten Fluglärmdaten auf www.intertape.de/Fluglaerm/ nf02.mp4 und über www.bi-sachsenhausen.de.

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