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Montagsdemo Sechs Stunden Nachtflugverbot sind nicht genug

Auch an diesem Montag ziehen tausende Fluglärm-Gegner durchs Terminal 1 am Flughafen in Frankfurt. Ihnen geht das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts - eine sechsstündige Start- und Landepause pro Nacht - nicht weit genug: Sie fordern ein längeres Nachtflugverbot.

"Jetzt erst recht": Das ist das neue Motto der Fluglärm-Gegner. Foto: Andreas Arnold

Die Bewegung hat einen neuen Slogan. Rhythmisch ruft sie ihn durch das Terminal 1: „Jetzt erst recht, jetzt erst recht.“ Es ist die erste Montagsdemonstration nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vor zwei Wochen. Zwischen 23 und 5 Uhr soll am Himmel über Rhein-Main Ruhe herrschen, haben die Richter gesagt. Doch sechs Stunden Nachtruhe, damit geben sich die Menschen hier nicht zufrieden.
„Jetzt erst recht“ skandieren sie und meinen damit ihre Forderung nach einem Nachtflugverbot zwischen 22 und 6 Uhr und auch weniger Flügen am Tage. „Wir wollen rechtlich einklagbare Lärmobergrenzen“, sagt Dirk Treber von der Interessengemeinschaft zur Bekämpfung des Fluglärms. „Wir akzeptieren nicht, dass wir jeden Tag mit Fluglärmterror, Schadstoffen, Dreck und Abgasen überzogen werden.“ Die Menge unter ihm applaudiert, trötet, ruft: „Die Bahn muss weg, die Bahn muss weg.“

1730 Teilnehmer hat die Polizei bei der 19. Montagsdemonstration gezählt. „Mindestens 2500 sind es“, sagt Ingrid Kopp vom Bündnis der Bürgerinitiativen. Die meisten sind in Grüppchen angereist. Nachbarn, die seit dem 21. Oktober so gut wie jedes Mal dabei sind. Manche, wie die Clique aus Sachsenhausen, hatten einen kurzen Weg. Andere kommen von recht weiter her: aus Trebur, Rheinhessen, Nauheim sind gelbe Ortsschilder zu sehen; aus Mainz-Oberstadt, Frankfurt Bergen-Enkheim, Offenbach. Es gibt auch Schilder mit dem Konterfei von Ministerpräsident Volker Bouffier: „Wanted, 1000 Dollar.“

Ungewohnte Choreographie

Auf die Politiker sind die Menschen hier gar nicht gut zu sprechen. Die steckten doch mit den Wirtschaftsbossen unter einer Decke, sagt eine Frau im Vorbeigehen. Dann spitzt sie wieder die Ohren: Diesmal, sagt Moritz Gebhard von der BI Erzhausen am Mikrofon, soll der Umzug durch das Terminal einer anderen als der gewohnten Choreographie folgen.


Die Leute mit ihren Schildern, Rasseln und Tröten teilen sich in zwei Gruppen. Eine geht links herum, eine rechts, in der Mitte treffen sie sich. Dort greifen sie das Seil, das sie vereint. „Wir ziehen an einem Strang“ soll dies zeigen. „Wir Flughafenausbaugegner stehen zusammen, wir lassen uns nicht auseinanderdividieren“, ruft Gebhardt. „Nur gemeinsam sind wir stark genug und können in bundes- und europaweiter Vernetzung unsere Kernforderungen durchsetzen. „Jetzt erst recht“, ruft die Menge und: „Wir sind das Volk.“

Kopfschüttelnd zieht Frank Bodlak seinen Koffer in Richtung Abflugterminal. Der Geschäftsmann wohnt in Schlangenbad und hat seit einem Jahr ebenfalls mehr Fluglärm. Den müsse man halt ertragen, sagt der Vielflieger auf dem Weg nach Sarajevo und argumentiert mit den Arbeitsplätzen. „Frankfurt geht es sehr gut. Das muss nicht so bleiben.“

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