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Montagsdemo Schlaflos am Flughafen

Unter die Demonstranten am Flughafen mischen sich auch Piloten. Die Vereinigung Cockpit warnt vor übermüdetem Cockpit-Personal. Das komme nämlich häufiger vor, als Flugpassagiere denken - wie eine Umfrage ergeben hat.

Montagsdemo gegen Fluglärm am Flughafen: 2200 waren es diesmal nach Angaben der Veranstalter. Foto: Chris Hartung

Unter die Demonstranten am Flughafen mischen sich auch Piloten. Die Vereinigung Cockpit warnt vor übermüdetem Cockpit-Personal. Das komme nämlich häufiger vor, als Flugpassagiere denken - wie eine Umfrage ergeben hat.

Demonstrieren heißt, sich zeigen. Seit Eröffnung der Nordwestlandebahn zeigen sich (fast) jeden Montagabend meist zu mehreren Tausenden die Flughafenausbaugegner. Auch am gestrigen Montagabend zog der 2200-köpfige Lindwurm der Fluglärmgeplagten wieder lärmend durch das Terminal 1.

Bereits am Vormittag hatten die Verkehrsflugzeugführer der Vereinigung Cockpit den wohl buntesten Tummelplatz der Republik zu Demonstrations- und Aufklärungszwecken genutzt. Die Piloten wehren sich gegen ihrer Meinung nach zu lange und damit auch gefährliche Flugdienstzeiten innerhalb der EU.

Ein Dutzend mit Flyern und Unterschriftenlisten bewaffnete Kapitäne ging in den beiden Terminals umher, „um in erster Linie etwas für die Sicherheit der Passagiere zu tun“, wie Ilja Schulz, der Cockpit-Präsident, sagt. Beim Thema übermüdete Piloten tritt selbst den unerschrockensten Vielfliegern der Angstschweiß auf die Stirn. Und so mancher Fluggast, der am Montag „aufgeklärt“ dem Check-in-Schalter entgegenstrebte schaute etwas nachdenklicher drein als zuvor. „Jeder fünfte Unfall mit Verkehrsflugzeugen“, so berichtet Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg, „hat etwas mit Übermüdung von mindestens einem der beiden Piloten zu tun“.

Eine Umfrage unter Piloten hat ergeben, dass ein Drittel der Flugzeugführer an den Schalthebeln im Himmel schon mal unfreiwillig eingeschlafen ist. Ein US-amerikanisches Passagierflugzeug ist praktisch herrenlos eine Stunde über den anvisierten Flughafen hinausgeflogen. Offizielle Begründung: Der Kapitän und sein Copilot seien zu sehr in ihre Laptops vertieft gewesen. Die Cockpit-Vertreter sind sich sicher: Die waren eingeschlafen .

Damit es bei den deutschen Fluggesellschaften gar nicht erst zu solch gefährlichen Situationen kommt, wehren sich die Piloten gegen eine 2013 geplante europaweite Harmonisierung der Flugdienstzeiten, die für viele Besatzungen Verschlechterungen mit sich bringt, vor allem aber gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse außer Acht lässt. Zahlreiche Studien von Schlafwissenschaftlern hätten ergeben, dass nach zehn Stunden Arbeit die Leistungsfähigkeit des Menschen drastisch nachlässt, nach zwölf Stunden erhöht sich für Piloten das Unfallrisiko dramatisch.

Erstaunt zeigten sich die meist aufgeschlossenen Passagiere über die Tatsache, dass deutsche Piloten bis zu 15 Stunden Flugdienstzeit absolvieren müssen. „Dabei ist der Bereitschaftsdienst noch nicht eingeschlossen“, erklärte Handwerg. Innerhalb weniger Stunden hatten die Kapitäne einige Hundert Unterschriften gesammelt. Wer will, kann sich dem Protest im Internet anschließen.

www.flugdienstzeiten.de

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