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Mahnwache Ärger über die Arroganz von Fraport

Rund 20 Ausbaugegner empfangen Aktionäre mit einer Mahnwache.

Proteste
Nicht nur in Frankfurt leiden die Menschen unter den Folgen des Flugverkehrs. Foto: Christoph Boeckheler

Diesmal haben die Demonstranten keinen Fluglärm für die Aktionäre mitgebracht. Diesmal ist es Hans Schinke, der die Menschen vor der Jahrhunderthalle in Höchst persönlich empfängt. Der Kleinaktionär und Fluglärmgegner aus Offenbach hat sich in die Fantasieuniform eines Flugkapitäns geworfen. Auch die Schirmmütze fehlt nicht. In der einen Hand hält Schinke ein Manuskript, in der anderen ein Mikrofon, in das er pausenlos spricht: Statt die Verantwortlichen im Ryanair-Management für die permanenten Verspätungslandungen zur Verantwortung zu ziehen, würden lediglich die Piloten als Bauernopfer vom Regierungspräsidium zum Rapport einbestellt. „Ryanair muss unverzüglich Zeitpuffer einplanen“, fordert der Offenbacher, der später als Aktionär auch bei der Versammlung Fragen stellen wird. „Es kann einem Angst und Bange werden, wenn die Fraport AG weiter ausbauen will.“

 Es sind höchstens 20 Leute, die sich der Mahnwache anlässlich der Hauptversammlung am Dienstag angeschlossen haben. Nicht jeder hat Zeit an einem normalen Werktagvormittag. Am Abend zuvor, bei der traditionellen Montagsdemo in Terminal 1, waren es rund 120, berichtet ein Teilnehmer. Doch demnächst würden es gewiss wieder einmal mehr sein. Denn es steht das nächste Jubiläum an: die 250. Montagsdemo am 11. Juni. 

Regine Gollwitzer aus Frankfurt-Sachsenhausen hat sich den gelben Einladungsflyer auf die Brust geheftet. „Ich bin nicht gegen den Flughafen, aber gegen den Ausbau“, stellt sie klar. Der Airport sei zu groß für den dicht besiedelten Ballungsraum. „Man baut ja auch keinen internationalen Containerhafen an den Main.“ Der Lärm nervt sie und der Umgang mit den Betroffenen: „Die Arroganz, wie über die Bedürfnisse der Bevölkerung gesprochen wird.“ Auch jetzt wieder, sagt sie, nach dem jüngsten Wirbelschleppen-Vorfall in Flörsheim. Da sei den Bewohnern geraten worden, sich zu ihrer eigenen Sicherheit nicht im Garten, sondern in der Wohnung aufzuhalten. „Das ist unfassbar.“ 

Hartmut Rencker von der Bürgerinitiative Mainz-Lerchenberg schaltet sich ins Gespräch ein. In den Händen hält er ein Transparent „Stop Airport Expansion“. Wenn in Istanbul der große Flughafen eröffnet, sagt er, würden viele Airlines von Frankfurt abziehen: „Aus Panik über den Verlust setzt Fraport jetzt auf die Billigfliegerei.“ 

 Etwas abseits, im kühleren Schatten, steht Ferdinand Stegbauer. Der Mediziner aus Sachsenhausen warnt vor den gesundheitlichen Gefahren durch Lärm und Ultrafeinstaub. Der von Fraport erhoffte Gewöhnungseffekt stelle sich nicht ein. „Bei der Bevölkerung wird die Reizschwelle immer geringer.“ Er engagiere sich. Doch immer mehr Menschen hätten ihren Kampf aufgegeben, weil sie sich nicht ernst genommen fühlten: „Das führt zu Politikverdrossenheit.“ 

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