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Kreis Offenbach Angst vor neuer Flugroute

Sieben Bürgermeister im Kreis Offenbach lehnen ein gerade getestetes Anflugverfahren auf den Frankfurter Flughafen ab. Sie fürchten weiteren Fluglärm für ohnehin belastete Kommunen.

Flugzeuge über dem Isenburg-Zentrum: Neu-Isenburg ist schon jetzt vom Fluglärm stark betroffen. Foto: Rolf Oeser

Nachtigall, ick hör dir trapsen! Frei nach dieser Berliner Redensart haben sieben Bürgermeister aus dem Kreis Offenbach gestern klargemacht, dass sie Unheil kommen sehen: Sie befürchten, dass ein neues Anflugverfahren, das gerade in einem Forschungsprojekt getestet wurde, in den Regelbetrieb übernommen werden könnte. Das würde für die Kommunen im Kreis Offenbach mehr Lärm bedeuten, weil die Flugzeuge im Endanflug Kurven fliegen und somit die dicht besiedelten Gebiete Hanau, Offenbach und Frankfurt meiden könnten. „Wir lehnen die neue Flugroute ab“, lautete gestern das einhellige Credo. Lärmminderung statt Lärmumverteilung sei das Gebot der Stunde.

Bei dem getesteten Verfahren kann der Anflug in größeren Radien gekrümmt verlaufen. Die Flugzeuge drehen im Bereich zwischen Obertshausen und Heusenstamm auf 550 Metern Höhe in eine Kurve ein und fliegen Richtung Neu-Isenburg-Gravenbruch weiter. Am „Monte Scherbelino“, dem Schuttberg am Offenbacher Kreuz, ist das versetzte Anfliegen dann zu Ende; die Flugzeuge setzen wie bisher zur geradlinigen Landung an.

Vom 26. Mai bis 31. August wurde das neue Anflugverfahren erstmals getestet. Es trägt den Namen „RNP-to-xLS“ und befindet sich laut Deutscher Flugsicherung (DFS) noch im Forschungsstadium. „240 Anflüge gab es in diesem Zeitraum“, erklärte das Heusenstammer Stadtoberhaupt Halil Öztas (SPD) gestern in der Konferenz mit seinen Bürgermeisterkollegen. Nicht alle seien über den Kreis Offenbach gegangen, ein Teil betraf auch die Kommunen westlich des Flughafens.

Das Testverfahren war eigentlich beendet, doch am Mittwoch hat die Fraport 40 weitere Testflüge beantragt, die nun über Ginnheim-Gustavsburg gehen sollen. Bei den Bürgermeistern im Kreis Offenbach schrillten sofort die Alarmglocken.

Sollte die getestete Flugroute in den Regelbetrieb überführt werden, dann treffe der Fluglärm Gebiete, die durch ihre Lage an Autobahn und Schiene bereits belastet sind, machte der Rodgauer Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) klar. Die Stadtoberhäupter fordern, den Gesamtlärm nach der EU-Umgebungslärmrichtlinie zu betrachten, die einzelne Lärmquellen getrennt erfasst. „Mit Ausnahme von Neu-Isenburg haben die betroffenen Kommunen keinen Anspruch auf passiven Schallschutz“, sagte Öztas. Das sei auch zu berücksichtigen.

Laut Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) gehört Neu-Isenburg schon jetzt zu den Kommunen im Rhein-Main-Gebiet, die durch den Fluglärm am stärksten belastet sind. „In Gravenbruch werden tagsüber 64 bis 72 dBA gemessen und 60 bis 67 dBA in der Nacht“, sagte er. Und ausgerechnet Gravenbruch wäre nun in erster Linie von der möglichen neuen Flugroute betroffen.

Die Bürgermeister haben Thomas Mehler, einen Rechtsanwalt, eingeschaltet. Nach seinen Worten ist die Testroute zwar aus Lärmschutzgründen eingeführt worden, jedoch sei in dem Leitz-Ordner nur eine einzige DIN-A4-Seite zum Thema Lärm zu finden. „Der Rest befasst sich mit Flugsicherheit.“ Er habe schon viele dünne Sachverhaltsermittlungen zum Thema Lärm gesehen, „aber das hier toppt alles“, sagte er. Fluglärm werde sowieso meistens „mit einer Wanderkarte“ ermittelt, „aber hier haben die Überlegungen auf einem Bierdeckel stattgefunden“.

In einer hochbelasteten Stadt wie Offenbach werde wohl die Verschiebung der wenigen Flugzeuge kaum spürbar wahrgenommen, meinte Hainburgs Bürgermeister Bernhard Bessel (CDU). Die Bürger in den kreisangehörigen Kommunen dagegen nähmen den Lärmanstieg als deutliche Verschlechterung wahr.

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