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Interview: Öko-Institut zu Fluglärmmessung Mehrwert für die Bürger

Können die gemessenen Daten vom Krach überfliegender Jets manipuliert werden? Kritiker des Umwelthauses fürchten das. Die Leiterin des Bereichs Umweltrecht beim Öko-Institut, Regine Barth, hält das für ziemlich unwahrscheinlich.

18.01.2011 10:59
Regine Barth leitet den Bereich Umweltrecht und Governance beim Öko-Institut in Darmstadt. Foto: Öko-Institut e.V.

Frau Barth, worin liegt Vor- oder Nachteil, wenn Fluglärmdaten von Fraport und Städten gemeinsam präsentiert werden?

Im Moment gibt es diese beiden Parteien, die diese Messdaten separat erheben. Dazu kommt als Dritter neuerdings das Umwelt- und Nachbarschaftshaus (UNH) mit eigenen Messstationen. Das UNH ist als Einrichtung vom Land Hessen genau für solche Aufgaben geschaffen worden. Die Forderung der Kommunalvertreter nach Einrichtung eines umfassenden Fluglärmmonitorings war bereits im Mediationspaket und Anti-Lärm Pakt des RDF aufgenommen worden. Ich sehe einen Mehrwert für Bürger, wenn die verschiedenen Lärmmessdaten auf einen Blick verfügbar wären. Darüber hinaus können Ergebnisse von Stationen verschiedener Betreiber verglichen werden.

Der Deutsche Fluglärmdienst (DFLD) sammelt schon länger Lärmdaten. Warum nutzt man nicht dieses System?

Selbstverständlich ist es sehr wünschenswert, auch die Daten kommunaler Messstellen im UNH zu nutzen, die vom DFLD betrieben werden. Das zu realisieren ist kein ganz einfacher Prozess, aber ich bin zuversichtlich. Ziel ist die Zusammenführung auf „neutralem“ Boden. Also wird weder Fraport die Rohdaten aus DFLD betriebenen kommunalen Messstellen erhalten, noch der DFLD, der ja als Satzungsziel unter anderem die Beratung von Fluglärmgeschädigten hat, die Daten von Fraport. Wenn die unbearbeiteten Daten jeweils zusätzlich an das UNH gehen, kann dort eine neutrale Aufbereitung und Nutzung umgesetzt werden. Bisher war immer wieder gegenseitiges Misstrauen vorhanden, ob Daten jeweils im Sinne der eigenen Ziele selektiv veröffentlicht oder interpretiert werden.

Wie kann der Bürger wissen, ob Daten von Fraport nicht im UNH manipuliert werden?

Technisch nachprüfen kann er das nicht. Die Daten werden aber zeitgleich direkt von den Messstationen sowohl an Fraport als auch das UNH übermittelt. Eine Vorabfilterung wäre da nach meiner Kenntnis gar nicht möglich. Abgesehen davon unterstelle ich keiner der beiden Seiten solche Absichten, sondern nehme wahr, dass die verschiedenen Messstellenbetreiber jeweils ernsthaft um eine hochwertige Messung und Auswertung bemüht sind. Hoffentlich wird das durch die Zusammenführung auf der UNH-Website dann auch für alle erfahrbar.

Wo liegt der Nutzen für den Bürger, wenn das System des UNH online geht?

Sie erhalten ein umfassendes Bild, welche Messwerte sie an welcher Messstelle etwa in der Nähe ihres Wohnorts bekommen.

Welche Botschaft geht vom Lärmmesssystem des UNH aus?

Wir haben in der Region sehr hohe Betroffenheiten und über Jahre hinweg Auseinandersetzungen, ob richtig oder falsch gemessen wird. Jetzt gibt es eine neutrale Stelle, die als Ergebnis eines langen Diskurses dafür gegründet wurde, die Region zu informieren, ohne dass man sich nicht fragen muss, ob ein bestimmtes Interesse dahinter steht. Hier steht die Information der Bürger im Vordergrund.

Interview: Jürgen Schultheis

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